Bedauerlicherweise ist Stress ein fester Bestandteil unserer modernen Gesellschaft. Er kann von der Umwelt, von Gedanken und Gefühlen oder vom Körper selbst ausgehen. Die Nebennierenhormone Cortisol und DHEA haben eine zentrale Bedeutung dafür, wie sich der Körper an Stress anpasst. Sind Cortisol und DHEA nicht im Gleichgewicht, sinkt im gleichen Mass die Belastbarkeit. Abnormale Spiegel der beiden Hormone finden sich auch bei verschiedenen wichtigen Krankheiten.
Dieser Eintrag erklärt, was die Nebennieren leisten, was Cortisol und DHEA bewirken, wie wir ihre Funktion messen und welche Massnahmen je nach Befund in Frage kommen.
Die Nebennieren

Die Nebennieren sind kappenartige Drüsen, die den Nieren aufliegen. Jede Drüse besteht aus einer inneren und einer äusseren Gewebeschicht. Aus der äusseren Schicht, der Nebennierenrinde, stammen die Cortisone, von denen es verschiedene gibt, etwa die Mineralocorticoide und die Glucocorticoide. Die innere Schicht bildet das Adrenalin.
Obwohl DHEA und Cortisol beide aus den Nebennieren stammen, haben sie in vielem gegensätzliche Wirkungen.
Cortisol, das Stresshormon
Der Cortisolspiegel zeigt die Aktivität der Nebennierenrinde an. Er ist am Morgen am höchsten und fällt im Lauf des Tages und der Nacht markant ab. Das hat seinen Grund: Cortisol ist ein Aktivitätshormon (Flucht und Kampf). Am Morgen braucht es Cortisol, um Zucker bereitzustellen, der für die Energiegewinnung und die Muskelarbeit nötig ist. Die Nacht mit ihrem tiefen Cortisolspiegel ist die Phase der Erholung und Regeneration, aber auch der Entzündung und Heilung (Fieber steigt gegen Abend meist an).
Viele Aufgaben des Cortisols zielen somit auf die Mobilisation von Körperreserven. Cortisol ist das wichtigste «Stresshormon» und wird vor allem bei körperlichem, physiologischem und seelischem Stress in grossen Mengen ausgeschüttet. Bleiben die Stressoren bestehen, kann die gesteigerte Aktivität der Nebennierenrinde in eine Erschöpfung umkippen. Die natürlichen Reserven der Nebennieren sinken, es kann sogar eine gewisse Unterfunktion eintreten.
Mögliche Folgen von Cortisol-Überschuss:
- Muskelabbau
- Übergewicht, vor allem an Stamm, Brust, Hals und Gesicht
- Immunschwäche
- verminderte Knochendichte, erhöhte Osteoporosegefahr
Mögliche Folgen von Cortisol-Mangel:
- Vitalitätsverlust, allgemeine Müdigkeit, Erschöpfung
- Depressionen
DHEA
Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist eine Zwischenstufe in der Bildung des männlichen Hormons Testosteron und des weiblichen Hormons Östrogen. DHEA erreicht sein Maximum zwischen 25 und 30 Jahren und fällt mit zunehmendem Alter wieder ab. Parallel dazu nimmt die Immunabwehr ab (Infektionen im Alter sind gefährlicher!), und die Alterskrankheiten nehmen zu.

DHEA beeinflusst den Fettstoffwechsel, die Energiegewinnung in den Mitochondrien, die Eiweiss-Synthese und die Schilddrüsenfunktion. Auch DHEA folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus.
Wirkungen auf den Stoffwechsel:
- Fettabbau
- Muskelwachstum
- Blutdrucksenkung
- Immunstärkung
- Bewältigung von Müdigkeit und Stress
- Verbesserung von Gedächtnis und Schlaf
Aus diesem Grund gehört DHEA zu den Anti-Aging-Hormonen.
Mögliche Folgen von DHEA-Mangel:
- Osteoporose
- Herz-Kreislauf-Krankheiten
- Immunstörungen, Autoimmunkrankheiten
- Schilddrüsenkrankheiten
- Zuckerkrankheit
- Blutdruckerhöhung
- Übergewicht
Mögliche Folgen von DHEA-Überschuss:
- männliche Behaarung bei Frauen
- zu niedriger Blutdruck
Das Verhältnis von Cortisol zu DHEA
Mehr Cortisol bedeutet weniger DHEA, je nachdem, wie der Stoffwechsel in den Nebennieren gesteuert wird. Das Verhältnis der beiden Hormone ist deshalb ein guter Hinweis darauf, wie der Organismus mit Stress fertig wird.
Messung der Nebennieren-Funktion
Die Analyse misst im Wesentlichen:
- Cortisol (Cortisol-Tagesprofil)
- Cortisol und DHEA (adrenaler Stressindex)
In der Schulmedizin wird Cortisol in einer Blutprobe bestimmt. Wichtig ist, dass die Blutentnahme immer am Morgen zwischen 7 und 9 Uhr erfolgt. Das Ergebnis sagt aber nichts darüber, wie sich die Nebennieren im Tagesverlauf verhalten. Dafür wird Cortisol in mehreren Speichelproben untersucht: morgens, mittags und abends. So erhalten wir den Tagesrhythmus, der für die Beurteilung einer gesunden Hormonfunktion wichtig ist.
Testergebnis

Dieses Beispiel zeigt einen normalen Tagesverlauf mit hohem Spiegel am Morgen und tiefen Werten am Mittag und Abend. Die grünen Linien sind die obere und die untere Grenze der Norm, die blaue Linie ist das Ergebnis des Patienten.

