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Oxidation gegen Keime

Die Bekämpfung von Bakterien und anderen Keimen gerät immer mehr in Bedrängnis, da biologische Systeme in der Lage sind, fortlaufend Gegenmassnahmen gegen künstlich erzeugte Anti-Mittel zu entwickeln.

Die Wissenschaft spricht heute sogar bereits von der „postantibiotischen Ära“. Aus diesem Grund ist es essenziell, neue Verfahren zu finden, um pathologische Keime zu behandeln. Und die Natur hat dies bereits im Angebot: die Oxidation. Oxidation zählt zu den natürlichen und lebensnotwendigen Prozessen. Aus diesem Grund können die Organismen hier auch keine Gegenmassnahmen entwickeln – sie würden sich damit selbst umbringen.

Oxidation

Unser Leben beruht auf einer unüberschaubaren Fülle von chemischen Reaktionen. Interessanterweise liefert unser Körper mit seinem wässrigen Milieu, niedrigem Druck und tiefen Temperaturen äusserst ungünstige thermodynamische Voraussetzungen für chemische Prozesse, sodass alle Reaktionen „künstlich“ beschleunigt werden müssen. Diese Aufgabe erfüllen unsere Enzyme (Katalysatoren) und die freien Radikale. Freie Radikale werden auch als Oxidantien oder Oxidationsmittel bezeichnet, was in der Chemie nichts anderes bedeutet, als dass sie in der Lage sind, von anderen Atomen und Molekülen Elektronen aus ihrer Atomhülle zu entreissen. Diese Eigenschaft liefert nicht nur die notwendige Energie für unseren Stoffwechsel (in diesem Sinne sind freie Radikale auch „gesund“ und notwendig!), freie Radikale können auch Gewebe, aber ebenso Bakterien und Viren angreifen und zerstören. Das Immunsystem macht übrigens nichts anderes!

Wie kann ich mir das vorstellen?

Oxidationsmittel / freie Radikale entreissen Backsteine (Elektronen) aus den Wänden eines Gebäudes. Sobald genügend entfernt wurden, bricht das Gebäude zusammen.

Leukozyten

Leukozyten heissen auf Deutsch „weisse Blutkörperchen“, weil sie im Gegensatz zu den roten Blutkörperchen keinen roten Blutfarbstoff enthalten. Dafür sind viele von ihnen vollbepackt mit feinen Körnchen (Granula), die Enzyme und oxidative „Waffen“ enthalten. Damit werden sie zu richtigen „Killermaschinen“! Wehe den Bakterien und anderen Mikroorganismen bis hin zu Tumorzellen, wenn sie in die Nähe kommen! Da gibt es kein Entrinnen. Die Leukozyten haben auch ein Radarsystem und werden zu den Orten, wo sie gebraucht werden, regelrecht angezogen.

Leukozyten um einen Fremdkörper im Blut

Hier sehen Sie massenhaft Leukozyten um einen Fremdkörper im Blut, der dank der Oxidation mit der Zeit abgebaut wird. Klar zu sehen sind die kleinen weissen Einschlüsse, welche die „Oxidations-Waffen“ bereitstellen. In deutlichem Gegensatz dazu stehen die vielen roten Blutkörperchen, welche „leer“ aussehen und für den Sauerstofftransport zuständig sind.

Natriumchlorit als Desinfektionsmittel

Wenn wir uns nicht nur auf unsere Leukozyten verlassen möchten, sondern zur Elimination von pathogenen Erregern beitragen möchten, dann ist das Konzept der pro-oxidativen Therapie sehr interessant.

Mit den Arbeiten von Prof. Robert Bradford hat die Behandlung mit Natriumchlorit und Chlordioxid zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen. Bekannt ist Chlordioxid schon lange. Ob als Bleichmittel von Textilien und Papier, als Desinfektionsmittel für den Futtermittelbereich oder bei der industriellen Wasseraufbereitung zur Trinkwasserdesinfektion, die Einsatzmöglichkeiten sind vielseitig. Chlordioxid ist die chemische Verbindung von Natriumchlorit und einer Säure, z. B. Zitronensäure, Milchsäure oder Salzsäure. Als Mischung ergibt sich ein hoch wirksamer Stoff. Natriumchlorit, nicht zu verwechseln mit Natriumchlorid (Kochsalz), ist ein starkes Oxidationsmittel zur Erzeugung von Chlordioxid. Es sei darauf hingewiesen, dass Natriumchlorit alleine nur als Oxidationsmittel dient und erst in Verbindung mit einer Säure als Chlordioxid zum Anwendungsprodukt wird.

Natriumchlorit besteht aus der Molekularformel Na+ClO2−. In einem sauren Milieu wird es zu Chlordioxid umgewandelt. Dieses Molekül ist ein starkes Oxidans. Chlordioxid ist ein gelbgrünes Gas mit charakteristischem, chlorähnlichem Geruch; es verleiht der konzentrierten Lösung ihre gelbe Farbe. Chlordioxid ist bekanntlich wirksam gegen Bakterien, Viren und Pilze.

