Die Diagnose «Krebs» ist für den Patienten wie für seine Angehörigen ein Ereignis, das das Leben verändert. Es bricht eine Zeit an, die meist mit schweren seelischen und körperlichen Belastungen verbunden ist. Gerade in dieser Lebensphase braucht der Patient ein Höchstmass an Verständnis und Zuwendung, und er braucht Hintergrundwissen über die Krankheit und ihre Behandlung.
Dieser Eintrag erklärt, wie wir Krebs verstehen, weshalb die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, im Zentrum unseres Konzepts stehen, was Sie selbst beitragen können, auf welche Säulen sich die biologische Therapie stützt, welche Fragen Sie Ihrem Onkologen stellen sollten und welche Abklärungen und Verfahren wir einsetzen.
Krebs betrifft den ganzen Menschen
Eine Krebserkrankung ist kein lokales Geschehen, und sie kommt auch nicht plötzlich und ohne Grund. Der Tumor ist nicht die Ursache, sondern das Symptom einer Erkrankung des ganzen Menschen. Deshalb muss auch das Therapiekonzept den ganzen Menschen erfassen.
Die schulmedizinische Tumortherapie hat unbestreitbar grosse Erfolge zu verbuchen; sie bleibt den Spezialärzten und Spitälern vorbehalten. Gehen wir aber, den Ansichten der Ganzheits- und Regulationsmedizin entsprechend, davon aus, dass bei dieser Erkrankung der ganze Mensch betroffen ist, öffnen sich vielfältige Möglichkeiten einer zusätzlichen Therapie. Sie kann in vielen Fällen das Allgemeinbefinden verbessern, Schmerzen lindern, Chemo- und Strahlentherapie verträglicher machen, das Leben verlängern und dessen Qualität merklich bessern.
Krebs als Erkrankung des Zellstoffwechsels
Lange galt als ausgemacht: Krebs ist eine genetische Erkrankung. Die Vorstellung geht auf den Zellforscher Theodor Boveri (1862 bis 1915) zurück. Die grossen Projekte zur Entschlüsselung des Krebsgenoms haben das Bild aber eher verwirrt als geklärt: Genetische Mutationen, die für Tumoren spezifisch wären, fehlen.
Der amerikanische Biologe Thomas N. Seyfried stellt dem eine andere Sicht gegenüber: Krebs ist eine Stoffwechselerkrankung. Die Gene haben die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Problem abgelenkt, dem Energiehaushalt der Zelle. Diese Sicht widerspricht der Lehrmeinung der Onkologie. Sie ist die Grundlage unseres Konzepts.
Die Mitochondrien
Mitochondrien sind kleine Organellen in der Zelle. Sie sind für die Energie verantwortlich und an vielen weiteren Vorgängen beteiligt:
- Bildung des Energieträgers ATP
- Zitratzyklus
- Fettverbrennung (Beta-Oxidation) und Bildung von Ketonkörpern
- Neubildung von Glukose
- Stoffwechsel der Aminosäuren und Harnstoffzyklus
- Bildung des Blutfarbstoffs (Häm-Biosynthese)
- Bildung der Steroidhormone
- Kalzium-Haushalt der Zelle
Gärung trotz Sauerstoff
Eine Zelle kann ihre Energie auf zwei Wegen gewinnen: mit Sauerstoff in den Mitochondrien (oxidative Phosphorylierung, kurz OxPhos) oder ohne Sauerstoff durch Gärung, den Abbau von Zucker zu Laktat. Der Weg über den Sauerstoff ist aufwendig, aber ergiebig, die Gärung ist einfach und schnell.
Tumorzellen unterscheiden sich von normalen Zellen nicht in der Energiemenge, die sie brauchen, sondern in der Energiequelle: Sie gewinnen ihre Energie durch Gärung, obwohl genügend Sauerstoff vorhanden ist. Fachleute nennen das aerobe Fermentation oder aerobe Glykolyse; beschrieben hat sie Warburg. Die Tumorzelle nimmt dafür viel mehr Glukose auf. Darauf beruht die Darstellung von Tumoren mit markierter Glukose im PET.
Was Tumoren gemeinsam haben
- Die verstärkte aerobe Glykolyse findet sich unabhängig davon, aus welchem Gewebe der Tumor stammt.
- Praktisch alle hochmalignen Tumorzellen haben weniger Mitochondrien oder Mitochondrien von gestörter Gestalt. Je abnormer die Gestalt der Mitochondrien, desto höher die Malignität.
- In Tumorzellen fliessen rund achtmal mehr Protonen ungenutzt durch die innere Membran der Mitochondrien zurück als in normalen Zellen. Ursache ist ein Defekt von Cardiolipin, einem Baustein, der diese Membran abdichtet. Es entstehen mehr reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS) und Wärme statt Energie.
