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Magen, Darm und Verdauung - Eine funktionelle Übersicht

Die Liebe geht durch den Magen, das Wohlbefinden durch den Darm. Dieser Eintrag erklärt, wie die Verdauung arbeitet, was die Bakterien im Darm für uns leisten, was geschieht, wenn dieses Zusammenleben aus dem Gleichgewicht gerät, wie wir das abklären und was dem Darm hilft.

Die Verdauung: von der Nahrung zum Nährstoff

In einem 75-jährigen Leben hat der Darm Kontakt mit 30 Tonnen fester Nahrung. Unser Darm verdaut in dieser Zeit durchschnittlich:

  • 40 Rinder
  • 200 Sack Kartoffeln
  • 11’764 Dosen «Erbsen und Möhren»

Das Ganze spült er mit etwa 50’000 Litern Flüssigkeit herunter. Das entspricht dem Fassungsvermögen eines kleinen Swimmingpools.

Voraussetzung für eine gute Gesundheit ist zweifellos eine gute Ernährung. Sie allein genügt aber nicht. Wir müssen die Nahrung auch verdauen, in brauchbare Bestandteile zerlegen und über die Darmschleimhaut aufnehmen können. Ohne diese Voraussetzungen ist auch eine nährstoffreiche und ausgewogene Ernährung von geringem Nutzen.

Die meisten Nahrungsmittel sind in ihrer natürlichen Form für uns unbrauchbar. Wir müssen sie im Verdauungstrakt zerkleinern, bis zu dem Punkt, an dem unser Organismus sie als möglichen Bestandteil seiner selbst erkennt. Diese Endphase der Verdauung findet auf der Darmschleimhaut selbst statt. Es ist ein sehr komplexer Vorgang, denn die Schleimhaut muss zwischen guten Vitalstoffen und schlechten Toxinen unterscheiden können.

Der Weg der Nahrung

  • Mund: Die Verdauung setzt mit dem Kauen und Einspeicheln ein. Mit dem Speichel erfolgt auch der erste Kontakt mit unserem Immunsystem, das schlechte Bakterien schon vor dem Eindringen in den Organismus ortet und vernichtet.
  • Magen: Hier beginnt, was wir üblicherweise unter Verdauung verstehen. Täglich bis zu zwei Liter Magensaft aus Salzsäure und verschiedenen Enzymen beginnen, Fette und Eiweisse zu zerlegen. Ebenso wichtig: Der Mageninhalt wird wie in einer Quarantäne-Schleuse desinfiziert. Die Magensäure hilft zudem bei der Aufnahme bestimmter Vitamine und Spurenelemente.
  • Leber, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm bilden täglich 2 bis 3 Liter eines basischen Verdauungssaftes, der in den oberen Dünndarm gelangt. Er enthält unzählige weitere Enzyme, die Eiweiss, Fette und Stärke zerkleinern.
  • Dünndarm: Hier werden die meisten für uns brauchbaren Nahrungsbestandteile aufgenommen.
  • Dickdarm: Was übrig bleibt, unter anderem die Ballaststoffe, gelangt in den Dickdarm, wo der äusserst intensive Stoffwechsel unserer 100’000’000’000’000 Darmbakterien einsetzt. Sie verdauen weiter, aber auf ihre Art. Ballaststoffe, Cellulose und weitere unverdaute Kohlenhydrate, Eiweisse und Fette werden zum Teil zu nützlichen, zum Teil zu giftigen Substanzen verarbeitet. Nützlich sind vor allem die kurzkettigen Fettsäuren, ein wichtiger Energieträger unserer Dickdarmschleimhaut.

Liegt eine schlechte, unvollständige Verdauung oder gar eine fortgeschrittene Darmstörung und Fehlbesiedlung vor, können daraus verschiedenste akute und chronische Krankheiten entstehen. Meist ist es eine Kombination mehrerer Störungen, die sich gegenseitig verstärken. Auf die Dauer können auch Krankheiten ausgelöst oder verschlimmert werden, die auf den ersten Blick nichts mit dem Darm zu tun haben, wie Hautausschläge, chronische Müdigkeit oder Rheuma.

Wie lange Speisen im Magen bleiben

Die Verweildauer des Magenbreis hängt unter anderem von der «Zähigkeit» (Viskosität) der Nahrung ab. Bevor der Magen nicht vollständig entleert ist, sollten keine weiteren Speisen gegessen werden, weil dies zu verstärkten Fäulnisprozessen führen kann.

NahrungsmittelVerweildauer in Stunden
Ölsardinen8 - 9
Gebratenes
Geflügel
Schweinebraten
5 - 7
Kalbsbraten
Rindfleisch
Rauchfleisch
Erbsen
Linsen
Schnittbohnen
4 - 5
Gekochtes Geflügel
Schinken
Beefsteak
Spinat
Schwarzbrot
Bratkartoffeln
3 - 4
Kartoffeln
Rührei
Brötchen
Sahne
2 - 3
Gekochter Fisch
Gekochte Milch
Weiches Ei
Reis
1 - 2

Wir sind nicht alleine: die Darmflora

Über 400 verschiedenen Arten von Bakterien bietet der Darm Lebensraum. Ihre Zahl entspricht 1600-mal der Zahl der Menschen auf unserem Planeten; allein der Darmtrakt beherbergt 1 bis 3 Kilogramm Bakterien.

Wer glaubt, sein Körper sei gegenüber der lebendigen Umwelt ein abgeschlossenes, einheitliches und «steriles» System, erliegt der Täuschung seiner groben Sinneswahrnehmung. In Wahrheit sind wir «offene Systeme» und in einer kaum vorstellbaren Dynamik mit der Welt der Mikroben (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten) vernetzt, ja von gewissen Vertretern so abhängig, dass ohne sie das Leben in der uns bekannten Form gar nicht möglich gewesen wäre.

In den vergangenen Jahrmillionen hat sich zwischen Mensch und Mikrobe ein Zusammenleben entwickelt, das erstaunlich konstant und stabil ist und möglichst unberührt bleiben sollte. Dieses Urprinzip der Evolution ist die Symbiose, das Zusammenleben verschiedener Lebensformen zum gegenseitigen Nutzen. Beim Menschen findet es seine stärkste Ausprägung im Darmtrakt mit seiner Kontaktfläche von gegen 400 m², der Grösse eines Tennisplatzes (die Haut: etwa 1,7 m²).

