Osteoporose-Beratung in der Seegarten Klinik
Osteoporose ist selten eine Knochenkrankheit, sondern meist ein Spiegel systemischer Störungen.
In der Osteoporose-Beratung schätzen wir Ihr persönliches Risiko ab und zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Knochen stärken können: mit Bewegung, Nährstoffen und, wo nötig, weiteren Therapien.
Das Problem der Osteoporose besteht in einem Schwund der Knochenelastizität (durch das Überwiegen der Kalziumsalze) und der Knochenmasse (durch den verstärkten Abbau der organischen Knochensubstanz, der Eiweisse). Unter diesen Voraussetzungen können Unfälle mit ungeschickten Stürzen im Alter eher einen Knochenbruch zur Folge haben. Bei einer fortgeschrittenen Osteoporose können aber bereits kleine «Traumen» wie Einkaufstasche aufheben, Bücken oder gar nur das Niesen eine Fraktur auslösen.
Die Beratung richtet sich an Frauen und Männer mit der Diagnose Osteoporose, mit Risikofaktoren oder mit Fragen zu einer laufenden Behandlung.
Bringen Sie Ihre bisherigen Berichte der Knochendichtemessung und Laborbefunde mit, oder reichen Sie sie vorab ein.
Was die Knochendichtemessung sagt – und was nicht
Die Diagnose Osteoporose stützt sich heute meist auf die Knochendichtemessung (DEXA) und den daraus errechneten T-Score: Liegt er unter −2,5, gilt der Knochen als osteoporotisch.
Die Messung hat Grenzen. Dichte ist Masse pro Volumen; die DEXA durchleuchtet den Knochen aber nur in zwei Dimensionen und misst eine Flächendichte in Gramm pro Quadratzentimeter. Geräte, Referenzdatenbanken und Korrekturfaktoren unterscheiden sich, und die Messung selbst schwankt um bis zu 3 % an der Lendenwirbelsäule und bis zu 5 % an der Hüfte.
Was die DEXA nicht zeigt
- die Stärke des Knochens
- seine Struktur und Qualität
- seine Fähigkeit, sich zu reparieren
- seinen Stoffwechsel
Auch unter Medikamenten sagt die Knochendichte wenig über das Bruchrisiko: Ihre Zunahme erklärt nur 4 bis 28 % des Rückgangs an Frakturen (Li 2001, Cummings 2001, Sarkar 2001).
Trabekulärer Bone Score und Computertomographie
Der Trabekuläre Bone Score (TBS) ist ein Messwert, der die mikroarchitektonische Struktur des Knochens bewertet. Es handelt sich um eine quantitative (nicht qualitative!) Bewertung der Knochenstruktur, die auf Grauwert-Texturanalyse basiert. Der TBS wird aus der DEXA gewonnen. Somit ignoriert auch diese Auswertung die räumliche Darstellung. Trotzdem soll der TBS Informationen über das Frakturrisiko liefern, die über die alleinige Messung der Knochendichte hinausgehen.
Die Diagnostik der Osteoporose hat durch die Einführung des Volumen-Computertomographen, auch bekannt als Quantitative Computertomographie (QCT), bedeutende Fortschritte gemacht. Dieses hochmoderne bildgebende Verfahren ermöglicht es, die Knochenstruktur dreidimensional mit hoher Auflösung zu visualisieren und bietet dadurch eine detaillierte Analyse der Knochendichte. Im Gegensatz zur herkömmlichen DEXA-Scan-Methode, die lediglich ein zweidimensionales Bild liefert, kann das Volumen-CT die räumliche und damit die tatsächliche Dichte des Knochens erfassen und so genauere Hinweise auf die Brüchigkeit und das Frakturrisiko geben.
Die QCT wird in der Diagnostik der Osteoporose jedoch nur selten eingesetzt. Gründe dafür sind die hohen Kosten, die eingeschränkte Verfügbarkeit, die Strahlenbelastung (vor allem bei wiederholten Messungen), die Komplexität der Dateninterpretation mit spezialisierter Software und das angebliche Ausreichen des DEXA-Scans für die meisten klinischen Entscheidungen. Schlussendlich wird die teure Messung nicht von den Krankenkassen rückerstattet. Kein Wunder, bleibt die QCT eine spezialisierte Technik für die Forschung.
