Das Niemandsland in der Medizin

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Die unterschätzten Gefahren unserer Zähne

Oft als selbstverständlich angesehen, spielen unsere Zähne eine wesentliche Rolle in unserem täglichen Leben. Sie sind nicht nur für das Kauen und die Verdauung unerlässlich, sondern auch für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden von grosser Bedeutung. Doch hinter dem alltäglichen Lächeln können sich Risiken verbergen, die wir selten in Betracht ziehen. Zahnprobleme können weitreichende Auswirkungen haben, von Zahnschmerzen bis hin zu ernsteren Gesundheitsproblemen.

Die Gefahren, die von den Zähnen ausgehen können, sind vielfältig und oft unterschätzt. Hier sind einige Beispiele:

  • Parodontitis (Zahnfleischerkrankungen): Eine Entzündung des Zahnfleisches und der umliegenden Gewebe kann zu Zahnlockerung und -verlust führen. Parodontitis wird auch mit anderen gesundheitlichen Problemen wie Herzkrankheiten und Diabetes in Verbindung gebracht.
  • Schwermetallbelastungen: Füllungen wie Amalgame und Gold enthalten Bestandteile, die toxisch für den Körper sein können, wie Quecksilber, Palladium oder Platin.
  • Endodontie: Die Wurzelbehandlung ist ein Standardverfahren beim Zahnarzt und wird millionenfach jährlich durchgeführt. Sie kann kurzfristig hilfreich sein, birgt jedoch ein hohes Potenzial für „unerklärliche“ chronische Krankheiten nach vielen Jahren.

Diese Ausführungen konzentrieren sich auf die gesundheitliche Bedeutung von endodontischen, toten Zähnen.

Die Wurzelbehandlung als gesundheitliches Risiko

Die Endodontie, oder die Wurzelbehandlung, dient seit Jahrzehnten der Zahnerhaltung. Dies ist auch auf der Fahne der Schweizerischen Gesellschaft für Endodontologie geschrieben:

Die Endodontologie dient dem Zahnerhalt. Sie erreicht dies durch schonende Massnahmen, die dem Verbleib der eigenen Zähne im Mund dienen.

Brisant wird diese Aussage bei der Interpretation dieser Devise. Es wird nicht auf die Gesundheit eingegangen, sondern ausschliesslich auf den mechanischen Erhalt der Zähne. Der Zustand der Zähne, inkl. Auswirkung auf die Gesundheit ist kein Thema.

Jede Wurzelbehandlung bedeutet: Der Zahn wird abgetötet.

Es werden Gefässe, Nerven und Lymphgefässe aus dem Zahn ausgeräumt. Somit entspricht diese Behandlung einem künstlichen Zahn-Totalinfarkt.

Und dies sei vorweggenommen:

Die Zahnmedizin ist das einzige medizinische Fachgebiet, das etwas im Körper devitalisiert und dazu noch im Körper zurücklässt. Kein Chirurg käme auf die Idee, einen abgestorbenen diabetischen Fuss dranzulassen, damit der Schuh besser passt.

Worin liegt der Unterschied?

Die Zähne reagieren extrem langsam. Es können Jahre bis Jahrzehnte vergehen, bis sie eine Belastung für den Organismus werden. Und viele werden gar nie zu einem Problem.

Damit stellt sich die essenzielle Frage: Bin ich gefährdet?

Grundlagen

Goldkrone

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieb Dr. William Hunter in seiner damals revolutionären Arbeit „Die Rolle von Sepsis und Antisepsis in der Medizin“, wie die Goldkrone ein Risiko darstellen kann:

Die Goldkrone als „ein Mausoleum aus Gold über einer Masse von Sepsis“.

Leider gilt diese Aussage nicht nur für überkronte, sondern für alle wurzelbehandelten Zähne. Jeder solche Zahn ist langfristig (Jahre bis Jahrzehnte!) ein Risiko für die Gesundheit. Dank Fortschritten in der analytischen Chemie, vor allem durch die Arbeiten von Prof. Boyd Haley sind wir heute in der Lage, solche Risikofaktoren rechtzeitig zu erkennen.

Zähne als gesundheitliches Risiko

Anaerobier in den Dentinkanälen von avitalen und endodontisch behandelten Zähnen produzieren häufig hohe Konzentrationen von gesundheitlich bedenklichen chemischen Verbindungen. Orale Infektionen und Herde sind deshalb in der Lage, die Pathogenese und den Verlauf vieler chronischer Erkrankungen und Beschwerdebilder auszulösen und zu beeinflussen.