Bemerkenswert ist, dass aus der unüberschaubaren Zahl von Keimgattungen und Keimarten nur ganz bestimmte für den Menschen ausgewählt wurden. Es sind immer die gleichen Hauptgruppen von Bakterien, die im Darm angetroffen werden, gleichgültig, ob man in Sibirien oder in Australien geboren wurde. Daraus lässt sich die immense Bedeutung dieser Flora für unsere Gesundheit erahnen. Leider treffen wir heute immer häufiger Störungen dieser Flora an, und die bisherige bittere Erfahrung zeigt, dass sie unsere Gesundheit tiefgreifend beeinträchtigen können.

«Gute» und unerwünschte Bakterien

Gut: Escherichia coli
Gut: Escherichia coli
Gut: Lactobacillus
Gut: Lactobacillus
Gut: Bifidusbakterium
Gut: Bifidusbakterium
Unerwünscht: Klebsiella pneumoniae
Unerwünscht: Klebsiella pneumoniae
Unerwünscht: Pseudomonas aeruginosa
Unerwünscht: Pseudomonas aeruginosa
Unerwünscht: Enterobacter cloacae
Unerwünscht: Enterobacter cloacae

Die Darmbakterien und ihre gesundheitliche Bedeutung

Bakterium12345678
E.Coli●●●
E. coli hämolyt.●●
Proteus & Klebsiellen●●●
Enterococcen●●●
Pseudomonas●●
Streptococcen●●
Bacteroides●●
Bifidobacterien●●
Lactobazillen●●●
Clostridien●●●●
Pilze●●●●
  • 1: regen die Körperabwehr an
  • 2: hemmt das Immunsystem, zersetzt IgA
  • 3: hemmen krankhafte Bakterien und Pilze
  • 4: neutralisieren Bakteriengifte
  • 5: ausserhalb des Darms möglicher Infektionserreger
  • 6: Gifte belasten Darm, Leber und Gehirn
  • 7: Bildung krebserzeugender Substanzen
  • 8: erzeugen unter Umständen grosse Mengen an Wasserstoff und Kohlendioxid (Blähungen, Krämpfe) oder Fäulnisprodukte, je nach Substratangebot und pH der Umgebung

Die Darmbakterien und ihre Eigenschaften

Bakterium1234567891011121314
E.Coli●●●●●●
E. coli hämolyt.●●●●●●
Proteus & Klebsiellen●●●●●●●
Enterococcen●●●●●●
Pseudomonas●●●●●
Streptococcen●●●●●●
Bacteroides●●●●●●●
Bifidobacterien●●●●●●
Lactobazillen●●●●●●
Clostridien●●●●●●●
Pilze●●●●●●●
  • 1: benötigen Sauerstoff
  • 2: benötigen keinen Sauerstoff
  • 3: unentbehrlicher Bewohner des Dickdarms
  • 4: unentbehrlicher Bewohner des Dünndarms
  • 5: krankhafter Bewohner des Dickdarms
  • 6: Mitträger der Kolonisationsresistenz
  • 7: Kolonisationsresistenz gestört
  • 8: Eiweiss-Verwertung
  • 9: Kohlenhydrat-Verwertung
  • 10: Fett-Verwertung
  • 11: bilden kurzkettige Fettsäuren
  • 12: pH neutral
  • 13: pH senkend, säuern das Milieu an
  • 14: pH steigernd, alkalisieren das Milieu (Fäulnis)

Was die Darmflora für uns leistet

  • Aufbau und Aufrechterhaltung einer mikrobiellen Barriere gegen Fremdkeime
  • Förderung von Stoffwechsel und Durchblutung der Darmschleimhaut
  • Beeinflussung des Immunsystems
  • Anregung der Darmbeweglichkeit
  • Abdichten der Darmwand vor bakteriellen Invasionen
  • Produktion von Vitaminen (B12, Biotin, Folsäure, Pantothensäure, Vorstufen von Vitamin K u.a.m.)

Die normale Darmflora bildet eine mikrobielle Barriere gegen die Ansiedlung und Vermehrung krankmachender Erreger wie Salmonellen. Diese Abwehrkraft heisst «Kolonisationsresistenz»; sie drückt aus, wie viele Fremdkeime nötig sind, um im Darm eine Infektion auszulösen. Eine ebenso interessante wie bedenkliche Beobachtung: In den 60er-Jahren waren für eine Salmonelleninfektion mindestens 100’000 Keime nötig. Heute braucht es nur noch 100!

Wie wehren die Bakterien die Eindringlinge ab? Sie besetzen die möglichen Haftstellen an der Darmwand (Nischenbesetzung). Sie stellen natürliche antibiotische Substanzen her, etwa kurzkettige Fettsäuren, abgebaute Gallensäuren, Schwefelwasserstoff und Wasserstoffperoxid. Sie konkurrieren um Nährstoffe, Vitamine und andere Wachstumsfaktoren, verbrauchen den begehrten Sauerstoff selbst und senken den pH-Wert des Milieus, indem sie aus Kohlenhydraten Milchsäure und Essigsäure freisetzen. Diese Ansäuerung verhindert zudem Fäulnisvorgänge und die Aufnahme von Toxinen wie Ammoniak aus der Eiweissverdauung. Je krankhafter der Stoffwechsel im Darm, umso mehr wird der Organismus mit giftigen Produkten überflutet, welche die Leber als erste Filterstation unschädlich machen muss.

Für ihren Energiehaushalt ist die Dickdarmschleimhaut auf die kurzkettigen Fettsäuren angewiesen, welche die Standortflora herstellt. Vor allem Essig- und Buttersäure decken bis zu 50 Prozent ihres Energiebedarfs. Sie regen ausserdem die Darmbewegung an und fördern die Aufnahme wichtiger Spurenelemente. Auch die günstige Wirkung der Ballaststoffe wird darauf zurückgeführt: Bei keimfrei aufgezogenen Versuchstieren bleiben Ballaststoffe praktisch ohne Wirkung.

Das Immunsystem des Neugeborenen erlebt über den Darm den ersten intensiven Kontakt mit der mikrobiellen Welt. Er ist der wichtigste erste Reiz für unsere Abwehr und wirkt das ganze Leben: Etwa 80 Prozent des Immunsystems sind im Dünn- und Dickdarm anzutreffen. Nur dank diesem ständigen Immuntraining bringt uns nicht jede banale Erkältung in Gefahr.

Der Keim oder das Milieu?