Der T-Score kennt Ihr Gewicht nicht
Der T-Score vergleicht Ihre Knochendichte mit der von gesunden Erwachsenen im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren. Krankheit wird so als Abstand zur Jugend definiert. In den T-Score geht das Geschlecht ein, in den Z-Score zusätzlich das Alter, das Körpergewicht in keinen von beiden.
Knochen tragen aber Gewicht: Je schwerer ein Mensch, desto dichter seine Knochen. Viele schlanke Frauen erhalten deshalb die Diagnose Osteoporose, obwohl sie lediglich leichte Knochen für wenig Gewicht haben. Mit der Muskulatur verhält es sich ähnlich.

Wer im gelben oder roten Feld, aber über, auf oder knapp unter der Geraden liegt, braucht keine Behandlung. In der üblichen Auswertung gelten diese Menschen alle als osteopenisch oder osteoporotisch und erhalten eine Osteoporose-Therapie, die sie gar nicht benötigen.
Umgekehrt kann ein übergewichtiger Mensch trotz normaler Knochendichte eine osteoporotische Konstellation haben, dann nämlich, wenn sein B-Score tief ist. Das kommt aber selten vor.
Der B-Score: Knochendichte im Verhältnis zum Gewicht
Der B-Score («Bone Score») setzt Ihre gemessene Knochendichte ins Verhältnis zu Ihrem Körpergewicht. Der Normalbereich liegt zwischen 0,87 und 1,13; darunter ist die Knochendichte für Ihr Gewicht gering. Tragen Sie Ihr Gewicht ein und aus Ihrem DEXA-Bericht die Knochendichte der Lendenwirbelsäule (L1–L4), der Hüfte (Total) oder beide Werte.
Hersteller, steht meist in der Fusszeile der Grafiken im DEXA-Bericht.
Lendenwirbelsäule L1–L4
Im DEXA-Bericht meist «AP Spine», Zeile L1–L4.
Hüfte Total
Den Wert «Total» verwenden, nicht einen einzelnen Abschnitt wie «Neck».
| Messort | Jahr | BMD (g/cm²) | B-Score | DEXA-Gerät |
|---|---|---|---|---|
| Lendenwirbelsäule L1–L4 | ||||
| Hüfte Total |
Nur zu Forschungszwecken: Der B-Score ist kein anerkanntes Diagnosekriterium und ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Ihre Angaben und das Ergebnis werden ohne Namen auf unserem Server gespeichert und statistisch ausgewertet. © 2024 John van Limburg Stirum
Bitte tragen Sie für den Ausdruck das Jahr der DEXA-Messung ein.
Bitte bringen Sie den Ausdruck zu einem Termin in der SGK mit.
Wie wir abklären
Wir suchen nach den Ursachen. Osteoporose kann die Folge anderer Störungen sein:
- Hormonell: Überfunktion der Nebenschilddrüse, Überfunktion der Schilddrüse, Cushing-Syndrom, Mangel an Geschlechtshormonen
- Entzündlich: Rheumatoide Arthritis, Chronische Darmentzündungen, Chronische Niereninsuffizienz
- Blut und Tumoren: Multiples Myelom
- Neurologisch: Immobilität, Parkinson, Zustand nach Schlaganfall
- Funktionell: Muskelschwund (Sarkopenie)
- Medikamente: Cortison, Magenschoner, Antidepressiva, und weitere, siehe unten
Auch Diabetes mellitus, Lupus erythematodes, Zöliakie, Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa) oder Bulimie und Krebsleiden mit Knochenmetastasen können das Risiko einer Osteoporose erhöhen.
Auch Medikamente können den Knochen schwächen:
- Cortison
- Antidepressiva
- Magenschoner (Protonenpumpenhemmer)
- GnRH-Analoga
- Aromatasehemmer
- Antidiabetika (Glitazone)
- Antiepileptika
- Hoch dosierte Schilddrüsenhormone
Labor bei Osteoporose
Im Labor lässt sich der Stoffwechsel des Knochens verfolgen, den die Dichtemessung nicht zeigt:
- Knochenabbau: CrossLaps im Blut, Pyridinolin und Desoxypyridinolin im Urin
- Knochenaufbau: Prokollagen Typ 1 (P1NP) und knochenspezifische alkalische Phosphatase (BSAP) im Blut
- Neu: Kalzium-Isotope im Blut (das Verhältnis von Aufbau und Abbau)
Pyridinolin und Desoxypyridinolin im Urin haben sich in unzähligen Messungen als Abbaumarker für das Knochen-Kollagen bewährt, insbesondere zur Kontrolle der Wirkung von knochenunterstützenden Mikronährstoffen.
