Aus unserer Forschung: Der Narbentest mit dem Akupressurstift
Narben können als Störfeld Beschwerden auslösen, die weit von der Narbe entfernt liegen. Ansehen kann man es ihnen nicht. Aus langjähriger Praxis hat Dr. med. John van Limburg Stirum dafür eine einfache und wirksame Methode entwickelt: den Narbentest mit dem Akupressurstift. Er prüft das Störpotenzial einer Narbe über ihre Berührungsempfindlichkeit.
In der Neuraltherapie wird bis heute gelehrt, alle Narben anzuspritzen. Mit dem Narbentest lässt sich gezielt vorgehen: Behandelt werden nur die Narben, die tatsächlich stören.
Entwickelt wurde die Methode auf der Grundlage der neuronalen Physiologie, die wir im Zusammenhang mit dem Säure-Basen-Haushalt untersucht haben.
So wird getestet
- Mit dem Akupressurstift wird mit leichtem Druck längs über die ganze Narbe gestrichen.
- Die Empfindung auf der Narbe wird mit derjenigen auf der umliegenden Haut verglichen.
- Ist die Narbe deutlich empfindlicher, schneidend oder schmerzhaft, hat sie Störpotenzial. Oft zeigt es sich schon an der Reaktion, wie im ersten Video.
- Nach der Neuraltherapie in die Narbe wird der Test wiederholt. Ist die Empfindlichkeit verschwunden, ist die Narbe entstört, wie im zweiten Video.
Was der Test leistet
- Statt wie gelehrt alle Narben anzuspritzen, wird gezielt nur behandelt, was stört.
- Er ist einfach, schnell und braucht kein Gerät ausser dem Akupressurstift.
- Er zeigt, welche Narben behandelt werden sollen, auch kleine und kaum sichtbare.
- Er macht den Erfolg der Neuraltherapie unmittelbar sichtbar, für Ärztin, Arzt und Patient.
In der Neuraltherapie wird ein schwach dosiertes Lokalanästhetikum gezielt in die Haut, in Narben oder an Nervenknoten gespritzt.
Beschwerden, die von einem Störfeld ausgehen, zum Beispiel von einer Narbe, lassen sich damit oft erstaunlich schnell lindern oder beheben.
Ein Beispiel aus der Praxis: A.H. leidet seit vielen Jahren unter Herzrhythmusstörungen. Weil die bisherigen Medikamente nicht helfen, wird eine Herzoperation erwogen. Bei der Befragung stellt sich heraus, dass die Beschwerden nach einer operierten Unterschenkelfraktur begonnen haben. Noch während der Injektion in die Narbe verschwinden die Herzrhythmusstörungen. Was ist geschehen?
Was ist Neuraltherapie?
Grundlage ist das vegetative Nervensystem, ein riesiges Leitungsnetz mit einer Gesamtlänge von rund 450'000 Kilometern. Es verbindet jede unserer Billionen Zellen mit allen anderen zu einer lebendigen Einheit und steuert ohne unser Zutun Vorgänge wie Atmung, Durchblutung und Körpertemperatur.
In diesem Netz können sich aber auch Störungen ausbreiten und an entfernten Orten Beschwerden auslösen. Dann wird das Symptom als Krankheit behandelt, die eigentliche Ursache bleibt unerkannt. Wir gehen davon aus, dass ein Teil der chronischen Krankheiten durch solche Störfelder ausgelöst oder begünstigt wird. Die Neuraltherapie setzt an diesen Störfeldern an.
Störfelder
Was sind Störfelder?
Störfelder sind krankhaft veränderte Gewebebezirke, die dauernd feinste Impulse an das vegetative Nervensystem senden. Diese ständig wiederkehrenden Reize können mit der Zeit Beschwerden verursachen, auch an ganz anderen Stellen des Körpers. Störfelder entstehen oft nach Operationen, Verletzungen, Entzündungen oder Infektionen. Grundsätzlich kann jede Stelle des Körpers zum Störfeld werden. Die häufigsten sind:
- Narben, auch die kleinsten und kaum sichtbaren
- kranke Zähne
- Mandeln, auch operierte
- gereizte Nasennebenhöhlen
- das kleine Becken der Frau, mitbeteiligt an vielen Beschwerden wie Wechseljahrbeschwerden, Periodenschmerzen, starken Blutungen, zyklusabhängigen Kopfschmerzen, Ausfluss oder Blasenentzündungen
- Fremdkörper und Bakterienherde
Darum ist es wichtig, Ihre medizinische Vorgeschichte genau zu kennen. Hinweise geben vor allem die körperlich oder seelisch belastendsten Ereignisse in Ihrem Leben und zeitliche Zusammenhänge, etwa Rheuma nach einer Mandeloperation, Asthma nach einer Schwangerschaft oder eine Allergie nach einer Stichverletzung. Oft ist ein Zusammenhang nicht sofort ersichtlich, weil das auslösende Ereignis Jahre vor dem Ausbruch der Krankheit liegt. Die Suche verlangt von der Ärztin oder dem Arzt kriminalistischen Spürsinn und von den Patienten häufig Geduld.