- Metastasierende Zellen sind mit Zellen myeloischen Ursprungs verwandt, also mit Immunzellen wie Makrophagen und Leukozyten. Diese sind darauf angelegt, in Gewebe einzudringen und in sauerstoffarmer Umgebung zu überleben.
Wohin Metastasen wandern
Metastasierende Zellen haben die Eigenschaften mesenchymaler Zellen. Sie wandern an Orte mit hoher Reparatur- und Makrophagenaktivität, wie der Same, der auf geeigneten Boden fällt («Seed and Soil»): in den Mund nach einer Zahnextraktion, an Wundränder, in Biopsiekanäle, in jede Wunde, die gerade heilt.
Vom Reiz zur Tumorzelle
Strahlen, Gifte, Viren und chronische Entzündung sind unspezifische Einflüsse. Wie können sie einen so spezifischen Vorgang wie die Tumorbildung auslösen? Das gemeinsame Bindeglied ist die geschädigte Atmung der Mitochondrien, die mitochondriale respiratorische Insuffizienz.
Fällt die Atmung aus, melden die Mitochondrien dies dem Zellkern. Kurzfristig ist das eine Überlebensstrategie: Die Zelle fördert die Enzyme, mit denen sie Energie ohne Sauerstoff gewinnt. Langfristig werden Gene verstärkt abgelesen, die als Onkogene bekannt sind; sie sind eigentlich die Gene, die für die aerobe Gärung nötig sind. Zugleich nehmen die reaktiven Sauerstoffverbindungen zu, die Reparatur des Erbguts lässt nach, und das Erbgut im Zellkern wird instabil. Die genetischen Veränderungen sind in dieser Sicht die Folge der gestörten Atmung.
Gesunde Zellen, deren Atmung ausfällt, können den Verlust nicht durch Gärung ausgleichen: Sie sterben den programmierten Zelltod (Apoptose) und werden nie zum Tumor. Tumorzellen leben mit der Gärung weiter.
Eine intakte Atmung hält die Zelle zudem in Ruhe und Differenzierung, denn sie aktiviert Signale, welche die Zellteilung hemmen. In diesem Sinn sind die Mitochondrien die eigentlichen Tumorsuppressoren.
Wovon Tumorzellen leben
Gesunde Zellen können Fette, Kohlenhydrate und Aminosäuren verwerten. Tumorzellen sind auf Glukose und auf die Aminosäure Glutamin angewiesen. Glutamin ist bei vielen Tumorarten die Hauptenergiequelle, vor allem bei jenen der blutbildenden und myeloischen Zelllinien. Es ist zudem nötig für die Bildung der Botenstoffe, die an der Auszehrung (Kachexie) beteiligt sind.
Mitochondriale Medizin: was daraus folgt
Wenn Tumoren in erster Linie eine Stoffwechselerkrankung sind, muss eine folgerichtige Behandlung beim Energiestoffwechsel ansetzen. Das trifft auf die meisten Tumorarten zu.
Ein wichtiges Konzept der Seegarten Klinik ist es, diesen biochemischen Vorgang wieder zu normalisieren: die Atmung der Mitochondrien zu schützen und zu stärken und den Tumorzellen ihre Energiequellen zu entziehen. Die mitochondriale Medizin steht deshalb im Zentrum; die übrigen Säulen der biologischen Therapie ordnen sich um sie.
Ernährung: die Energie gezielt verknappen
Die diätetische Energiereduktion, also deutlich weniger Kalorien und vor allem weniger Kohlenhydrate, ist eine Stoffwechseltherapie. In Untersuchungen verlangsamte sie das Wachstum und das Fortschreiten verschiedenster Tumoren, so von Brust, Gehirn, Dickdarm, Bauchspeicheldrüse, Lunge und Prostata. Je früher sie einsetzt, desto erfolgreicher.
In gesunden Zellen:
- verbessert sie die Atmung der Mitochondrien
- verbessert sie den Redox-Status des Glutathions
- vermindert sie die Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen
- schützt sie vor der Tumorbildung
Im Tumor:
- hemmt sie die Neubildung von Gefässen und vermindert die abnorme Gefässarchitektur
- fördert sie den programmierten Zelltod der Tumorzellen
- wirkt sie entzündungshemmend
Nur normale Zellen mit einer funktionierenden Atmung kommen mit dieser Ernährung zurecht: Sie stellen auf Fette und Ketonkörper um. Tumorzellen können das nicht, weil die Enzyme und die Atmungskette ihrer Mitochondrien gestört sind. Ohne Glukose und Glutamin reichen Ketonkörper nicht aus, um ihren Energiebedarf zu decken. Umgekehrt beschleunigte Glukose im Tierversuch das Tumorwachstum, und ein Überschuss an Kalorien fördert es.