Mehr dazu: Bluttuning, Vorbereitung auf das Labor.
Wie wir behandeln
Frakturen verhindern
Ein Knochenbruch hat selten nur eine Ursache. Neben der Osteoporose zählen der Verlust an Beweglichkeit und Gleichgewicht, nachlassende Sehkraft und Reaktion, Muskelschwund und die Risiken, die jemand eingeht. Daran setzen wir an:
- Beweglichkeit verbessern: Bewegung, Hüpfen
- Krafttraining
- Untergewicht vermeiden
- Ausreichend Eiweiss, dazu gehören gute Zähne und kräftiges Kauen
- Gleichgewicht verbessern
- Sehkraft optimieren
- Reaktionsfähigkeit trainieren
- Nahrungsergänzung, aber kein Kalzium
Die häufigsten Ursachen von Frakturen sind altersbedingter Bewegungsmangel, Muskelschwäche und Gangunsicherheit. Hier beginnt deshalb die Behandlung: Regelmässige sportliche Aktivität mit leichtem Krafttraining stärkt die Muskeln, die Beweglichkeit und die Fähigkeit, Gefahren auszuweichen. Das lohnt sich gerade im Alter: Studien aus den USA zeigten auch bei über 80-Jährigen eine deutliche Kraftzunahme.
Sport: Der Knochen braucht Belastung
Mechanische Belastung ist der entscheidende Reiz für den Knochenaufbau; ohne Belastung baut der Knochen rasch ab. Entscheidend ist die Kraft, die auf den Knochen wirkt:
Bioelektrische Potenziale
Bioelektrische Potenziale spielen eine faszinierende Rolle im Knochenstoffwechsel, insbesondere in der Knochenheilung und -regeneration. Diese Potenziale sind elektrische Signale, die von Knochenzellen erzeugt werden und an der Regulierung des Knochenwachstums und der Reparatur beteiligt sind. Die Grundlage dafür bietet die piezoelektrische Eigenschaft bestimmter Knochengewebe, die bei mechanischer Belastung elektrische Ladungen erzeugen. Diese bioelektrischen Signale fördern die Aktivität der knochenbildenden und hemmen gleichzeitig die Aktivität der knochenabbauenden Zellen.
Diese spannenden Einsichten eröffnen neue Möglichkeiten für die Behandlung von Knochenerkrankungen und zeigen, wie wichtig eine regelmässige physikalische Aktivität für die Erhaltung einer gesunden Knochenstruktur ist.

Säure-Basen-Haushalt
Ein basisches Milieu aktiviert die knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) und fördert die Mineralisierung. Säure hemmt den Aufbau und fördert den Abbau. Zur Behandlung gehört deshalb der Basenausgleich.
Regelmässiger Konsum von chemisch sauren Getränken wie Cola oder Red Bull kann die Knochen übersäuern und damit die Bildung von Osteoporose fördern.

Unterstützung der Knochenneubildung mit Nährstoffen
| Vitamine | Wofür der Knochen sie braucht |
|---|---|
| Vitamin K | Knochenneubildung |
| Vitamin D | Einbau von Kalzium |
| Folsäure | verhindert die Bildung von Homozystein, das dem Knochen schadet |
| Vitamin B6 | senkt Homozystein, vernetzt die Kollagenfasern |
| Vitamin B12 | senkt Homozystein |
| Vitamin C | ein Mangel (Skorbut) führt zu Osteoporose |
| Mineralstoffe und Spurenelemente | Wofür der Knochen sie braucht |
|---|---|
| Magnesium | aktiviert Vitamin D |
| Zink | erhöht die Aktivität von Vitamin D |
| Bor | Stoffwechsel von Vitamin D |
| Mangan | Knochenbindegewebe und Mineralisierung |
| Silizium | stabilisiert das Kollagen durch Querverbindungen |
| Kupfer | vernetzt die Kollagenfasern |
| Molybdän | Bestandteil von Enzymen des Stoffwechsels |
| Weitere | Wofür der Knochen sie braucht |
|---|---|
| Kaliumcitrat | Basenausgleich |
| Isoflavon | Pflanzenstoff, bindet an die Östrogenrezeptoren der Knochenzellen |
Dazu gehört ausreichend Eiweiss und Kollagen. Ab etwa 55 Jahren oder unter Magenschonern fehlt oft Magensäure; Eiweiss und Kalzium werden dann schlechter aufgenommen.