Therapie
Welche Massnahmen in Frage kommen, hängt vom Befund ab. Immer gehören gesunde Ernährung, Stressabbau und Fitness dazu.
Bei niedrigem Cortisol
Verdacht: Schwäche oder Erschöpfung der Nebennieren.
- Lebenswandel
- Stressabbau: chronischer Stress erschöpft die Nebennieren
- Erholung
- moderater Sport
- Gebet und Einkehr
- Meditation
- Entspannungsübungen
- Ernährungsumstellung
- Blutzucker ausbalancieren
- weniger Kalorien
- mehr Eiweiss
- mehr komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe
- Nahrungsergänzungsmittel
- hochwertige Multivitamine und Mineralien
- Vitamin C
- Vitamin B5, B6
- Zink, je nach Bedarf
- Heilpflanzen
- Amerikanischer oder Koreanischer Ginseng (Panax spp.)
- Sibirischer Ginseng (Eleutherococcus senticosus)
- Withania (Withania somnifera)
- Lakritze (Glycyrrhiza glabra): verlängert die Halbwertszeit von Cortisol
- Sarsaparilla (Smilax spp.): Vorstufe von Cortisol
- Unterstützung der Hormondrüsen mit Organpräparaten *
- Nebenniere
- Hypophyse und andere
- Hormonersatztherapie *
- Cortisol
- DHEA
- Pregnenolon
* Wichtig ist, den zirkadianen Rhythmus zu berücksichtigen: Einnahme morgens und mittags; eine spätere Einnahme wird nicht empfohlen.
Bei erhöhtem Cortisol
Verdacht: eine gewisse Hyperaktivität oder Überfunktion der Nebennieren als Antwort auf Stress, der von der Umwelt, vom Körper oder von der Psyche ausgeht.
- Lebenswandel
- Stressabbau
- Erholung
- moderater Sport
- Gebet und Einkehr
- Meditation
- Entspannungsübungen
- Kontrolle und Stabilisierung des Blutzuckers
- ausreichend Schlaf
- Elimination von Nahrungsunverträglichkeiten
- Wiederherstellung einer normalen Darmfunktion
- Nahrungsergänzungsmittel
- hochwertige Multivitamine und Mineralien
- Vitamin C
- Vitamin B5, B6
- Zink, je nach Bedarf
- Phosphatidylserin: Es kann die HH-Achse wieder für die negative Rückkopplung durch Cortisol empfindlich machen.
- Heilpflanzen
- Johanniskraut (Hypericum perforatum)
- Passionsblume (Passiflora)
- Valeriana
- Scutellaria
- Hopfen (Humulus lupulus)
- Sibirischer Ginseng (Eleutherococcus senticosus)
- Withania (Withania somnifera)
Bei hohem Cortisol, tiefem DHEA oder tiefem DHEA/Cortisol-Verhältnis werden die Heilpflanzen über den ganzen Tag verteilt gegeben.
Bei niedrigem DHEA oder niedrigem DHEA/Cortisol-Verhältnis
Verdacht: eine physiologische Antwort auf Stress, bei der sich die Steroidsynthese in Richtung Cortisol verlagert, auf Kosten von DHEA.
- Lebenswandel, Ernährungsumstellung und Heilpflanzen wie bei erhöhtem Cortisol
- Ein Ersatz von DHEA oder Pregnenolon kann in Betracht gezogen werden.
- Allenfalls Analysen von Testosteron und Östrogen
- Bei niedrigem DHEA/Cortisol-Verhältnis: immunologische Unterstützung nach Bedarf
DHEA soll nur unter ärztlicher Kontrolle und in möglichst tiefer Dosierung gegeben werden (Frauen etwa 10 mg pro Tag, Männer etwa 25 mg pro Tag). Bei Frauen kann eine hohe Dosierung zu Menstruationsstörungen und männlicher Behaarung führen. Eine natürliche, pflanzliche Quelle von DHEA ist die Yamswurzel.
Bei erhöhtem DHEA oder erhöhtem DHEA/Cortisol-Verhältnis
Verdacht: eine unphysiologische Antwort auf Stress, bei der sich die Steroidsynthese in Richtung DHEA verlagert, auf Kosten von Cortisol. Bei erhöhtem DHEA ist auch an eine Zufuhr von aussen und an polyzystische Ovarien zu denken.
- Lebenswandel, Ernährungsumstellung und Heilpflanzen wie bei niedrigem Cortisol
- Allenfalls Analysen von Testosteron und Östrogen