Der Wissenschaftler Claude Bernard (1813-1878) vertrat die Überzeugung: «Nein, meine Herren, die Mikrobe ist nichts. Der Nährboden ist alles.» Louis Pasteur (1822-1895) dagegen machte allein die Mikrobe für die Entstehung einer Krankheit verantwortlich. Wer hatte recht? Beide, aber nur gemeinsam. Es ist stets die dynamische Wechselwirkung zwischen dem Milieu und dem Keim. Die Mikrobe erzeugt eine Krankheit, und jede Krankheit bringt ihre Mikroben hervor. Die Balance zwischen Milieu und Mikrobe entscheidet zwischen freundschaftlicher Symbiose und feindschaftlicher Dysbiose.

Wenn das Gleichgewicht kippt: die Dysbiose

Normale Darmflora
Normale Darmflora
Krankhafte Darmflora
Krankhafte Darmflora

Was eine Dysbiose, eine geschädigte Darmflora, begünstigt, ist zum grössten Teil ein Produkt unserer Zivilisation und des Glaubens, unser Handeln sei der Natur überlegen. Viele Medikamente sind nicht nur ein Segen für die Menschheit, sie beeinträchtigen auch das natürliche Zusammenleben mit unseren Mitbewohnern auf bedenkliche Weise.

Mögliche Ursachen

  • Medikamente: Antibiotika (vor allem wiederholte Gaben), Zytostatika, Antibabypille, Immunsuppressiva, Cortison und Säurehemmer (die Magensäure dient auch der Desinfektion des Nahrungsbreis!)
  • Falsche Ernährung, Nahrungsmittelallergien
  • Malabsorptionssyndrome, Schwäche der Bauchspeicheldrüse
  • Chronische Verstopfung, Reizdarm, Darmentzündung
  • Organische Veränderungen der Darmwand wie Divertikulose oder Fisteln, Zustand nach chirurgischen Eingriffen (der Blinddarm verhindert als Organ, dass krankhafte Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm aufsteigen!)
  • Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen, Parasiten
  • Umwelteinflüsse: Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber aus Amalgam), Pestizide, Chemikalien, Farb- und Konservierungsmittel, Pilzgifte (Aflatoxine), Röntgen- und andere ionisierende Strahlen
  • Immunkrankheiten und Immunschwäche: AIDS, Krebs, Autoimmunkrankheiten, Multiple Sklerose, Arthritis
  • Stress, die normale Alterung, schlechte Hygiene

Antibiotika retten Leben, ihre Nebenwirkungen dürfen aber nicht vernachlässigt werden. Weil die Darmflora grundsätzlich stabil ist, können Antibiotika bei korrekter und zwingender Indikation kurzfristig folgenlos eingesetzt werden. Gefährlich wird es bei wiederholten Gaben verschiedener und breit wirkender Antibiotika («wenn das eine nichts nützt, versuchen wir ein anderes»). Vor allem in den Spitälern ist die damit verbundene Entwicklung resistenter Keime gefürchtet. Diese «Spitalkeime» entstehen nicht in der feuchten Nische am Waschbecken, sondern im Darm der Patienten!

Mögliche Folgen

  • Mangel an Vitamin B12, Biotin, Folsäure, Pantothensäure und Vorstufen von Vitamin K
  • Verdauungsstörungen, Fettstühle
  • Reizdarm mit Blähungen, Krämpfe und schleimige Abgänge
  • Darmentzündungen
  • Gelenksentzündungen
  • Schuppenflechte (Psoriasis), Akne, Neurodermitis
  • Chronisches Müdigkeitssyndrom
  • Migräne
  • Colon- und Brustkrebs

Weitere mögliche Zusammenhänge:

  • Bakterien, gestörte Darmflora
    • ähnliche Oberflächenstrukturen wie unsere Organe
      • Autoimmunprozesse („molecular mimicry")
        • Rheuma, Diabetes, Meningitis, Schilddrüsenkrankheit, Colitis ulcerosa und Lupus
  • Blähungen
    • Zwerchfell nach oben gedrückt
      • Herzverlagerung
        • lokalisierte Minderdurchblutung der Coronargefässe
        • Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen.

Was der pH-Wert des Stuhls verrät

Der pH-Wert des Stuhls ist ein wichtiger Hinweis auf den Zustand des Milieus im Darm. Wichtig sind vor allem Milch- und Essigsäure, welche die giftigen alkalischen Stoffwechselprodukte neutralisieren, insbesondere jene der Clostridien und der Proteus-Bakterien. Um eine Einheit «Toxin» zu neutralisieren, braucht es 10 Einheiten Milch- und Essigsäure!

Hoher, basischer pH-Wert (über 6,5):

  • Mangel an kurzkettigen Fettsäuren
  • Dysbiose
  • Fehlende Magensäure
  • Verstopfung mit Gefahr einer Körpervergiftung vom Darm her
  • Darmentgiftungskapazität evtl. überfordert

Tiefer, saurer pH-Wert (unter 5,5):

  • kaum von Bedeutung
  • selten bakterielle Fehlbesiedlung
  • Störung der Kohlenhydrat-Aufnahme
  • zu rasche Darmpassage

Bei Beschwerden wie Brennen am After beim Stuhlgang oder Wundsein sind allenfalls die Kohlenhydrate zu reduzieren.

Magensäuremangel: Sodbrennen ist nicht immer zu viel Säure

Sodbrennen muss kein Zeichen dafür sein, dass zu viel Magensäure vorliegt. Im Gegenteil: Sodbrennen tritt meist im Alter auf, dann, wenn die normale Magensäureproduktion zurückgeht. Damit verschlechtert sich die Verdauung, und die Nahrung bleibt länger im Magen liegen. So kann es vorkommen, dass ein wenig Säure in die Speiseröhre gelangt, und schon dieses wenige kann dort sehr unangenehm sein.

Therapie: Liegen Schleimhautschäden vor, ist eine Säurehemmung notwendig. Ist das nicht der Fall, muss die Verdauung unterstützt werden. Säureblocker tun genau das Gegenteil! Günstig sind wärmende Gewürze wie Ingwer oder Pfeffer, mit denen nicht gespart werden soll. Ebenfalls können Magensäure-Ersatzpräparate eingenommen werden. Chronisches Sodbrennen, das unabhängig von den Mahlzeiten auftritt, braucht längerfristig eine fachärztliche Betreuung.