Wir empfehlen dafür OsteoStrength. Es ist in der Seegarten Klinik erhältlich.
Kalzium: nicht als Tablette
Mehr Kalk bedeutet nicht mehr Knochen. Dazu haben Kalziumtabletten Risiken: In einer Metaanalyse erhöhten reine Kalziumpräparate das Risiko für Herzinfarkt um bis zu 30 Prozent, vor allem bei mehr als 800 Milligramm pro Tag (Bolland et al., British Medical Journal 2010). Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hält fest: «Eine Calciumzufuhr mittels Tabletten kann, wenn sie über 500 mg/Tag dosiert ist, Nierensteine und Gefässverkalkungen nach sich ziehen» (2022).
Drei bis vier Milchprodukte pro Tag, so lautet in der Regel die Empfehlung von Ärzten und Ernährungswissenschaftlern. Vor allem für den hohen Gehalt an Kalzium wird Milch propagiert. In der Diskussion um Milch und Knochengesundheit ist es wichtig zu erkennen, dass nicht so sehr das Kalzium als vielmehr das Eiweiss und der alkalische Charakter der Milch wesentliche Rollen spielen. Eiweiss und ein alkalisches Milieu sind fundamental für den Aufbau und die Erhaltung der Knochensubstanz und damit der Stabilität. Der basische Charakter hilft, das Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten, aktiviert die knochenbildenden Osteoblasten und vermindert dadurch den Abbau von Knochensubstanz.
Patienten-Studie: Gefässverkalkung nach Kalziumpräparaten
Haben Sie länger als 10 Jahre Kalziumpräparate eingenommen und in letzter Zeit eine Mammographie machen lassen? Dann können Sie uns diese Aufnahmen zustellen. Wir beurteilen darauf Ihre Gefässe.

Medikamente
Osteoporose-Medikamente wirken auf zwei Wegen: Sie hemmen den Knochenabbau (Bisphosphonate, Denosumab, Raloxifen) oder regen den Aufbau an (Teriparatid, Romosozumab). Ob ein Medikament für Sie sinnvoll ist, besprechen wir in der Beratung, zusammen mit dem, was Sie selbst tun können.
Testosteron trägt auch zur Knochengesundheit bei, indem es die Knochenbildung fördert und den Knochenabbau reduziert. Bei Männern kann ein Testosteronmangel zu einer Abnahme der Knochenmasse und einem erhöhten Risiko für Osteoporose führen. Eine Testosteronersatztherapie kann bei Männern mit niedrigen Testosteronspiegeln angewendet werden, um die Knochenmasse zu erhöhen und das Frakturrisiko zu senken.
Mehr dazu: Sportmedizin für das Krafttraining, Endokrinologie & Diabetologie für die Hormone, Säure-Basen-Haushalt.
Patientenbeispiel
Diese Patientin war 61-jährig, als sie mit der Diagnose einer Osteoporose konfrontiert wurde. In der Folge erhielt sie Bisphosphonate, Medikamente, welche den Knochenabbau hemmen. 2009 konnte schon ein erster Erfolg anhand der Knochendichtemessung verzeichnet werden. Aufgrund von Nebenwirkungen wurde auf ein Präparat mit Kalzium und Vitamin D gewechselt. Zwei Jahre später musste man wieder einen Knochenrückgang verzeichnen. Aus diesem Grunde haben wir die Behandlung auf unsere spezielle (nebenwirkungsfreie) Mikronährstofftherapie umgestellt.
Ganz deutlich ist zu erkennen, wie die Knochendichte seither konstant zugenommen hat. 2018 wurde wieder die Knochendichte gemessen. Inzwischen war die Patientin 73-jährig (!) und wies innerhalb der letzten 3 Jahre eine weitere Knochendichtezunahme von 15 % auf! Kommentar des Röntgenarztes: «Das kann ich mir nicht erklären.»
Wir schon.