Die generelle Auffassung ist, dass Natriumchlorit erst durch die Ansäuerung in das wirksame Produkt, also das Chlordioxid umgewandelt wird. Das ist insofern problematisch, als zunehmend zu beobachten ist, dass Patienten sog. CDL (Chlordioxidlösung) gegen alle möglichen Krankheiten bis hin zu Krebs einnehmen. Die wahllose Oxidation auch die Gesundheit gefährden. Dieses Vorgehen kann damit verglichen werden, wie wenn die Trinkwasserversorgung einer ganzen Stadt vergiftet würde, um eine Terroristenzelle auszuschalten.

Aus diesem Grund haben wir eine Studie durchgeführt, um zu sehen, ob tatsächlich das Natriumchlorit „aktiviert“ werden muss, um wirksam zu sein.

Material und Methode

Natriumchlorit lässt sich in einem speziellen Pufferverfahren stabilisieren, um den vorzeitigen Zerfall zu verhindern. Damit wird die biologische Verträglichkeit verbessert. Trotzdem reagiert die Verbindung überall dort, wo Säuren freigesetzt werden, wie bei vielen Bakterien oder bei der Virusvermehrung. Damit wird Natriumchlorit erst am Ort des Geschehens in die wirksame Form umgewandelt. Die anderen Gewebe bleiben verschont.

Es ist bekannt, dass viele Bakterienkulturen sauer werden und typischerweise Milchsäure, Essigsäure und andere einfache Carbonsäuren (organische Säuren) erzeugen. Dieses saure Milieu rund um die Bakterien aktiviert das Natriumchlorit und wandelt es in das Chlordioxid um. Dieses starke Oxidationsmittel ist besonders wirksam gegen anaerobe Organismen (leben normalerweise ohne Sauerstoff), weil diese am meisten Säuren ausscheiden. Schon im Ersten Weltkrieg wurden infizierte Kriegswunden erfolgreich mit einer verwandten Chlorverbindung behandelt, der Dakin-Lösung (Natriumhypochlorit).

Andere biologische Moleküle wie Fette, Eiweisse, Kohlenhydrate bewegen sich im pH-neutralen Bereich und aktivieren somit das stabilisierte Natriumchlorit nicht. Dies erklärt die gute Verträglichkeit.

Keime werden weggewischt (Illustration)

Natriumchlorit als Antipilzmittel

Pilze ziehen sauerstoffarme Lebensräume vor (Fuss-, Nagel-, Hautfaltenpilz). Ein Beispiel ist Candida albicans. Diese scheiden organische Säuren aus, welche wiederum das Natriumchlorit aktivieren.

Natriumchlorit

Strukturformel von Natriumchlorit

Chlordioxid

Strukturformel von Chlordioxid
Das Prinzip der Studie

Unterschiedliche Keime, kultiviert auf Standard-Agarplatten, wurden den verschiedenen Verbindungen ausgesetzt.

  1. Natriumchlorit (stabilisiert und nicht „aktiviert“)
  2. Chlordioxidlösung (Natriumchlorit durch Zitronensäure aktiviert)
  3. Zitronensäure alleine

Träfe es zu, dass Natriumchlorit nicht „aktiv“ ist, müssten seine Hemmhöfe wesentlich kleiner sein als die der Chlordioxidlösung.

Die Hemmhöfe wurden fotografisch dokumentiert und ausgewertet.

Resultate der mikrobiologischen Testung von Natriumchlorit

Durchführung

  • 40 µl der Lösung wurden auf eine Testdisk aufgetragen
  • Bakterienstamm 0.5 McFarland auf MH-Agar ausgestrichen
  • Testdisk auf Agar gelegt und 18 h inkubiert

Ablesung

  • Ablesung der Kulturen auf Inhibition (Hofbildung)

Interpretation

  • Deutliche Zone um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine gute Wirksamkeit
  • Zone mit feinem, auslaufendem Wachstum um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine bedingte Wirksamkeit
  • Keine Zone um die Disk:
    → spricht für keine Wirksamkeit

Resultate der mikrobiologischen Testung von Chlordioxid

Durchführung

  • 40 µl der Lösung (35 µl DXC + 5 µl Zitronensäure) wurden auf eine Testdisk aufgetragen
  • Bakterienstamm 0.5 McFarland auf MH-Agar ausgestrichen
  • Testdisk auf Agar gelegt und 18 h inkubiert

Ablesung

  • Ablesung der Kulturen auf Inhibition (Hofbildung)

Interpretation

  • Deutliche Zone um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine gute Wirksamkeit
  • Kleine Zone oder Zone mit feinem, auslaufendem Wachstum um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine bedingte Wirksamkeit
  • Keine Zone um die Disk:
    → spricht für keine Wirksamkeit