Anzeichen eines Magensäuremangels

  • Oberbauchblähungen und Völlegefühl direkt nach einer Mahlzeit
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Allgemeine körperliche Reaktionen nach dem Essen
  • After-Juckreiz
  • Fingernägel schwach, abblätternd oder gespalten
  • Verbreiterte Kapillaren der Wangen („rote Bäckli")
  • Akne auch im Erwachsenenalter
  • Eisen-Mangel
  • Chronische Magen-Darminfekte, Parasiten, Pilze

Krankheiten, die mit Magensäuremangel verbunden sind

  • Nebennierenschwäche
  • Asthma
  • Zöliakie
  • Immunkrankheiten
  • Hautkrankheiten
  • Zuckerkrankheit
  • Allergien
  • Gallenblasenkrankheiten
  • Magenkrebs
  • Magenentzündungen
  • Schilddrüsenstörungen
  • Hepatitis
  • Osteoporose
  • Blutarmut
  • Psoriasis
  • Urticaria
  • Vitiligo

Aus dem Brief einer Patientin

«Dank Ihrem Medikament Stomach Digest hatte ich seit 2 Jahren kein Problem mehr mit Magenübersäuerung oder deren Symptomen und konnte ohne teure Medikamente wie Magensäureblocker leben, die aber nie wirklich halfen. Gleichzeitig schreibe ich meiner Krankenkasse und frage nach dem Grund, weshalb Ihr Produkt nicht von ihr übernommen wird, obwohl es doch eigentlich sehr viel Geld gespart hätte.»

Fehlbesiedlung des Dünndarms

Eine heute bekannte Fehlbesiedlung des Magens ist das immer häufiger gefundene Bakterium Helicobacter pylori, das mit der Entstehung von Magengeschwüren in Zusammenhang gebracht wird. Es lässt sich mit der Magenspiegelung oder im Stuhl einfach nachweisen.

Die Untersuchung des Dünndarms ist dagegen auch heute noch eine Herausforderung. Mit der Magenspiegelung gelangt man höchstens in den obersten Abschnitt (Duodenum); die restlichen 5 bis 6 Meter bleiben verborgen. Dabei findet gerade im Dünndarm die eigentliche Verdauung und Aufnahme der «Lebens»-Mittel statt, was ein gesundes Milieu voraussetzt. Normalerweise sind dort kaum Mikroorganismen zu finden, denn die Magensäure vernichtet die meisten Bakterien (Vorsicht vor Säurehemmern!). Vermehren sie sich dennoch im Dünndarm und entfalten dort einen nennenswerten Stoffwechsel, kann das zu verschiedenen gesundheitlichen Störungen führen.

Symptome

  • Bauchkrämpfe, Blähungen, Durchfall
  • Fettstühle (Gallensäuren werden bakteriell gespalten)
  • Typisch: Beschwerden kurz, etwa eine Stunde, nach dem Essen
  • Enzympräparate lindern nicht
  • Unverträglichkeit von Kohlenhydraten und Ballaststoffen
  • Blutarmut (Bakterien spalten Vitamin B12)
  • Gewichtsverlust (Gase verhindern den nötigen intensiven Kontakt der Nahrung mit der Schleimhaut)
  • Symptome eines Östrogen-Überschusses wie prämenstruelle Störungen oder ein erhöhtes Brustkrebsrisiko (Bakterien bewirken, dass ausgeschiedenes Östrogen vermehrt wieder aufgenommen wird)
  • Gelenksentzündungen
  • Chronische Müdigkeit
  • Osteoporose
  • Vitamin-K-Mangel
  • Darmkrebsrisiko (Bildung giftiger Nitrosamine)

Ursachen

  • Zu wenig Magensäure
  • Chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Unterfunktion
  • Milchzuckerunverträglichkeit (Lactose-Intoleranz)
  • Einseitige Ernährung, fast food, junk food
  • Zuckerkrankheit
  • Immunschwäche (v.a. IgA-Mangel im Darm)
  • Verlangsamte Darmbewegungen (die Bakterien werden zu langsam nach unten befördert bzw. haben Zeit „hinaufzuwandern")
  • Chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Alter
  • Bestrahlungen
  • Parasiten
  • Bauchoperationen mit Verwachsungen
  • Autoimmunkrankheiten wie Sklerodermie, Lupus erythematodes
  • Chronische Hautleiden

Der Atemtest

Das Prinzip dieser nicht belastenden Methode: Bakterien können bestimmte Zuckerarten abbauen. Der Atemgastest misst Wasserstoff und Methan, die bei einer Fehlbesiedlung im Dünndarm durch den bakteriellen Abbau von Lactulose entstehen können, einem für den Menschen unverdaulichen Zucker.

ErgebnisBedeutungTherapie / Konsequenzen
Hohe Wasserstoff und MethanausscheidungBakterielle Fehlbesiedlung
Magen-Säuremangel?
Verlangsamte Darmpassage?
Anatomische Veränderungen wie Verwachsungen, Tumore usw.?
Antibiose
Citrus-Kernextrakte
Knoblauch
Orthomolekulares Silber
Kohlenhydrat- und zuckerarme Diät
Vitamine A, B12, Folsäure, Glutamin, Zink, essentielle Fettsäuren, u.a.m.
Niedrige Wasserstoff- und MethanausscheidungKeine bakterielle
Fehlbesiedlung
Lactose Intoleranz?
Nahrungsmittelallergien?
Durchfall?
Antibiotische Therapie?
Abführmittel?

Der durchlässige Dünndarm

Unser Dünndarm mit seiner aktiven Oberfläche ist die eigentliche Kontaktzone zu unserer Umwelt. Schleimhaut und Darmwand, so dünn wie ein Augenlid, haben eine enorm wichtige, aber auch anfällige Doppelfunktion: Sie ermöglichen die Aufnahme unserer lebenswichtigen Nährstoffe, und sie müssen uns vor schädlichem Inhalt schützen. Der Dünndarm enthält, vor allem in den unteren Abschnitten, reichlich Bakterien sowie Stoffwechsel- und Abbauprodukte, die krank machen können, wenn wir sie aufnehmen. Beide Funktionen, Aufnahme und Abdichtung, können einzeln oder gemeinsam gestört sein.