Hintergrund: Die Osteoporose-Story
Was Osteoporose ist – und was nicht
Die Osteoporose ist eine bestimmte Krankheit, die klar von der normalen Abnahme der Knochendichte im Alter (sog. Osteopenie) zu unterscheiden ist. Die Knochen wurden früher erst dann als osteoporotisch bezeichnet, wenn Frakturen, üblicherweise der Wirbelsäule oder der Hüft- und Handgelenke durch inadäquate leichte Traumen entstanden sind. Nach neuer Begriffsbildung ist heute jegliche Abnahme der Knochenmasse eine Osteoporose, auch wenn Frakturen ausbleiben. Durch die zunehmende Alterung der Bevölkerung und den zivilisationsbedingten Bewegungsmangel und die Fehlernährung tritt aber die Osteoporose zunehmend in Erscheinung. Selbstverständlich gab es dieses Leiden schon in alten Zeiten.
Die in der Geschichte auftauchenden «Hexen» als alte gebeugte Frauen bestätigen diese Beobachtung. Es sei dahingestellt, wie viele Frauen als Hexen verbrannt wurden, nur weil sie an Osteoporose litten.
So verbreitet und gut erforscht diese Knochenveränderung auch sein mag, bestehen in der Definition der Krankheit und damit auch in den empfohlenen therapeutischen Massnahmen grosse Widersprüche. Im Folgenden wird eine Auswahl aufgeführt:
Im Medizinstudium musste jeder Student genauestens die Unterscheidung zwischen der Osteoporose und der sog. Osteomalazie kennen. Erstere bestand in einem Knochen«schwund» und letztere in einer Knochenerweichung. Die falsche Antwort an der Prüfung wäre mit einem deutlichen Notenabzug quittiert worden. Trotzdem wird in der klinischen, pharmakologischen Medizin die Osteoporose praktisch der Osteomalazie gleichgestellt. Überall, wo von der Ursache und der Behandlung der Osteoporose die Rede ist, wird Kalziummangel zitiert, und genau dieser bedingt die Osteomalazie! Im Studenten-Lehrbuch der Orthopädie von Dr. Alfred M. Debrunner wird die Knochenentwicklung im Alter folgendermassen (korrekt) erläutert: «Während im Knochen des Kindes der Anteil der organischen Substanzen (Kollagen) noch verhältnismässig gross, der Knochen noch biegsam ist, nimmt im Alter der anorganische Anteil (Kalziumsalze) ständig zu, die Knochen werden starrer und brüchiger». Nach der WHO ist «die Osteoporose eine Krankheit, die charakterisiert ist durch geringe Knochenmasse und Verschlechterung der Feinstruktur des Knochengewebes, welches zu erhöhter Knochenbrüchigkeit und letztlich zu einem höheren Frakturrisiko führt». Von Kalzium ist auch in den WHO Schriften nicht die Rede. Damit können wir sofort erkennen, dass die Osteoporose nicht ein Kalziumproblem darstellt und nicht durch Kalziumgaben gelöst wird.
Warum Kalzium allein nicht hilft
Dass die Knochenbildung keinesfalls von der «Auffüllung» mit Kalzium abhängt, zeigt folgendes Phänomen: Eine Kuh gibt täglich zweimal 20-25 Liter Milch. Diese enthält rund 1,2 g Kalzium pro Liter; dem entspricht eine tägliche Kalziumausscheidung von 50 bis 60 g. Die Kuh nimmt aber von den für Menschen empfohlenen «offiziellen» Kalziumquellen als reine Vegetarierin nichts zu sich. Damit entsteht die peinliche Frage: Woher nimmt sie den Kalk? Die Kuh leidet nicht an Kalziummangel oder gar an Osteoporose obwohl sie die Milch hergibt und nicht trinkt!
Was geschieht nun, wenn man dem Organismus in «ausreichender Menge» Kalzium anbietet, wie üblich mit Vitamin D? Dann zwingt man den Organismus, das Kalzium einzubauen. Da dieses aber nur in eine bereits vorhandene organische Substanz eingebaut werden kann, diese aber im Knochen nicht genügend vorhanden ist, muss die Einlagerung an einem anderen Ort geschehen, z. B. in arteriosklerotischen Plaques der Aorta. Tatsächlich kann man auf Röntgenbilder stossen, bei denen sich die kalziumhaltige Aorta dichter darstellt als die Wirbelsäule.