Wie kann ich ein Störfeld erkennen?
Am einfachsten ist das bei Hautnarben. Störende Narben melden sich oft von selbst: Sie schmerzen bei Wetterwechsel, jucken oder sind druckempfindlich.
Sie können Ihre Narben auch selbst prüfen: Streichen Sie mit einem schmalen, stumpfen Gegenstand, etwa der Spitze eines Kugelschreibers mit eingezogener Mine, mit leichtem Druck in Längsrichtung über die Narbe. Vergleichen Sie das Gefühl mit der umliegenden Haut. Ist die Narbe empfindlicher oder entsteht ein schneidendes Gefühl, ist ein Störfeld wahrscheinlich.
Bemerkenswert ist, dass Narben, welche die Meridiane der Akupunktur kreuzen, eher stören als solche, die in Längsrichtung verlaufen. Quer liegen zum Beispiel Narben von Kaiserschnitt, Gebärmutteroperation vom Unterbauch her oder Blinddarm, längs die meisten Narben von Herzoperationen und Bauchoperationen mit Mittellinienschnitt.
Wie wirkt die Neuraltherapie?
Das vegetative Nervensystem
Gehen, essen, arbeiten: Was wir bewusst tun, steuert das willkürliche Nervensystem. Herzschlag, Atmung und Verdauung dagegen laufen ohne unser Zutun. Dafür sorgt das vegetative oder autonome Nervensystem, das an Ausdehnung das willkürliche bei weitem übertrifft. Es lässt das Herz bei Anstrengung schneller schlagen, entscheidet, ob wir dabei schwitzen, lässt uns beim Schämen erröten und bei Angst die Haare zu Berge stehen.
Es besteht aus zwei Gegenspielern, ähnlich dem Yin und Yang der Chinesischen Medizin: Der Sympathikus steht für Leistungsbereitschaft und Tatkraft, der Parasympathikus für Ruhe, Erholung und Verdauung.
- Herzpumpleistung
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Blutdruck
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Herzfrequenz
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Atemvolumen
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Bronchien
- Sympathikus: Erweiterung
- Parasympathikus: Verengung
- Grundumsatz
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Speichel
- Sympathikus: dick
- Parasympathikus: dünn
- Harndrang
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Darmtätigkeit, Galle
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Pupillen
- Sympathikus: Erweiterung
- Parasympathikus: Verengung
- Adrenalin
- Sympathikus:
- Parasympathikus:
- Lidspalte
- Sympathikus: weit
- Parasympathikus: schmal
Das vegetative Nervensystem durchzieht den ganzen Körper wie ein dynamisches Netzwerk; seine Fasern enden im Bindegewebe. In der Gesundheit sind seine Signale im Gleichgewicht und gleichen Störungen aus. Klingen krankmachende Einflüsse aber nicht ab, etwa nach einer Verletzung, Operation, Zahnerkrankung oder Entzündung, können sie sich verselbständigen. Die Impulse werden dann dauernd weitergeleitet: Der Sympathikus wird aktiviert, wie bei Stress, und der Parasympathikus gehemmt. Entsprechend der gewaltigen Ausdehnung des Netzes können daraus die unterschiedlichsten Beschwerden entstehen.
Dasselbe Netz sorgt dafür, dass Schmerzen beim Herzinfarkt in die linke Hand und bei Gallenkoliken in die rechte Schulter ausstrahlen, und dass eine Bettflasche Darmkrämpfe lindert. Im und am Rückenmark verstärken manche Nervenfasern die Weiterleitung von Signalen, andere hemmen sie («Gate Control»). Chronische Störsignale können dieses Gleichgewicht stören. Dann gelangen Schmerzsignale ungefiltert ins Gehirn, die sonst nicht ins Bewusstsein dringen, und werden als chronische, scheinbar unerklärliche Schmerzen wahrgenommen.
Was die Injektion bewirkt
Eine gesunde Nervenzelle trägt an ihrer äusseren Hülle eine elektrische Ladung von etwa 90 Millivolt. Krankhafte Veränderungen senken dieses Energieniveau, die Zelle verliert ihre Stabilität und sendet unkontrolliert Reizsignale aus. Wie ein Störsender den Radioempfang beeinträchtigt, klingt dann die Sprache unseres Nervensystems nur noch krächzend.