Eine verstärkte Durchlässigkeit des Dünndarms (intestinale Permeabilität) belastet unseren Organismus unweigerlich mit entzündungsfördernden Molekülen und Bakterien. Gefördert wird dieser Zustand vor allem durch entzündliche Veränderungen der Dünndarmschleimhaut, durch Nahrungsmittel-Intoleranzen, durch die dauernde Einnahme bestimmter Medikamente, vor allem Rheumamittel, und durch Genussgifte wie Rauchen und Alkohol. Daraus kann ein Teufelskreis werden, wenn etwa eine Nahrungsmittel-Intoleranz die Durchlässigkeit steigert, die ihrerseits die Unverträglichkeit fördert.

Normale Schleimhaut
Normale Schleimhaut
Zerstörte Schleimhaut
Zerstörte Schleimhaut
Normale SchleimhautZerstörte Schleimhaut
Zotten intakt
= Grosse Aufnahmefläche für gesunde Nahrung
Zwischenräume geschlossen = Unverdaute und unverträgliche Nahrung bleibt draussen.
Zotten reduziert
= Schlechte Aufnahme gesunder Nahrung
Zwischenräume erweitert = Unverdaute und unverträgliche Nahrung kann ungefiltert hinein.

Diagnostik

Die Analyse der Dünndarmdurchlässigkeit misst, wie gut zwei nicht verstoffwechselbare, unterschiedlich grosse Zuckerarten die Darmschleimhaut durchqueren: Lactulose und Mannitol. Die «grosse» Lactulose wird normalerweise nur wenig aufgenommen, bei krankhaft veränderter Schleimhaut aber vermehrt. Sie zeigt also, wie intakt die Schleimhaut und die Verbindungen zwischen den Zellen sind. Das verhältnismässig «kleine» Mannitol wird durch die Zotten leicht aufgenommen und dient als Marker der normalen Aufnahme.

Für den Test trinkt der Patient eine festgelegte Menge Lactulose und Mannitol. Gemessen wird, wie viel dieser Zucker in den folgenden Stunden im Urin ausgeschieden wird. Den Test führen Sie selbst zu Hause durch.

Testergebnis, Beispiel
Testergebnis, Beispiel

Therapie

  • Weglassen der Nahrungsmittel, bei denen eine Intoleranz nachgewiesen ist
  • Vermeiden von irritierenden Medikamenten wie Antirheumatika
  • Förderung der normalen Darmflora
  • Unterstützung der Verdauung mit Enzymen
  • Allenfalls zusätzlich Ausschluss einer Lactose-Unverträglichkeit (Milchzucker)
  • L-Glutamin (Aminosäure)
  • Ungesättigte Fettsäuren
  • Zink, Selen
  • Pantothensäure, Vitamin C, E, A, Beta-Carotin
  • Glycyrrhiza (Süssholz), Aloe vera, Ginkgo biloba

Candida und andere Pilze im Darm

Ein bedeutendes Gesundheitsproblem unserer Zeit ist die Zunahme von Erkrankungen, die durch Pilze bedingt sind oder mit ihnen einhergehen. In den letzten Jahrzehnten haben vor allem Hefepilze an Bedeutung gewonnen, unter ihnen vornehmlich die Gattung Candida. Hefen sind heute die häufigsten und aggressivsten Verursacher von Pilzkrankheiten. Der breite Einsatz von Antibiotika und immununterdrückende Behandlungen (Cortison!) fördern Hefepilzerkrankungen ebenso wie eine geschwächte Infektabwehr bei chronischen Krankheiten, Tumoren oder in hohem Alter. Auch eine zucker- und kohlenhydratreiche Ernährung spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Als Reservoir für Pilze dient der Darm.

Mögliche Krankheitssymptome

  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwäche
  • Psychische Störungen
  • Chronische Müdigkeit
  • Muskelschwäche
  • Rheuma
  • Schwindelanfälle
  • Gesteigerte Geruchsempfindlichkeit
  • Ekzemkrankheiten
  • Juckreiz in der Analregion, Scheide
  • Ausfluss
  • Schlecht heilende Wunden
  • Fusspilz
  • Harnwegsbeschwerden
  • Magendarm Beschwerden
  • Allergien

Wird «lediglich» eine Pilzbesiedlung des Darms festgestellt, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Pilzkrankheit vorliegt. Der Befund ist aber zu hinterfragen, denn er weist auf eine andere Störung oder Fehlbesiedlung der Flora im Verdauungstrakt hin. Es wäre falsch, nur noch den Pilz im Visier zu haben, ohne die Barrierefunktion des Darms und den Zustand des Wirts zu behandeln. Trotzdem ist es sinnvoll, gewisse Hefen und Schimmelpilze zu beseitigen, weil sie den Körper mit Toxinen, anderen Stoffwechselprodukten und möglichen Allergenen belasten.

Pilzsporen
Pilzsporen
Pilz-Hefefäden
Pilz-Hefefäden
Pilze dringen in die Schleimhaut ein
Pilze dringen in die Schleimhaut ein

Mit Diät allein lassen sich Pilze nicht «ausrotten»

Hefen brauchen wie alle Pilze eine organische Kohlenstoffquelle. Am leichtesten zugänglich sind ihnen Einfachzucker wie Trauben- und Fruchtzucker, die sie zu Alkohol vergären. Je mehr Zucker ihnen zur Verfügung steht, umso besser gedeihen sie; in einer einzigen Nacht können sie ihre Zahl mehrmals verdoppeln. Entscheidend ist ein übermässiges Angebot an verwertbaren Kohlenhydraten: Zucker aller Art, Honig, Süssigkeiten, Schokolade, gesüsste Getränke, Mehlspeisen, Reis, Pudding, Gelee und Marmelade.

Trotzdem sind diätetische Massnahmen alles andere als unumstritten. Antimykotika (Anti-Pilzmittel) wirken nur, wenn sich die Pilze teilen. Versucht man sie gleichzeitig mit einer Antipilzdiät auszuhungern, ruhen sie und bleiben vom Medikament verschont. Hefen und Schimmelpilze sind zudem ausgesprochene Überlebenskünstler, und in jeder Diät sind noch Spuren von Kohlenhydraten vorhanden. Neuere Untersuchungen weisen sogar darauf hin, dass ein schwerer Kohlenhydratmangel Candida albicans regelrecht anregt, in die invasive Fadenform überzugehen, um neue «Futterquellen» zu erschliessen. Die verbreitete «Anticandidadiät» ist deshalb grundsätzlich abzulehnen.