Ein mangelnder Kalkgehalt im Kindesalter ist die Rachitis. Sie entsteht meist durch einen Mangel an Vitamin D, und Kalk allein heilt sie nicht.
Was die Knochendichtemessung misst
Eine weitere Diskrepanz entstand mit der Einführung der Knochendichte-Messung (sog. Densitometrie). Mit diesem Verfahren soll die Osteoporose erkannt und der Erfolg einer Therapie beurteilt werden. Die Methode geht aber wiederum am Problem vorbei. Uns interessiert das Risiko eines pathologischen Knochenbruches. Die Bruchresistenz ist aber nicht vom Kalziumgehalt abhängig (und das ist das einzige, was in der Densitometrie gemessen wird), sondern von der Elastizität. Wir wünschen uns doch im Alter jugendliche Knochen, «Kinderknochen». Die kann man kaum brechen.
Weshalb? Weil sie biegsam sind und noch nicht verkalkt! Steckten Sie einen kindlichen Knochen in die Densitometrie, müsste aber zwangsläufig das Resultat einer hochgradigen Osteoporose herauskommen! Die Knochen sind kaum zu erkennen. Und natürlich kann man mit dieser Methode «beweisen» dass eine Kalziumtherapie die Osteoporose bekämpft. Durch die Einlagerung von Kalk wird Knochenneubildung lediglich vorgetäuscht, durch die Verkalkung vorher röntgenologisch unsichtbarer (da noch knorpelig und unverkalkt) Knochenbälkchen. Legen sie zum Spass eine Kalksäule wie Kreide in den Röntgenstrahlengang, wird eine phantastische Knochendichte herauskommen. Aber.… es gibt kaum etwas Brüchigeres!
Die Osteodensitometrie ist zwar national und international zur Diagnostik der Osteoporose weit verbreitet, aber medizinisch-fachlich seit Jahren umstritten. Seit der Entwicklung und Verbreitung der Osteodensitometrie wurden im In- und Ausland immer wieder Gutachten oder Stellungnahmen in der wissenschaftlichen Fachliteratur veröffentlicht, die die Aussagefähigkeit und den Nutzen dieser Diagnostik in Teilen oder sogar insgesamt in Frage stellen. So ist bekannt, dass nur ein Teil der Patienten mit erhöhter Knochenbrüchigkeit erniedrigte Messwerte in der Osteodensitometrie aufweisen und umgekehrt erleiden viele Patienten mit erniedrigten Messwerten der Osteodensitometrie keine Frakturen. Das heisst, der Zusammenhang zwischen dem Messwert der Osteodensitometrie und tatsächlich eintretenden osteoporose-bedingten Frakturen ist nicht zuverlässig. In Zweifel gezogen wird vor allem die Anwendung der Methode zur Entscheidung über die Anwendung präventiver Massnahmen, die über viele Jahre bis zu mehreren Jahrzehnten fortgesetzt werden müssen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Hormonsubstitutionen bei Frauen nach der Menopause oder um die jahrelange Gabe von anderen hochwirksamen Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen.
Zusammenfassender Bericht des Arbeitsausschusses «Ärztliche Behandlung» des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Beratungen des Jahres 1999 zur Bewertung der Osteodensitometrie gemäss §135 Abs.1 SGB V, 22.03.2000
Östrogene
Es ist ja bekannt, dass Frauen häufiger an Osteoporose leiden als Männer. Und wo liegt der kleine Unterschied? Richtig! Frauen haben bis zur Menopause weit mehr Östrogene als Männer. So lange Frauen Östrogene aufweisen, seien sie vor Osteoporose geschützt. Nach der Menopause geht es bergab. Die absolut natürliche weibliche Postmenopause wurde von der westlichen Medizin und der Presse in eine Östrogenmangelkrankheit verwandelt und ist ein weiterer Ausdruck des heutigen Reduktionismus in der Medizin. Östrogene müssen her. Aber hier treffen wir auf weitere Widersprüche. Es wurde Knochenschwund erkannt bei Frauen mit sog. anovulatorischen Zyklen, was soviel heisst, wie fehlender Eisprung. Bei diesen Frauen fehlt aber nicht das Östrogen, sondern das Progesteron. Tatsächlich wurde aus den USA bereits berichtet, dass die alleinige Verabreichung von Progesteron die Knochenmasse vergrössert. Östrogene hätten höchstens eine revitalisierende Wirkung.