“Dental infections rank as the most universal affliction of humankind. The discomfort caused by these infections and their enormous cost (dental infections rank third in medical costs, behind heart disease and cancer, in the United States) gives dental diseases prominence...”
“Oral infections influence the pathogenesis of many diseases and conditions. An assessment of health status must include that of the oral cavity.”
“There are numerous dental reviews that link periodontal disease to systemic illnesses. Part of the job of a dentist is to convince the patient that they truly have a problem in the mouth that can affect their general health. This is especially true for pregnant mothers.”
Statements from Tom E. Levy, MD, JD
  • Root canal procedures assure that a state of chronic infection and toxicity will result, even if the tooth remains pain-free.
  • Pathogens and toxins in a root canal-treated tooth are readily disseminated from the venous blood drainage to the coronary artery endothelium, initiating the process of atherosclerosis.
  • The lymphatic drainage from such teeth allows a similar dissemination of pathogens and toxins to the breast, particularly in an ipsilateral fashion.
Patienten mit Parodontalerkrankungen weisen …
  • ein 1.5- bis 4-fach grösseres Risiko auf, einen kardiovaskulären Insult zu erleiden,
  • ein 1.5-fach grösseres Risiko für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung auf,
  • ein 6-fach grösseres Risiko für einen Diabetes mellitus auf,
  • ein gehäuftes Auftreten von rheumatischen Erkrankungen auf.
  • Frauen mit Parodontitis haben ein 7-fach höheres Risiko für Frühgeburten oder untergewichtige Neugeborene.

Das kann nicht gesund sein!

Dunkel verfärbte, wurzelbehandelte Zähne mit entzündetem Zahnfleisch

Wissenschaftliche Grundlagen

Dass die Zähne eine wichtige Rolle in der Erhaltung der Gesundheit spielen, ist allgemein bekannt. Die Wechselwirkungen sind mannigfaltig und beruhen auf Aspekten der Ästhetik, Mimik, Kaufunktion und der Toxikologie. Neueste Forschungen aus den USA schliessen nun die Lücke der Objektivierbarkeit in der Bewertung von oraltoxischen Belastungen. In diesem Zusammenhang gewinnen die Zähne eine völlig neue Dimension in der Pathogenese von Krankheit und der Erhaltung der Gesundheit. Prof. Boyd Haley hat Zähne als eine potenzielle Quelle extrem toxischer Substanzen identifiziert. Dies war das Ergebnis von mehr als 35 Jahren Forschung auf den Gebieten Proteinbiochemie, Schwermetall-Neurotoxizität und neurodegenerative Erkrankungen.

Studien zeigten, dass die Dentinkanäle von avitalen, endodontisch behandelten und vitalen, aber parodontal erkrankten Zähnen viele verschiedene Bakterien beherbergen können.

Dentinkanäle unter dem Elektronenmikroskop
Dentinkanäle unter dem Elektronenmikroskop

Die darin hausenden Bakterien sind mit Antibiotika und lokalen Desinfektionsmitteln praktisch nicht zu erreichen. Sie stellen deshalb ein konstantes Reservoir für bakterielle systemische Infekte dar. Viele dieser Bakterien wurden auch mit Parodontose in Zusammenhang gebracht (Streptokokken, Peptostreptokokken, Eubakterien, Bacteroides, Fusobacterium, Actinomyces). Sie produzieren ständig toxische Metabolite, u. a. flüchtige Schwefelwasserstoffverbindungen wie Methylmercaptan und Schwefelwasserstoff, kurzkettige Fettsäuren wie Propionsäure und Buttersäure, Polyamine wie Putrescin und Cadaverin, sowie weitere bakterielle Eiweisse wie Proteasen und Phosphatasen, aber auch Antigene (Lipopolysaccharide). Neben den Bakterien selbst können auch diese Toxine resorbiert und systemisch verbreitet werden – mit zum Teil ernsthaften gesundheitlichen Folgen wie:

  • Endokarditis
  • Infarkt
  • Apoplexie
  • Hypertonie
  • Arteriosklerose
  • Augenleiden
  • Pneumonien
  • Hämatologische Erkrankungen
  • Arthritiden
  • Infektionen von Gelenkimplantaten
  • Hirnabszesse
  • Alzheimer
  • Niedriges Geburtsgewicht

Viele dieser Bakterientoxine und -proteine können im Sulcusfluid infizierter Zähne nachgewiesen werden.