Eine solche Ernährung und jedes Fasten gehören in ärztliche Begleitung. Ob und in welcher Form sie für Sie in Frage kommen, klären wir im Einzelfall.
Sauerstoff
Im Tiermodell mit Metastasen wirkte die ketogene Ernährung zusammen mit Sauerstoff unter Überdruck (hyperbarer Sauerstoff) stärker als jede der beiden Massnahmen allein.
Prävention
«Es gibt nur wenige Krankheiten, die sich so leicht verhindern lassen wie Tumore», schreiben Seyfried und Shelton. Alle Faktoren, welche die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen, sind Risiken für die Tumorbildung. Vorbeugen heisst darum: die Mitochondrien schützen, ihre Atmung unterstützen und die Risikofaktoren der chronischen Entzündung meiden, namentlich Umweltgifte, Alkohol, Strahlenbelastung und Übergewicht. Seyfried sagt es so: «Jedes Nahrungsmittel, das die Energieausbeute der mitochondrialen Atmung verbessert, senkt das Krebsrisiko.» Auch Bewegung gehört dazu.
Wie ein solcher Einfluss wirken kann, zeigt das Beispiel der Handy-Strahlung: Sie erzeugt Wärme, die Wärme aktiviert Makrophagen, diese setzen entzündliche Botenstoffe frei, es entsteht eine chronische Entzündung. Sie stört die Mitochondrien und ihre Atmung. Es folgen die Rückmeldung an den Zellkern, die aerobe Glykolyse, die genetische Instabilität und die Tumorbildung.
- Ausschalten von Entzündungen und Herden: Entzündungsbotenstoffe begünstigen nachweislich Krebserkrankungen und fördern das Tumorwachstum. Entzündungsherde finden sich häufig im Mund- und Kieferbereich.
- Analyse des oxidativen und des nitrosativen Stresses, der Krebs auslösen kann
- Analyse des Mikrobioms, der Flora der Mikroorganismen im Darm
- Sinnvolle und praktische Ernährungsrichtlinien: Das Tumorwachstum kann über die Zufuhr bestimmter Nährstoffe gefördert oder gebremst werden.
- Förderung von Glaube und Zuversicht: Heilung im ursprünglichen Sinn
Sie selbst sind Ihr wichtigster Therapeut
Ein wichtiger Teil der Behandlung sind Ihre persönliche Einstellung und die Bereitschaft, etwas in Ihrem Leben zu ändern. Die Diagnose «Krebs» ist eine Botschaft in Gestalt einer Krankheit: Es ist höchste Zeit, die volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Viele Betroffene haben den Eindruck, sie wüssten, weshalb sie auf diese Weise erkrankt sind. Die wichtige Schlussfolgerung daraus: Sollte ich zu dieser Krankheit beigetragen haben, kann ich vielleicht auch zu meiner Gesundheit beitragen!
Sie haben die Wahl. Es ist nicht gleichgültig, was Sie essen, was und wen Sie an sich heranlassen, wo Sie leben und wie Sie arbeiten. Genauer als das deutsche «heilen» unterscheidet das Lateinische zwischen curare, dem Behandeln von Beschwerden, und sanare, der Rückkehr zur Gesundheit. Eine Therapie kuriert demnach nur. Das Konzept der Seegarten Klinik schliesst das Gesunden an Körper und Seele ein.
In der Standard-Medizin ist man anderer Meinung: Die Diagnose war einfach «Pech», und deshalb haben Sie keinen Einfluss; wirksam sind allein Chirurgie, Chemo- und Strahlentherapie. Aber die Wahrheit ist: Ihre Einstellung und Ihr Verhalten können über den weiteren Verlauf der Krankheit entscheiden. Das Konzept der Seegarten Klinik hilft Ihnen, aktiv zu werden, das Steuer zu übernehmen und in Ergänzung zur Schulmedizin die Verantwortung für Ihre Gesundheit mitzutragen. Ändern Sie zum Besseren, was Sie können. Alles im Leben hat einen Grund, und in diesem Fall sind der Grund Sie selbst. Die Entscheidungen, die ich in der Vergangenheit getroffen habe, beeinflussen heute meine Gesundheit.
Jetzt ist die Zeit für Veränderung
«Warum gerade ich?» Meist entsteht nach der Diagnose zuerst eine Leere, ein schwarzes Loch im Kopf. Eine glückliche Zukunft scheint undenkbar. Die wichtigste Aufgabe ist jetzt, die Krankheit anzunehmen und den eigenen Zustand zu akzeptieren. Erst dann können Hoffnung, Zuversicht und der Glaube an Heilung wirksam werden.
