Die Ergometrie ist ein Belastungstest auf dem Velo. Während Sie treten und die Leistung stufenweise steigt, zeichnen wir EKG, Puls und Blutdruck auf und messen in der Regel auch das Laktat im Blut. So zeigt sich, wie Herz und Kreislauf auf Belastung reagieren, wie leistungsfähig Sie sind und wie gut Ihre Mitochondrien die Energie bereitstellen. Manches, was in Ruhe unauffällig bleibt, wird erst unter Belastung sichtbar, zum Beispiel ein versteckt erhöhter Blutdruck.
Medizinische Indikationen für ein Belastungs-EKG
- Brustschmerzen bei körperlicher Belastung
- Erhöhter Blutdruck
- Rhythmusstörungen
- Zu viel Cholesterin, Homozystein, Blutzucker
- Raucher, Stress, Bewegungsarmut
- Abschätzung des Schweregrades einer Herzkranzgefässverengung
- Vor operativen Eingriffen
- Bestimmte Berufs- und Personengruppen (z.B. Flieger, Busfahrer, Alterssportler, Profisportler)
Vorbereitung
Kommen Sie nicht gehetzt oder schon mit Muskelkater vom Training in die Klinik. Zudem dürfen Sie nicht nüchtern sein, aber auch keine üppige Mahlzeit vorher eingenommen haben. Tragen Sie wenn möglich einen Trainer, leichte Kleider, Turnschuhe und Socken. Duschen vor der Untersuchung ist erlaubt, aber tragen Sie keine Bodylotion auf, da der Elektrodenkontakt damit verschlechtert wird. Während der Untersuchung werden Sie wahrscheinlich ins Schwitzen kommen. Bringen Sie deshalb bitte ein «Wäschlümpeli» und Handtuch mit. Diese Erfrischung werden Sie nachher schätzen.
Ablauf
Der ganze Test dauert je nach Kondition ca. 15 bis 30 Minuten. Bitte achten Sie auf dem Fahrrad auf eine bequeme Sitzhöhe, d.h. die Beine sollten beim Durchtreten fast gestreckt werden können. Zuerst werden die EKG-Elektroden, eine Blutdruckmanschette am Arm und ein Sauerstoffmonitor angelegt. Das Velofahren beginnt bei einer Leistung von 50 Watt. Alle 2 Minuten wird der Blutdruck gemessen, das EKG geschrieben und die Leistung um weitere 25 bis 50 Watt gesteigert. In der Regel werden ebenfalls Laktatmessungen durchgeführt, um den mitochondrialen Stoffwechsel erfassen zu können.
Nach Erreichen der Soll-Arbeitskapazität, des Maximalpulses oder beim Auftreten von Beschwerden (Beklemmungen, Beinschmerzen, Luftnot, Übelkeit, Schwindel usw.), die Sie sofort mitteilen müssen, wird der Belastungsversuch beendet, aber in den folgenden Minuten weiterhin der Puls und Blutdruck gemessen, um die notwendige Erholungszeit zu ermitteln. Mit dem Alter nimmt sie zu (vergleichen Sie dazu spielende Kleinkinder, die sich praktisch nie «erholen» müssen).
Laktatmessung
Auf jeder Belastungsstufe messen wir neben Puls und Blutdruck auch das Laktat im Blut. Damit lässt sich beurteilen, wie gut Ihre Mitochondrien arbeiten.
Der Körper gewinnt seine Energie auf zwei Wegen. Mit Sauerstoff verbrennen die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, den Zucker vollständig zu Kohlendioxid und Wasser. Aus einem Molekül Zucker entstehen so 36 Einheiten des Energieträgers ATP. Ohne Sauerstoff wird der Zucker nur bis zum Laktat abgebaut. Das geht schnell, liefert aber bloss 2 ATP.
Solange die Mitochondrien den Bedarf decken, bleibt das Laktat tief. Reicht ihre Leistung nicht mehr aus, steigt es an. Die Kurve aus Leistung in Watt und Laktat zeigt deshalb, bis zu welcher Belastung Ihre Mitochondrien die Energie liefern können. Bei gut Trainierten steigt das Laktat erst bei hoher Leistung, die Kurve ist nach rechts verschoben. Früher steigt es bei Rauchern, bei Eisenmangel, chronischer Müdigkeit, Diabetes, Sauerstoffmangel und bei einer Störung der Mitochondrien. Erhöht ist es auch bei Stress, mangelhafter Erholung, Fehlernährung und Übergewicht.
