Forschung an der Seegarten Klinik
Als eine der wenigen Praxiskliniken forschen wir selbst: Wir werten unsere eigenen Behandlungsdaten aus und überprüfen damit gängige Annahmen der Medizin. Was wir dabei finden, fliesst direkt in Abklärung und Behandlung ein – und in unsere Vorträge.
Eine Auswahl unserer Themen:
Osteoporose: Knochendichte im Verhältnis zum Körpergewicht
Die Frage: Die Diagnose Osteoporose stützt sich meist auf den T-Score der Knochendichtemessung. In ihn gehen Alter, Geschlecht und Grösse ein – das Körpergewicht nicht. Stimmt die Diagnose dann für schlanke Menschen?
Die Erkenntnis: Knochen tragen Gewicht; je schwerer ein Mensch, desto dichter seine Knochen. In unserer Auswertung von 47 Messungen aus der Praxis lagen 40 nach üblicher Lesart im Bereich von Osteopenie oder Osteoporose. Bei 20 davon passt die Knochendichte zum Körpergewicht: Diese Menschen haben leichte Knochen für wenig Gewicht, keine kranken.
Was sich daraus ergibt: Wir beurteilen die Knochendichte im Verhältnis zum Gewicht, mit dem B-Score («Bone Score»). Wer danach im Normalbereich liegt, braucht keine Osteoporose-Therapie, auch wenn der T-Score etwas anderes sagt.
Eisenmangel: langsam auffüllen statt hoch dosieren
Die Frage: Ab welchem Ferritinwert verschwinden die Beschwerden eines Eisenmangels, und wie füllt man die Speicher am besten auf? Seit über 20 Jahren erforschen und behandeln wir Eisenmangel, auch ohne Blutarmut.
Die Erkenntnis: Der untere Normwert des Ferritins ist kein Massstab. Bei den meisten Frauen verschwinden die Symptome erst im höheren Normbereich; jeder Mensch hat seinen eigenen Ferritin-Wohlfühlwert. Und: Hohe Einzeldosen wie 500 mg lassen das Ferritin überschiessen und erhöhen das Risiko eines Phosphatmangels. Phosphat braucht der Körper für seine Energiemoleküle (ATP) – fehlt es, kann die Infusion weniger wirken.
Was sich daraus ergibt: Wir füllen langsam auf, mit 200 mg pro Infusion in etwa wöchentlichen Abständen, und richten uns nach dem persönlichen Wohlfühlwert statt nach dem unteren Normwert.
Säure-Basen-Haushalt: Nicht jeder ist übersäuert
Die Frage: «Übersäuerung» gilt vielen als Ursache chronischer Leiden, und gemessen wird meist der pH-Wert des Urins. Stimmt dieses Bild?
Die Erkenntnis: Säuren und Basen sind für das Leben gleich wichtig. Die Säure ermöglicht unsere Aktivität, die Basen geben uns Struktur: Aufbau, Regeneration und Heilung. Chronische Krankheiten gehen deshalb nicht nur mit Azidosen einher, sondern auch mit Alkalosen. Der pH-Wert des Urins sagt darüber wenig: Er erfasst nur die freien Säuren, und Säuren auszuscheiden ist gerade die Aufgabe der Niere.
Die Messung: Lange haben wir den Säure-Basen-Haushalt mit der venösen Bluttitration bestimmt; von dort stammen viele unserer Daten und Erkenntnisse. Eine Studie der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Melchart hat die Methode bestätigt. Heute messen wir mit der venösen Blutgasanalyse.
Was sich daraus ergibt: Wir betrachten den Säure-Basen-Haushalt bei jedem Menschen einzeln und behandeln beides gezielt, die Azidose wie die Alkalose. Basenpräparate für alle sind nicht die Antwort.
Publikation: Dr. med. John van Limburg Stirum, «Moderne Säure-Basen-Medizin. Physiologie – Diagnostik – Therapie», Hippokrates Verlag (Georg Thieme Verlagsgruppe), 2008. Die Auflage ist vergriffen; die erweiterte Fassung steht als Lehrgang online.
Energie und Mitochondrien: Wird der Sauerstoff auch genutzt?