Bei der Neuraltherapie wird gezielt ein Lokalanästhetikum eingespritzt, meistens Procain oder Lidocain. Das geschieht mit Quaddeln, kleinen Einspritzungen in die Haut, mit kleinen Spritzen in Narben oder mit tieferen Injektionen an Nervenknoten. Damit werden zwei Vorgänge eingeleitet:
- Der «Störsender» wird sofort teilweise oder ganz ausgeschaltet. Der Körper ist die Störsignale los, die «Sprache» des Nervensystems klingt wieder klar.
- Das Lokalanästhetikum macht die Stelle unempfindlich, wie man es vom Zahnarzt kennt. Die Nervenzelle verliert ihre krankhaft veränderte Ladung und wird ruhiggestellt, wie ein Knochenbruch im Gips. In den Stunden, in denen das Mittel wirkt, kann sie sich erholen und Energie auftanken. Danach baut sie wieder eine gesunde, stabile Ladung auf.
Man kann sich das vorstellen wie den Neustart eines blockierten Computers: Die vegetativen Nerven nehmen danach ihre normale Arbeit wieder auf. Ist das verantwortliche Störfeld gefunden und ausgeschaltet, können die Beschwerden rasch nachlassen, manchmal innert Sekunden. Man spricht dann vom «Sekundenphänomen nach Huneke», benannt nach dem Entdecker der Neuraltherapie. Solche Sekundenphänomene sind heute seltener als früher, möglicherweise wegen der vielen Belastungen durch Umwelt, Stress und Ernährung.
Wobei wird die Neuraltherapie eingesetzt?
Das Anwendungsspektrum ist breit. Eingesetzt wird die Neuraltherapie vor allem bei lang anhaltenden und immer wiederkehrenden Beschwerden, zum Beispiel bei Neuralgien, Migräne, grünem Star, Augenentzündungen, Ohrenleiden, Asthma, Heuschnupfen, nervösen Beschwerden, Verdauungsproblemen und Rheuma.
Weil Muskeln in gewissem Sinn ähnlich arbeiten wie Nervenzellen, hilft die Neuraltherapie auch bei Verspannungen und Muskelverkrampfungen.
Lohnend ist sie auch bei tief liegenden Narben, zum Beispiel nach einer Diskushernienoperation. Örtliche oder ausstrahlende Restbeschwerden lassen sich durch Injektionen in die Narbe oft wirksam lindern. Interessanterweise werden auffällige Narben nach der Neuraltherapie oft unauffälliger und nicht mehr als «fremd» empfunden.
Das Ganglion stellatum
Einer der wichtigsten Nervenknoten in der Neuraltherapie ist das Ganglion stellatum am seitlichen Hals. Es steuert den Sympathikus im oberen Körperviertel, also in der oberen Brustregion, im Arm und in der gleichseitigen Kopfhälfte. Die Injektion schaltet den Sympathikus dort vorübergehend aus, der Parasympathikus überwiegt. Am Auge der behandelten Seite sieht man das gut (vergleiche die Übersicht oben): Das Lid sinkt etwas herab, das Auge wird leicht gerötet und die Pupille eng.

Eine dankbare Anwendung ist die Sudeck-Dystrophie, eine gefürchtete Komplikation nach Operationen und Unfällen, vor allem an Armen und Händen. Es kommt zu einer Art Entzündungsreaktion, als wollte der Körper die Gliedmasse abstossen. Auch dieser Vorgang läuft über das vegetative Nervensystem und ist darum mit der Neuraltherapie oft zu beeinflussen. So litt Frau J.K. an Schmerzen und einer Schwellung der linken Hand, die sich einige Wochen nach einer Verbrennung entwickelt hatten. Wenige Tage nach der Injektion an das Ganglion stellatum war die Hand deutlich schlanker und die Schmerzen praktisch verschwunden.


Weitere Anwendungen am Ganglion stellatum sind Tinnitus, Migräne, Durchblutungsstörungen im Arm («Leichenfinger») oder im Kopf, etwa nach einem Hirnschlag, und grüner Star. Die Aussichten sind umso besser, je früher behandelt wird.
Grenzen der Neuraltherapie
Die Neuraltherapie kann nur wirken, wenn das Gewebe sich noch erholen kann. Das ist meist der Fall, solange Beschwerden bestehen, die Untersuchungen aber «nichts finden». Oft schwanken die Beschwerden dann im Verlauf, bis hin zu Zeiten ganz ohne Beschwerden. Ist dagegen bereits Gewebe zerstört oder ein Organ verändert, etwa bei Gallensteinen oder Tumoren, ist in der Regel keine wesentliche Wirkung zu erwarten. Ebenso wenig bei schweren psychischen Krankheiten, Erbkrankheiten, Erkrankungen des Gehirns, versteiften Gelenken oder fortgeschrittenen Infektionskrankheiten, die eine Behandlung mit Antibiotika verlangen.