An ihre Stelle gehört eine einfach «gesunde», vollwertige Ernährung mit Ballaststoffen. Wichtig ist das Ausräumen der Hefenester mit Pflanzenfasern. Gemüse und Salate können dabei auch stark zerkleinert gegeben werden. Besonders günstig sind Sauerkraut roh und gekocht, alle Kohlsorten, Broccoli, Wirsing, Knollensellerie, Karotten, Lauch, Spargel, grüne Bohnen, Knäckebrot, Roggenvollkornbrot, Haferflocken und Weizenkleie.

Weitere Behandlungsstrategien

  • Kausaltherapie: die Grundkrankheit behandeln (Darm? Leber? Diabetes?). Falls nötig kurzfristig Antimykotika, danach die Schutzflora im Darm wieder aufbauen. Colon-Hydro-Therapie.
  • Mundhöhle: Alle Mühe, den Darm pilzfrei zu bekommen, ist vergebens, wenn Mundhöhle, kariöse Zähne, Zahnstein, Zahnfleischtaschen und Zahnprothesen als Pilzreservoir vergessen werden. Abhilfe: Zahnbürste oft wechseln, mundhygienische Sanierung, Zahnarzt, Entpilzung der Zahnprothese. Geeignet sind neben hefewirksamen Antimykotika wie Nystatin oder Amphotericin B auch fungizide Mundwässer.
  • Amalgam fördert ebenfalls das Pilzwachstum. Manchmal lassen sich die Pilze erst erfolgreich beseitigen, nachdem die Amalgamfüllungen saniert sind.
  • Zweckmässige Kleidung: keine Synthetika, kochbare Unterwäsche.
  • Kosmetik: keine allergisierenden Seifen, Deodorants, Schaumbäder, Weichspüler, Intimsprays, keine Tampons. Gut ist trockener Körperpuder.
  • Partner mitbehandeln, um eine «Ping-Pong-Infektion» zu vermeiden. Ovulationshemmer absetzen. Pilzreservoire: Druckstellen durch ein Pessar.
  • Unspezifische Stimulation: Bewegung, Atmung, Luft und Sonne, Seebäder oder Solebäder.
  • Spezifische Stimulation: Resistenzsteigerung durch Eigenblut-Injektion.

Weitere Pilze im Darm:

Candida glabrata
Candida glabrata
Geotrichum
Geotrichum
Saccharomyces
Saccharomyces

Darmflora und Körpergewicht

Bacteroidetes und Firmicutes sind die bakteriellen Hauptbesiedler des Darmtrakts. Das Verhältnis der beiden Gruppen hängt mit dem Körpergewicht zusammen: Bei Schlanken beträgt das Verhältnis Firmicutes zu Bacteroidetes etwa 4:1, bei Übergewichtigen etwa 8:1. Der Stuhl von Schlanken enthält zudem mehr Restenergie und weniger Abbauprodukte langkettiger Kohlenhydrate. Es gibt sie also tatsächlich, die guten und die schlechten Kostverwerter!

Der Schlüssel sind die Firmicutes. Verschiedene Vertreter dieser Gruppe können langkettige Kohlenhydrate abbauen, zum Beispiel unverdauliche Ballaststoffe. Sie tun es für sich selbst, stellen aber zugleich ihrem Wirt die entstehenden kurzkettigen Kohlenhydrate und Fettsäuren als zusätzliche Nahrung zur Verfügung. Im Tiermodell nehmen Tiere mit einem grösseren Firmicutes-Anteil 8 bis 10 Prozent mehr Energie aus derselben Nahrung auf. Auf den Menschen übertragen sind das bei 2300 kcal pro Tag etwa 200 kcal zusätzlich, die sich langfristig im Körpergewicht niederschlagen.

Der Test «Firmicutes Ratio» misst dieses Verhältnis und damit eine mögliche Ursache von Übergewicht. Er ist angezeigt:

  • bei ungeklärter Gewichtszunahme, zum Beispiel nach einer Antibiotikatherapie
  • wenn Abnehmen trotz «gesunder Ernährung» nicht gelingt
  • im Rahmen unserer ganzheitlichen Ernährungsberatung

Abklärung: die umfassende Stuhlanalyse

Das «Basisprofil Darm» ist eine wichtige Untersuchung für alle, die an chronischen Verdauungs- und Darmstörungen leiden. Es beurteilt unterschiedlichste Parameter:

  • Bakterien: gute und schlechte, Fäulnis- und Gärungsflora
  • Pilze
  • Verdauung und Resorption
  • IgA-Immunstatus
  • Stuhl-pH

Das Verdauungssystem muss nicht nur die Nahrung ausreichend aufnehmen, es muss auch verhindern, dass giftige Moleküle in den Organismus eindringen. Fehlfunktionen in diesen Bereichen können Krankheiten in ihrer Entstehung fördern. Säurehemmer, Abführmittel oder Mittel gegen Durchfall unterdrücken nur die Symptome und behandeln nicht deren Ursachen. Die umfassende Stuhlanalyse gibt darüber ausführlich Auskunft.

Neben der Verdauungs- und Resorptionsleistung wird die Darmflora untersucht: die Konzentration der gesundheitsfördernden Bakterien wie Lactobazillen und Bifidobakterien, die vor einer Dysbiose schützen, ebenso wie belastende Bakterien und Hefepilze wie Candida albicans. Um die Behandlung zu erleichtern, wird bei den möglichen krankmachenden Keimen automatisch geprüft, worauf sie empfindlich sind, sowohl auf Arzneimittel als auch auf natürliche Substanzen.

Je nach Fragestellung kommen der Atemtest auf eine Fehlbesiedlung des Dünndarms, die Analyse der Dünndarmdurchlässigkeit und der Test «Firmicutes Ratio» dazu; sie sind in den Abschnitten oben beschrieben.

Was dem Darm hilft

Wenn immer möglich müssen die Ursachen erkannt und behoben werden. Je nach Art der Fehlbesiedlung kann eine kurzfristige Antibiotikagabe nötig sein; dank der anderen Möglichkeiten der funktionellen Medizin ist sie aber eine seltene Ausnahme. Die wichtigsten Massnahmen:

  • Gutes Kauen
  • Umstellung auf eine darmflorafreundliche, gesunde und vollwertige Ernährung
  • Ballaststoffe, Weizenkleie
  • Regulation des Stuhlgangs
  • Vermehrte Bewegung an der frischen Luft, gesunde Lebensweise
  • Bakterienpräparate, welche die Darmflora aufbauen (Probiotika mit Lactobazillen, Bifidobakterien und Colibakterien)
  • Gesunde Hefepilze wie Saccharomyces boulardii
  • Colon-Hydro-Therapie (siehe den Eintrag Colon Hydrotherapie)
  • Verdauungsenzyme und bei Bedarf Ersatz der Magensäure
  • Knoblauch, Bärentrauben
  • Antipilzmittel bei Pilzbefall
  • Anregung des Immunsystems
  • Weglassen von allergisierenden Nahrungsmitteln und darmbelastenden Medikamenten (nicht ohne den Arzt!)