Die Frage: Woher kommen Erschöpfung und Leistungsschwäche, wenn Herz, Lunge und Blutbild unauffällig sind? Entscheidend ist, ob die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, den angebotenen Sauerstoff auch verwerten.
Die Erkenntnis: Die Leistung der Mitochondrien zeigt sich nicht in einem einzelnen Laborwert, sondern in der Antwort des Körpers auf Belastung. Wir verbinden deshalb drei Messungen: den Belastungstest (Ergometrie), die Laktatkurve und die venösen Blutgase. Bleibt die Sauerstoffsättigung im venösen Blut hoch, obwohl die Belastbarkeit gering ist, wird Sauerstoff zwar angeboten, aber nicht genutzt. Steigt das Laktat schon bei geringer Leistung, weicht der Körper auf die Energiegewinnung ohne Sauerstoff aus. Werte, die in Ruhe unauffällig sind, können unter Belastung entgleisen – ein Muster, das wir bei verschiedenen chronischen Erkrankungen sehen. Aus der Säure-Basen-Medizin und der venösen Blutgasanalyse haben wir eine Formel entwickelt, mit der sich die mitochondriale Aktivität berechnen lässt.
Was sich daraus ergibt: Wir messen nicht, was vorhanden ist, sondern wie gut es genutzt wird. Mit dem berechneten Wert lassen sich Massnahmen zur Stärkung der Mitochondrien gezielt einsetzen und ihr Verlauf kontrollieren. Das hilft bei unklarer Leistungsschwäche, chronischer Erschöpfung und Stoffwechselstörungen – und bei der Steuerung des Trainings.
Zähne und chronische Krankheiten: Der Blick in den Mund
Die Frage: Chronische Leiden werden meist abgeklärt, ohne in den Mund zu schauen. Können Entzündungen des Zahnfleisches, wurzelbehandelte Zähne oder Zahnmaterialien den ganzen Körper belasten?
Die Erkenntnis: Für die Parodontitis ist der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Frühgeburten in vielen Studien beschrieben. Ein wurzelbehandelter Zahn ist ein toter Zahn: In seinen feinen Dentinkanälen können Bakterien überdauern, die für Antibiotika kaum erreichbar sind und belastende Stoffe bilden. Solche Zähne reagieren langsam. Es kann Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis einer zur Belastung wird – und viele werden es nie.
Die Abklärung: Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade die Zähne, die am meisten belasten, meist keine Schmerzen machen. Wir gehen deshalb schrittweise vor: Panorama-Aufnahme, bei Bedarf eine 3D-Aufnahme (DVT); Inspektion von Zähnen und Zahnfleisch; Druckempfindlichkeit im Seitenvergleich; kontaktlose Temperaturmessung; Sondierung des Zahnfleisches; im Blut RANTES und die Reaktivität auf Mercaptane und Thioether; schliesslich ein Test auf bakterielle Toxine am einzelnen Zahn (OroTox).
Was sich daraus ergibt: Bei chronischen Beschwerden ohne ausreichende Erklärung gehört der Zahnstatus zur Abklärung. Wir prüfen, ob ein Zahn als Herd in Frage kommt, und stimmen das weitere Vorgehen mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt ab.
Anleitung: Wie erkenne ich belastende Zähne? (health.sgk.swiss)
Studien und wissenschaftliche Arbeiten zum Thema auf health.sgk.swiss
Neue Verfahren: Prüfen, bevor wir sie anbieten
Die Frage: In der Medizin kommen laufend neue Verfahren auf den Markt. Hält ein Verfahren, was es verspricht?
Die Erkenntnis: Nicht jedes. Manche Angebote finden viele Anhänger und halten einer Prüfung dennoch nicht stand.
Was sich daraus ergibt: Wir prüfen neue Verfahren kritisch, bevor wir sie anbieten. Erreicht ein Verfahren unsere internen Qualitätsvorgaben nicht, führen wir es nicht ein – oder verwerfen es nach einer Erprobungsphase wieder.
Vorträge und Publikationen
Was wir herausfinden, geben wir weiter: in den Vorträgen der SGK-Akademie für Patienten und Fachpersonen.