Die Laktatschwelle ist der beste Hinweis auf die Ausdauerleistung. An ihr lässt sich auch ablesen, was ein Training oder eine energieverbessernde Therapie gebracht hat.
Die Laktatzonen
Aus den Messwerten ergeben sich die Bereiche, in denen Sie trainieren können. Die Zahlen sind Laktatwerte in mmol/l. Sie erhalten bei uns die entsprechenden Trainingspulse.
- Unter 1.2, Ruhe: Die Energie stammt aus der Fettverbrennung.
- 1.2 bis 1.8, Regeneration: lockere Belastung. Sie stärkt das Hormonsystem, das Immunsystem und das zentrale Nervensystem.
- 1.8 bis 2.4, Fettverbrennung: allgemeines Ausdauertraining über 1 bis 4 Stunden. Es verbessert den Stoffwechsel mit Sauerstoff.
- 2.4 bis 3.6, Ausdauer: intensives Ausdauertraining. Der Körper verbrennt Zucker, nach 60 bis 90 Minuten sind die Kohlenhydratreserven aufgebraucht.
- 3.6 bis 4.8, Intervall: Training an der Laktatschwelle, höchstens etwa eine Stunde.
- Über 4.8, Wettkampf: Der Körper übersäuert und braucht danach lange, um sich zu erholen.
Für Gesundheit und Fitness liegt der sinnvolle Trainingsbereich unter 2.4 mmol/l. Auch Athleten trainieren zu 85 bis 90 Prozent in diesem Bereich. Wer häufig darüber trainiert, erholt sich schlechter und verliert an Kondition.
Ergebnis-Beispiele
- Das rote Band ist der Blutdruck, zwischen oberem und unterem Wert.
- Die dunkle Linie ist der Puls.
- Die grauen Stufen stellen die Leistung auf dem Velo dar.
Gutes Ergebnis
Puls und oberer Blutdruckwert steigen von Stufe zu Stufe gleichmässig an, gleichzeitig sinkt der untere Blutdruckwert bis 200 Watt. Sie kehren nach dem Ende der Belastung rasch wieder an die Ausgangswerte zurück.
Versteckte Blutdruckerhöhung
In Ruhe fällt der Blutdruck kaum auf, unter Belastung steigt der obere Wert aber auf fast 240 mmHg. Ohne Belastungstest bliebe das unentdeckt.
Zu starke Blutdrucksenker
Der Blutdruck steigt trotz Belastung nicht an, sondern sinkt, und der Test endet schon nach fünf Minuten bei 100 Watt.
Wieder normal ohne Blutdrucksenker
Ohne die Medikamente steigen Blutdruck und Puls wieder mit der Belastung an.
Chronische Müdigkeit
Der Puls ist schon zu Beginn erhöht und steigt nur wenig weiter. Die Belastung endet nach gut sechs Minuten bei 100 Watt.
ME/CFS
Der Puls steigt bis auf rund 180 Schläge pro Minute, während der Blutdruck nur wenig zunimmt. Die Leistung erreicht 125 Watt. Auffällig und kennzeichnend ist, dass der Puls stets höher ist als der systolische Blutdruck. In den anderen Abbildungen steigt die Pulskurve nie über die rote Zone.
Wie viel müssten Sie leisten?
Anhand dieser Grafik können Sie Ihre Sollleistung berechnen. Verbinden Sie Ihre Grösse links mit dem Alter rechts. Achtung: Mann / Frau in der Grafik rechts unterscheiden.
Sie können Ihre Werte auch eintragen: Die Seite zieht die Linie dann für Sie und liest den Wert ab.
Der Wert ist aus dem Nomogramm abgelesen und auf 5 Watt gerundet. Ihre Angaben bleiben auf Ihrem Gerät und werden nicht übermittelt.
Mensch
150 Watt
Pferd
750 Watt = 1 PS
Auto
200 PS = 150’000 Watt
1 Watt entspricht der Arbeit eines Menschen, der innert einer Sekunde 100 Gramm 1 Meter hochhebt. Ca. 750 Watt entsprechen 1 PS (Pferdestärke). In der Annahme, dass der Mensch durchschnittlich 150 Watt zu leisten vermag, ist eine Pferdestärke das Fünffache davon und ein Automotor mit 200 PS das Tausendfache.
Die Ergometrie zeigt, wie Herz, Kreislauf und Stoffwechsel unter Belastung tatsächlich arbeiten. Diese funktionellen Ergebnisse bilden eine solide Basis für weitere therapeutische Massnahmen und für deren Optimierung.