In devitalen Zähnen ist der endodontische Kreislauf gestört – eine Grundvoraussetzung dafür, dass solche Zähne mit den Jahren eine gesundheitliche Belastung darstellen können.

Der endodontische Kreislauf

Schema des endodontischen Kreislaufs: gesunder und wurzelbehandelter Zahn
Links sind die Arterien, Venen, Nerven und Lymphgefässe intakt. Es fliesst Lymphe von innen nach aussen und spült die Dentinkanäle sauber.
Rechts ist der Zahn wurzelbehandelt. Der Kreislauf besteht nicht mehr. Dies entspricht tatsächlich einem Zahn-Infarkt. Somit fliesst die Lymphe nicht mehr auswärts und die vielen Bakterien an den Zähnen (Biofilm) können in die Dentinkanäle eindringen und sich dort vermehren.

Der Vergleich...

Gesunde saubere Dentinkanäle ohne wesentliche bakterielle Besiedlung
Gesunde Dentinkanäle
Dentinkanäle eines toten Zahns – voll mit Bakterien
Bakteriell besiedelte Dentinkanäle eines toten Zahns

Aus der Forschung

Das mit einem Absorberstift aus dem Sulcusfluid gewonnene Probenmaterial wird mit einer Mischung von gereinigten Proteinen (ATP-bindenden Enzymen) während 60 Minuten inkubiert und anschliessend mit radioaktiv markiertem ATP, [32P]N3ATP aufgesättigt und mit UV-Licht fixiert („Photolabeling“). Je mehr ATP-Bindungsstellen an den Enzymen durch Toxine besetzt werden, umso geringer wird die radioaktive Abstrahlung. Mittels anschliessender Elektrophorese (SDS-PAGE) und Autoradiographie (Messung der Radioaktivität) lassen sich die verschiedenen Toxine darstellen und quantifizieren.

Elektrophorese
Autoradiographie
Gemeinsamkeiten der verwendeten Enzyme

Alle Test-Enzyme haben etwas sehr Wichtiges gemeinsam. Jedes ist entweder direkt oder indirekt an der Produktion von ATP, der Energiewährung aller Zellen, beteiligt. Die Hemmung ihrer Aktivität bedeutet somit für die betroffenen Gewebe oder Organe eine nicht zu unterschätzende Belastung.

Befundbeispiele

Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gelelektrophorese (SDS-PAGE)
SDS-PAGE-Gel mit Befundbeispielen
Autoradiogramm
Autoradiogramm mit Befundbeispielen

Die Abbildungen demonstrieren, wie bakterielle Toxine von GCF-Proben die Test-Enzyme, insbesondere Pa und PGK hemmen. Proben von unterschiedlichen Zähnen jedoch vom gleichen Patienten zeigten grosse Unterschiede im toxischen Profil. Auffällig ist vor allem die 90-prozentige (!) Hemmung der Test-Enzyme durch die Toxine eines endodontisch behandelten Zahnes in Bahn 2 im Vergleich zu der Kontrolle in Bahn 3, erkennbar durch die Abblassung der Banden.

Die gleiche Probe (Bahn 2) wies auch hohe Konzentrationen von bakteriellen Proteasen auf, die die Creatin-Kinase (CK) zersetzten (blaue Pfeile).

Die dichten Banden in einigen der GCF-Proben (grüne Pfeile in Bahnen 7, 11 & 14, beide Abb.) stellen die humane alkalische Phosphatase als Entzündungsprodukt dar (H-AP). Die alkalische Phosphatase resorbiert ebenfalls radioaktives ATP, weshalb auch diese in der Autoradiographie intensiv „leuchten“. Das deutlich zu erkennende Protein in Bahn 16 vom Autoradiogramm (weisser Pfeil), welches sich in der reinen Elektrophorese dem Nachweis entzog (rosa Pfeil), ist die aus den bakteriell besiedelten Dentinkanälen heraussickernde bakterielle alkalische Phosphatase (B-AP). Die Höhe der Konzentrationen dieser beiden Phosphatasen korreliert signifikant mit der Intensität einer parodontalen Erkrankung.