Östrogene müssten etwa 20 Jahre lang eingenommen werden, um eine hohe Knochendichte bis ins Alter aufrechtzuerhalten. Diese Medikation ist aber nicht nebenwirkungsfrei, da das Risiko für Gebärmutter- oder Brustkrebs steigen kann. Niemand weiss heute, ob der Nutzen den Schaden tatsächlich überwiegt.
Übergewichtige Frauen haben es gut. Sie produzieren in ihrem Fettgewebe Östrogene und sind deshalb vor der Osteoporose gefeit (so die gängige schulmedizinische Meinung). Hier wird wieder ein Erklärungsversuch auf der tiefsten Ebene des medizinischen Wissens erbracht. Tatsache ist, dass die Osteoporose ein sehr komplexes Geschehen darstellt mit einer noch unüberschaubaren Anzahl unbekannter Faktoren. Aber die einfache Beobachtung und das Vertrauen in die Natur kann uns da vielleicht weiterhelfen. Spätestens seit der Raumfahrt ist bekannt geworden, dass die Schwerelosigkeit sehr rasch eine Osteoporose auslösen kann. Da sagt sich die Mutter der Schöpfung: wozu kräftige Knochen, wenn ich nichts zu tragen habe? Deshalb weisen auch viele schlanke Patienten eine «Osteoporose» auf in der Knochendichtemessung. Hier werden sie zu einem Opfer der Statistik (Der Normalgewichtige ist schwerer). Übergewichtige sind auf schwere dichtere kräftigere Knochen angewiesen und weisen aus diesem Grunde ein «geringeres» Osteoporose-Risiko auf. Dafür müssen ihre Knochen auch mehr Gewicht bei einem Sturz auffangen können.
Osteoporose-Kampagnen
Immer wieder werden wir mit solchen Kampagnen konfrontiert. Es sind unverwechselbare Verkaufsinstrumente für Medikamente aus der Pharmabranche. Zwar werden auch Ansätze wie Sport und Ernährung angesprochen, aber vordergründig bleibt stets die medikamentöse Behandlung, in der Regel mit den sog. Bisphosphonaten (Milliardengeschäft, sog. «Blockbusters»). Diese verhindern den Knochenabbau aber erzeugen damit auch eine Überalterung der Knochensubstanz. Zudem darf man sich nicht durch die Einnahme solcher Arzneimittel in einer falschen Sicherheit bewegen: «Mir kann jetzt nichts mehr passieren...». Ernährung und Sport, insbesondere Antigravitationstraining wie in einem Fitnessclub, sind nach wie vor die besten Voraussetzungen für eine langjährige Knochengesundheit.
Also... bei der nächsten Kampagne lassen Sie sich nicht zu schnell zu einer medikamentösen Therapie überreden. Besprechen Sie immer die Vor- und Nachteile, insbesondere die Alternativen, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Trotz den vielen offenen Fragen und Widersprüchen ist es für jeden einzelnen möglich, das persönliche Risiko an Osteoporose abzuschätzen und mit etwas Motivation, bei frühestmöglichem Beginn und jahrelangem Durchhaltevermögen sich vor der Osteoporose zu schützen.
«Puls» vom 26.2.2018: Probleme mit Prolia
Kommentar von Dr. med. John van Limburg Stirum
In der Sendung ist von einem «Rebound Effect» die Rede. Dass die Wissenschaftler über dieses Phänomen erstaunt sind, überrascht. Es ist bekannt bei allen biologischen Systemen, dass auf jede Unterdrückung einer natürlichen Funktion eine Gegenreaktion folgt. Als Beispiel sei das Barfusslaufen im Schnee erwähnt. Nachher sind die Füsse heiss! Dieses Phänomen tritt jedoch nicht auf, wenn Vergiftungen im Spiel sind, wie bei den knochenabbauhemmenden Bisphosphonaten. Bemerkenswert ist somit die Empfehlung der Schulmedizin, nach dem Absetzen von Denosumab (Prolia, einem monoklonalen Antikörper) die Therapie mittels Bisphosphonaten auszuschleichen. Also zuerst Unterdrückung und anschliessend Vergiftung.
Zum Glück gibt es natürliche Mittel und Verfahren, welche im Gegensatz dazu den Knochenaufbau fördern und damit möglicherweise eine Alternative zu der Standardtherapie darstellen.