Darmflorafreundliche Ernährung

  • Pfannengerichte nur leicht anbraten und das Fett nicht überhitzen. Dunkel Gebratenes und hoch erhitztes Fett fördern den Gallenfluss. Weil manche Darmbakterien Galle verwerten, können die entstehenden Abbauprodukte Durchfall auslösen.
  • Fette: gute, kaltgepresste Pflanzenöle wie Maiskeim-, Erdnuss- oder Sonnenblumenöl (reich an ungesättigten Fettsäuren), kühl aufbewahrt. Erhitzte Öle sind für die Gesundheit praktisch wertlos. Butter ist gut verträglich, aber zum Braten nicht geeignet; von brauner Butter ist abzuraten. Ein Stück frische Butter über gekochtem Gemüse verbessert den Geschmack und führt leicht verträgliches Fett zu. Gehärtete Fette (Margarine) meiden, weil ihre Verwertung viel Galle braucht; ungehärtete Pflanzenmargarine aus dem Reformhaus ist erlaubt. Mit Fetten allgemein sparsam umgehen und sie am besten erst nach dem Kochen beifügen, zum Beispiel als Salatsauce.
  • Gemüse vor allem gedünstet oder gekocht essen. Rohes Gemüse, besonders wenn es verholzt ist, kann von den Verdauungssäften nicht aufgeschlossen werden; erst die Fäulnisflora im unteren Darmabschnitt verdaut diese groben Pflanzenteile, und aus den Kohlenhydraten entstehen grosse Gasmengen, die zu Blähungen führen. Gekochtes Gemüse ist dagegen ein darmschonender Ballaststoff. Einige Kohlsorten blähen auch gekocht; am besten verträglich ist der Blumenkohl. Ein Anteil Rohkost ist dennoch zu empfehlen, etwa Blattsalate (Kopf-, Feld-, Endivien- und Chicoréesalat), die keine verholzten Teile enthalten. Der Rohkostanteil richtet sich nach der Verdauungskraft des Einzelnen.
  • Obst nach Geschmack und Verträglichkeit roh oder gekocht. Es ist frei von schwer verdaulichen Bestandteilen, mit Ausnahme der Bananen, die wegen ihres hohen Gehalts an unverkleisterter Stärke blähen können und deshalb bevorzugt gedünstet gegessen werden. Rohe Äpfel sind manchmal schwer verträglich und sollten wenn möglich gerieben werden.
  • Getränke: alles, was frei von Zucker und Süssstoff ist. Diätsäfte und Diätlimonaden meiden, weil sie Sorbit enthalten können, das kräftig bläht. Kaffee und Alkohol möglichst meiden; mit Rücksicht auf Galle und Bauchspeicheldrüse sind kleine Mengen gestattet. Alkohol beschleunigt die Magenpassage, worunter die Vorverdauung leidet. Harte Spirituosen sind verboten.
  • Getreide: Frischkornbreie (vor dem Verzehr einige Stunden einweichen) und grob geschrotetes Vollkornbrot nach Verträglichkeit; sie können wie rohes Gemüse erst von der Fäulnisflora zerlegt werden. Frischkornbreie tragen zudem körperfremde Bakterien und Pilze, die sich selbst im Kühlschrank vermehren. Vollkorn-Feinbrot aus Vollkornmehl enthält keine groben Teile und ist als darmfreundlicher Ballaststoffträger zu empfehlen. Für das Müesli das Getreide (am besten Haferflocken) mindestens einige Stunden im Kühlschrank einweichen; Naturjoghurt oder Rahm, geriebene Nüsse, Samen oder Kerne (gut kauen!) sind erlaubt. Keine Weissmehlprodukte.
  • Reis und Kartoffeln gehören zu den darmfreundlichsten Ballaststoffträgern und werden in der Regel auch bei schweren Störungen gut vertragen. Vollkornreis nach Verträglichkeit. Kartoffeln sind vielseitig und liefern hervorragend Eiweiss, Kohlenhydrate und Mineralstoffe. Pommes frites nur beschränkt (zu viel Fett und Röstprodukte).
  • Fleisch: zarte Sorten bevorzugen. Grobfaseriges Fleisch wird beim Kauen nur gequetscht und deshalb nur teilweise verdaut; den Rest verstoffwechselt die Fäulnisflora. Zu meiden: Hammel, Wild, grobfaseriges Schweine- und Rindfleisch. Erlaubt: Kalb, Jungrind, Poulet, Truthahn. Wenig Fett verwenden. Fleisch und Fisch nicht häufiger als dreimal pro Woche.
  • Milchprodukte nach Geschmack und Verträglichkeit (Allergien, Blähungen). Sie sind als wertvolle Eiweiss- und Mineralstoffquelle zu empfehlen.
  • Süssen: nur etwas naturreiner Honig, Obstdicksäfte, Ahornsirup.
  • Salz: wenig, nur Meersalz oder Kräuter.

Trotz dieser Einschränkungen können Sie Ihre Mahlzeiten schmackhaft gestalten. Nur ein wohlschmeckendes und mit Genuss eingenommenes Essen fördert den Fluss der Verdauungssäfte und ermöglicht so eine gute Ausnutzung der Nahrung. Lassen Sie sich Zeit zum Essen! In Eile und Anspannung fliessen die Verdauungssäfte nur ungenügend. Die Nahrung wird dann mangelhaft aufgeschlossen und von der Magensäure ungenügend desinfiziert, was zur Fehlbesiedlung des Dünndarms führt. Kauen Sie ausreichend lange: Sie vergrössern damit die Oberfläche der Nahrung, und durch reichliches Einspeicheln beginnt die Verdauung bereits im Mund. Zum Essen sollte nur wenig getrunken werden, damit die Verdauungssäfte in voller Konzentration wirken; getrunken wird zwischen den Mahlzeiten. Und beachten Sie: Unser Körper braucht in der Regel bedeutend weniger Nahrung, als häufig angenommen. Schonen Sie Ihren Organismus vor übermässiger Verdauungsarbeit und Überfütterung!