Humanes Serumalbumin (Alb, rote Pfeile) wird auch unterschiedlich nachgewiesen. Dieses Serumeiweiss wird normalerweise nur im zirkulierenden Blut gefunden. Erhöhte Werte deuten deshalb auf eine gesteigerte Permeabilität der gingivalen Schleimhaut hin, möglicherweise als Folge von entzündlichen Reaktionen.

Die Identifizierung und Lokalisierung von Herden
Mit dieser Analyse lassen sich dramatische Unterschiede der bakteriellen toxischen Metaboliten und Proteinen in den Proben nachweisen. Diese Selektivität erlaubt eine zuverlässige Identifizierung und Lokalisierung von Herden. Als Beispiel seien die Bahnen 12–17 aufgeführt. Sechs GCF-Proben wurden vom gleichen Patienten analysiert: eine Kontrolle (17), zwei wurzelbehandelte Zähne (13, 14) und drei avitale Zähne (12, 15, 16). Die Resultate zeigen klar, dass der Herd vor allem im wurzelbehandelten Zahn Bahn 14 zu suchen ist. Die radioaktive Markierung aller Enzyme wurde zu 90% unterdrückt, während alle anderen kaum beeinflusst wurden. Nur in einer der Proben (Bahn 16, weisser Pfeil im Autoradiogramm) wurde noch bakterielle alkalische Phosphatase als Hinweis auf eine Entzündung gefunden.

Bakterielle Toxine und Amalgam / Quecksilber

Bakterielle Toxine können sich in Kombination mit Quecksilber aus Amalgam zu weit toxischeren Verbindungen zusammenschliessen. Die Synthese wird in den folgenden drei Abbildungen zusammengefasst.

Die Aminosäuren L-Methionin und L-Cystein werden von den Bakterien zu Methylmercaptan resp. Schwefelwasserstoff umgewandelt:

Bildung von Methylmercaptan aus L-Methionin
Bildung von Schwefelwasserstoff aus L-Cystein

„Supertoxine“ nach Prof. Boyd Haley

Entstehung organischer Quecksilberverbindungen in den Dentinkanälen
Prof. Boyd Haley leitete das Chemie-Departement der University of Kentucky in Lexington. Er forschte 35 Jahre lang über die gesundheitsschädigende Wirkung von Quecksilber und wurzeltoten Zähnen. Er prägte auch den Begriff der Supertoxine, die durch die Verbindung von Quecksilber aus Amalgam mit den Toxinen aus avitalen Zähnen entstehen.
Schwarz-grau verfärbte Zähne mit Amalgam bei einem Patienten mit chronischer Prostatitis
Hier „in echt“ bei einem Patienten mit chronischer Prostatitis …
Beim Zahnarzt sei alles „okay“ …

Der Zusammenhang mit Alzheimer

Wissenschaftliche Studien belegen, wie Schwermetalle, insbesondere Quecksilber, zusammen mit den bakteriellen Toxinen Nervengewebe belasten. Gemeinsam mit den bakteriellen Toxinen wird das nun organische Quecksilber fettlöslicher und erreicht damit rascher das Nervengewebe. Intaktes Tubulin ist Voraussetzung für den neuronalen Transport und die Versorgung der Axone. Beta-Tubulin weist reichlich Sulfhydryl-Gruppen auf, die mit Schwermetallen rasch eine stabile Bindung eingehen. Dadurch wird der Landeplatz für das notwendige Guanosintriphosphat (GTP) fremdbesetzt. Die Tubulin-Polymerisation zu Mikrotubuli und damit die Versorgung und Regeneration des Axons fällt aus. Zudem hemmen Bakterientoxine die Creatin-Kinase und folglich auch die Transformation von GDP zu GTP.

Zum Video unten:

  1. Normales Alpha- (rot) und Beta-Tubulin (weiss) bildet Mikrotubuli, die die Neurofibrillen umhüllen. Die Mikrotubuli sind u. a. für die Nährstoffversorgung des langen Axons verantwortlich.
  2. Quecksilber besetzt die GTP-Andockstellen an den Beta-Untereinheiten des Tubulins.
  3. Ohne die Energieversorgung durch die Umwandlung von GTP zu GDP löst sich das Tubulin auf, die Nerven gehen zugrunde.
  4. Die Neurofibrillen liegen dann brach, knäueln sich zusammen und zeigen ein ähnliches mikroskopisches Bild wie bei Alzheimer.