Richtig angewendet ist die Neuraltherapie gut verträglich und bei vielen Beschwerden eine wirksame Methode, die Selbstheilungskräfte anzuregen. Was sie in Ihrem Fall leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, klärt ein Gespräch in der Sprechstunde.
Fallbeispiele aus der Praxis
- R.B. leidet seit mehreren Jahren an einem Ekzem am Gesäss, bisherige Behandlungen blieben ohne Erfolg. Seine Narben von Blinddarm- und Achillessehnenoperation sind empfindlich; bei der Prüfung der Achillessehnennarbe wird ihm übel. Nach der Entstörung der Narben ist das Ekzem verschwunden.
- B.R. bekommt seit Jahrzehnten Durchfall nach den Mahlzeiten. 1966 hatte er einen Velounfall mit ausgedehnten Narben an den Unterschenkeln, die bei der Prüfung empfindlich sind. Nach der Neuraltherapie, zusammen mit einer Colon-Hydrotherapie (Darmspülung), sind die Durchfälle verschwunden.
- B.F. hat nach einer Karpaltunnel-Operation Restschmerzen in der Hand, eine Nachoperation ist geplant. Nach der Neuraltherapie in die Narbe ist sie beschwerdefrei, die Operation wird abgesagt.
- D.L. hat chronische Schmerzen nach einem Steissbeinbruch, die ihren Beruf als Organistin gefährden. Die geplante Entfernung des Steissbeins kann nach einer einzigen tiefen Neuraltherapie am Kreuzbein abgesagt werden. Sie ist beschwerdefrei.
- D.S. verliert ungewöhnlich viel Gewicht, hat schon nach kleinen Portionen Magendruck und wiederkehrendes Nasenbluten. Eine Narbe am rechten Unterschenkel wird neuraltherapeutisch entstört. Seither kann er wieder normale Portionen essen, nimmt endlich zu und hat kein Nasenbluten mehr. Vier Jahre später ist er weiterhin beschwerdefrei.
- J.H. ist in der Pubertät stark übergewichtig und nimmt auch mit strengster Diät nicht ab. Mit 11 Jahren war er wegen eines Hodenleidens durch die Bauchdecke operiert worden. Nach der Neuraltherapie in die Narbe nimmt er rasch ab, obwohl er wieder normal isst.
- Eine 35-jährige Patientin hat vor 6 Jahren ein gesundes Kind per Kaiserschnitt geboren. Seither wird sie trotz Kinderwunsch nicht mehr schwanger. Bei der Untersuchung erweist sich die Kaiserschnittnarbe durch ihre gesteigerte Empfindlichkeit als Störfeld. Nach der Entstörung wird sie bereits im nächsten Monat schwanger.
- Wie lange ein Störfeld wirken kann, zeigt ein Patient von Dr. med. Andreas Beck, Bern, der ihn mit 93 Jahren aufsuchte. Seit einer Gürtelrose im Gesicht mit 20 Jahren litt er zweimal wöchentlich an Migräne und Trigeminusanfällen, die auf keine Behandlung ansprachen. Nach einer einzigen Injektion in eine reiskorngrosse Narbe der Gürtelrose waren die Beschwerden nach 73 Jahren dauerhaft verschwunden.
- Ein knapp fünfzigjähriger Jurist, nach eigenen Worten ein nüchterner Mensch, der an die Naturwissenschaften glaubt, litt über zwanzig Jahre an anfallartigen, sehr heftigen rechtsseitigen Kopfschmerzen, zuletzt mehrmals pro Woche. Zahllose Untersuchungen und Behandlungen in Kliniken und bei Ärzten im In- und Ausland brachten keine dauerhafte Besserung; die Schmerzmittel wirkten immer weniger und griffen Magen und Darm an. Sein Hausarzt, Dr. med. John van Limburg Stirum, schlug ihm schliesslich die Neuraltherapie vor. Schon nach der zweiten Injektion an den Halsnerv wurden die Anfälle seltener und schwächer, nach einigen weiteren verschwanden sie ganz. «Für mich begann vor rund anderthalb Jahren ein neuer schmerzfreier Lebensabschnitt, etwas, was ich nach dieser Leidensdauer kaum mehr für möglich hielt.»
Termin vereinbaren
Möchten Sie abklären lassen, ob ein Störfeld hinter Ihren Beschwerden stecken könnte?
Mehr zur Neuraltherapie bei der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Neuraltherapie (SANTH): www.santh.ch