Müesli zur Darmregulation bei Verstopfung

  • 1 Becher Naturjoghurt
  • 3 Esslöffel Weizenkleie
  • 1 Esslöffel Leinsamen
  • 1 Esslöffel Haferflocken
  • 2 dürre Feigen, fein zerschnitten

24 Stunden warten (im Kühlschrank lagern!) und am Abend einnehmen. Das Müesli kann mit etwas Milch verdünnt und mit Früchten geschmacklich aufgebessert werden; Bananen und Äpfel sind dabei verboten.

Ernährung bei entzündlichen Darmerkrankungen

  • Nahrungskarenz von 2 bis 3 Tagen; bei Hämatokritwerten über 40 Prozent kann länger gefastet werden. In dieser Phase gibt es nur Kräutertee, 1 bis 2 Liter täglich als ganz schwachen Kamillen-, Pfefferminz- oder Fencheltee, dazu etwa 0,5 Liter Breuss-Säfte.
  • Langsamer Aufbau mit einer Basensuppe: Sellerie, grüne Bohnen (statt Bohnen allenfalls Linsen oder Kartoffeln) und Zucchetti zu gleichen Teilen mittelfein schneiden und 10 bis 20 Minuten schwach kochen. Das Gemüse absieben; nur die Brühe wird getrunken, morgens 3 bis 5 dl schluckweise.
  • Nach 3 bis 6 Tagen Kartoffelpüree, Karottensuppe, allenfalls harte Semmeln, die gründlich einzuspeicheln sind, oder vorsichtig Sauermilchprodukte, auch Hafersuppe.
  • Langsamer Kostaufbau, immer basenbetont und zumindest anfänglich ohne Fleisch; begleitend wird meist ein Basenpulver gegeben.
  • Nach etwa einer Woche Rohkost, die länger beibehalten wird, vor allem fein geraffelte Karotten, deren hoher Gehalt an Beta-Carotin entzündungshemmend wirkt.
  • Weiterhin verboten sind alle Schweinefleischprodukte, wegen der darin enthaltenen Allergene, des Histamins und der adrenalinartigen Substanzen, und um die Fäulnisflora zu vermindern.
  • Weiterhin verboten sind Industriezucker und alle zuckerhaltigen Speisen, um die krankhafte Candida-Flora abzubauen, die bei der Divertikulitis meist chronisch besteht.
  • Ausreichende Magnesiumzufuhr.

Darmreinigung mit Einläufen: anfänglich bis zweimal täglich ein halber Liter, körperwarm, meist Kamillentee oder eine entgiftende Teemischung aus Fenchel, Aloe und Wacholder; allenfalls Colon-Hydro-Therapie. In stark entzündlichen Fällen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sollte zusätzlich eine Enzymtherapie durchgeführt werden.

Symbiose: ein Prinzip der Natur

Aus einem Artikel von Dr. med. JvLS für die Vitasuisse, 2004.

Ganz am Anfang der Bibel steht das bekannte Wort: «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.» Diese Notwendigkeit der Zusammengehörigkeit gilt nicht nur für die Welt, die wir wahrnehmen, sondern für praktisch alle Stufen des Seins, im Grossen wie im mikroskopisch Kleinen. Schon vor Jahrmillionen verbanden sich Bakterien mit den Urzellen und ermöglichten so die Photosynthese, die Verwertung von Sauerstoff und Licht. Es wird auch angenommen, dass die Verknöcherung des Fischskeletts und damit die Fähigkeit, das Land zu erobern, einer Symbiose mit calciumverwertenden Keimen zu verdanken ist.

Mit jedem Atemzug gelangen 100’000 Bakterien in die Lungen, und Haut und Schleimhäute sind übersät mit Keimen unterschiedlicher Herkunft. Die Schulmedizin vertritt noch immer die Meinung, das Blut sei steril. Auch diese Auffassung ist ins Wanken geraten, seit Chlamydien in arteriosklerotischen Gefässveränderungen gefunden wurden. Bekannt ist auch die Gefahr der Infektion geschädigter Herzklappen nach Zahneingriffen. Offensichtlich kommt die Streuung von Bakterien im Blut auch beim Gesunden vor. Mit der Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein lassen sich zudem im ungefärbten Frischblut weitere Lebensformen erkennen, deren Bedeutung noch nicht im Einzelnen abgeschätzt werden kann.

Das Prinzip der Lebensgemeinschaft reicht noch tiefer, bis in unseren persönlichen Bauplan, die Chromosomen. Viren haben in den letzten 30 Millionen Jahren eine unglaubliche Fähigkeit entwickelt, sich in unsere Zellen einzuschleusen. Sie benutzen dazu bestimmte Andockstellen an der Zelloberfläche, die Integrine. Bemerkenswert ist, dass dieselben Rezeptoren inzwischen auch für andere wichtige Lebensfunktionen genutzt werden: für die gesunde Wundheilung, das Knochenwachstum und sogar die Embryonalentwicklung.

Verschiedene Viren tragen wir, einmal angesteckt, lebenslang in uns, etwa Herpes-, Hepatitis-, Epstein-Barr- oder Masernviren. Bestimmte Viren können ihr Erbmaterial auch in Zellen einschleusen, aus denen später Eizellen und Spermien werden. Dann trägt der Nachkomme diese Virusinformation in jeder einzelnen seiner Zellen und gibt sie an seine Kinder weiter. So wundert es nicht, dass etwa 3 Prozent unseres genetischen Materials aus Virusgenen bestehen. Zudem wurde ein Virus-Enzym entdeckt, die Reverse Transkriptase, das sich in unserem Genom so oft wiederholt, dass es etwa 15 Prozent unserer Chromosomen ausmacht.

Offensichtlich müssen wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass unser Erbgut zu knapp 20 Prozent aus Viren-Anteilen besteht und wir mehr Bakterien in uns tragen als körpereigene Zellen. Sind sie Schwarzfahrer in unserem Organismus oder Bestandteil eines gigantischen Plans der Natur, dessen Absicht wir noch nicht verstehen? Und wer weiss, vielleicht entschleiert sich die Symbiose eines Tages als eigentliches Vorbild, als Motor und Ziel der Evolution, im Grossen wie im Kleinen, ganz nach dem Wort: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.»

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