Resultate der mikrobiologischen Testung von Zitronensäure allein

Durchführung

  • 40 µl der Zitronensäure wurden auf eine Testdisk aufgetragen
  • Bakterienstamm 0.5 McFarland auf MH-Agar ausgestrichen
  • Testdisk auf Agar gelegt und 18 h inkubiert

Ablesung

  • Ablesung der Kulturen auf Inhibition (Hofbildung)

Interpretation

  • Deutliche Zone um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine gute Wirksamkeit
  • Kleine Zone oder Zone mit feinem, auslaufendem Wachstum um die Disk:
    → spricht wahrscheinlich für eine bedingte Wirksamkeit
  • Keine Zone um die Disk:
    → spricht für keine Wirksamkeit

Ergebnisse

Escherichia coli

mit gepuffertem Natriumchlorit
Escherichia coli mit gepuffertem Natriumchlorit

Escherichia coli

mit Chlordioxidlösung
Escherichia coli mit Chlordioxidlösung

Escherichia coli

mit Zitronensäure
Escherichia coli mit Zitronensäure

Klebsiella pneumoniae

mit gepuffertem Natriumchlorit
Klebsiella pneumoniae mit gepuffertem Natriumchlorit

Klebsiella pneumoniae

mit Chlordioxidlösung
Klebsiella pneumoniae mit Chlordioxidlösung

Klebsiella pneumoniae

mit Zitronensäure
Klebsiella pneumoniae mit Zitronensäure

Pseudomonas aeruginosa

mit gepuffertem Natriumchlorit
Pseudomonas aeruginosa mit gepuffertem Natriumchlorit

Pseudomonas aeruginosa

mit Chlordioxidlösung
Pseudomonas aeruginosa mit Chlordioxidlösung

Pseudomonas aeruginosa

mit Zitronensäure
Pseudomonas aeruginosa mit Zitronensäure

Staphylococcus epidermidis

mit gepuffertem Natriumchlorit
Staphylococcus epidermidis mit gepuffertem Natriumchlorit

Staphylococcus epidermidis

mit Chlordioxidlösung
Staphylococcus epidermidis mit Chlordioxidlösung

Staphylococcus epidermidis

mit Zitronensäure
Staphylococcus epidermidis mit Zitronensäure

Staphylococcus aureus

mit gepuffertem Natriumchlorit
Staphylococcus aureus mit gepuffertem Natriumchlorit

Staphylococcus aureus

mit Chlordioxidlösung
Staphylococcus aureus mit Chlordioxidlösung

Staphylococcus aureus

mit Zitronensäure
Staphylococcus aureus mit Zitronensäure

Staphylococcus aureus MRSA

mit gepuffertem Natriumchlorit
Staphylococcus aureus MRSA mit gepuffertem Natriumchlorit

Staphylococcus aureus MRSA

mit Chlordioxidlösung
Staphylococcus aureus MRSA mit Chlordioxidlösung

Staphylococcus aureus MRSA

mit Zitronensäure
Staphylococcus aureus MRSA mit Zitronensäure

Candida albicans

mit gepuffertem Natriumchlorit
Candida albicans mit gepuffertem Natriumchlorit

Candida albicans

mit Chlordioxidlösung
Candida albicans mit Chlordioxidlösung

Candida albicans

mit Zitronensäure
Candida albicans mit Zitronensäure

Candida glabrata

mit gepuffertem Natriumchlorit
Candida glabrata mit gepuffertem Natriumchlorit

Candida glabrata

mit Chlordioxidlösung
Candida glabrata mit Chlordioxidlösung

Candida glabrata

mit Zitronensäure
Candida glabrata mit Zitronensäure

Aspergillus fumigatus

mit gepuffertem Natriumchlorit
Aspergillus fumigatus mit gepuffertem Natriumchlorit

Aspergillus fumigatus

mit Chlordioxidlösung
Aspergillus fumigatus mit Chlordioxidlösung

Aspergillus fumigatus

mit Zitronensäure
Aspergillus fumigatus mit Zitronensäure

Saccharomyces cerevisiae

mit gepuffertem Natriumchlorit
Saccharomyces cerevisiae mit gepuffertem Natriumchlorit

Saccharomyces cerevisiae

mit Chlordioxidlösung
Saccharomyces cerevisiae mit Chlordioxidlösung

Saccharomyces cerevisiae

mit Zitronensäure
Saccharomyces cerevisiae mit Zitronensäure

Diskussion

Es hat sich herausgestellt, dass auch das „nicht aktivierte“ Natriumchlorit durchaus gegen gewisse Keime und Anaerobier wirksam ist. Besonders aufgefallen ist der gefürchtete Spitalkeim MRSA. Gegen Candida albicans hat das Natriumchlorit keine Wirkung. Andererseits greift die aktivierte Form durchaus auch „gesunde“ Keime an, wie etwa Saccharomyces cerevisiae.

Somit ist festzuhalten: Stehen bekannte empfindliche Keime im Zentrum des Interesses, ist das nicht aktivierte, gepufferte Natriumchlorit zu bevorzugen.

Anwendungshinweise zu Natriumchlorit →