Wir verstehen uns als Lotse bei den vielen Fragen, die Sie haben, damit Sie alle Möglichkeiten kennen und nutzen können, die Ihnen offenstehen. Unser Anliegen ist es, die Gesamtsituation mit Ihnen zu beurteilen, die Gründe der Tumorbildung zu erkennen, den Verlauf der Krankheit zu kontrollieren und Sie mit unserer biologischen und funktionellen Medizin dabei zu unterstützen, Ihren Lebenswillen und Ihre Lebenskraft zu wecken.
Viele Säulen statt einer
Die biologische Therapie ist «multifaktoriell»: Sie stützt sich auf verschiedenste Säulen. Es hat wenig Sinn, zum Beispiel eine reine Thymustherapie durchzuführen, wenn der Darm bakteriell fehlbesiedelt ist und Zahnherde vorliegen, wenn der Patient unvermindert weiter raucht, Alkohol trinkt und sich falsch ernährt, eine depressive Lebenseinstellung bewahrt, ständig im Stress ist und keinen Sport treibt. So geht das nicht. Eine Ganzheitstherapie hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn möglichst viele Punkte angegangen werden.
Das gestörte innere Gleichgewicht und die Abwehrschwäche der Tumorkranken verlangen den kombinierten Einsatz von Mitteln und Methoden, welche die Abwehr stärken und den ganzen Organismus beeinflussen:
- Hormone, Antihormone
- Biological Response Modifiers
- Thymusfaktoren
- Milzfaktoren
- Interferone, Interleukin-2, lymphokinaktivierte Killerzellen, u.v.a.m.
- Hybridisierte Antikörper und Antikkörperkonjugate
- Spezifische Krebszell-Vakzinen
- Paraimmunisierungen
- Fiebertherapie
- Enzyme
- Pflanzenlektine
- Aktivierung und Ausgleich der Psyche im Hinblick auf Harmonisierung der neuroEndokrino-Immunologischen Abläufe im Organismus
- Physiotherapie
- Kneippanwendungen
- Aktivierung von Freizeit und Urlaub
- Gesprächstherapie
- Selbsthilfegruppen
- Familienbetreuung
- Hyperthermie, ganzkörper, lokal oder Perfusionen
- Antikoagulative Therapie
- Sauerstoff-Therapien zur Anregung der Phagozytose
- Detoxikations- Versuche (Nikotin, Alkohol)
- Herdsanierung
- Darmsanierung
- Milchsäure-Therapie
- Orthomolekulare Therapie (Retinoide, Ascorbinsäure, Tokopherole, Magnesium, Selen, Germanium)
- Vollwert-, Frischkost-Ernährung
Ihre Therapie: massgeschneidert oder von der Stange?
Bevor Sie eine onkologische Therapie planen, ist es wichtig zu wissen, auf welche Massnahmen Ihre Krebszellen empfindlich reagieren. Jeder Tumor besteht aus mehreren Zellgruppen mit unterschiedlichen Merkmalen; entscheidend ist die Zerstörung der Krebsstammzellen. Tumore entwickeln ein sehr individuelles Profil, das von Mensch zu Mensch verschieden ist. Folglich muss auch die Behandlung individuell erfolgen. Jeder Tumor hat seine höchst eigene genetische Ausstattung; ihre Analyse in Speziallabors ist für uns die Grundlage einer zielgerichteten, personalisierten Therapie.
Leitliniengerechte Therapie in der Onkologie bedeutet meist die Behandlung nach Standards, weil eine individuelle, personalisierte Krebstherapie von unseren Krankenkassen (noch) nicht getragen wird. Dabei wirken viele Chemotherapien nur eingeschränkt oder gar nicht. Deshalb ist es von Bedeutung, die Chemotherapeutika zuvor auf Wirksamkeit und Resistenz zu testen, am besten an Tumorzellen aus einer Operation oder Biopsie, sonst an einer Blutprobe.
Die Blut-Biopsie
Ohne chirurgischen Eingriff lassen sich im Blut zirkulierende Tumorzellen sowie freie DNA und DNA-Fragmente des Tumors nachweisen. So sind bestimmte Krebsarten zu erkennen und zu diagnostizieren, und die Entwicklung der Erkrankung lässt sich überwachen, vorbeugend oder während einer Behandlung.
Mit der Blut-Biopsie werden die zirkulierenden Tumorzellen und die Krebsstammzellen im Blut identifiziert, und es wird getestet, auf welche Medikamente (Chemotherapeutika, Biologika und andere) sie empfindlich sind. Mit den Ergebnissen können wir gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsweg einschlagen. In der Seegarten Klinik empfehlen wir unter anderem die Testsysteme des Labors RGCC (Research Genetic Cancer Centre) und Maintrac vom Labor Pachmann.
Die Testmethoden
- Maintrac: bestimmt die Zahl der ins Blut ausgeschwemmten Tumorzellen. An diesen Zellen lassen sich Krebsmedikamente ausserhalb des Körpers auf ihre Wirksamkeit prüfen, bevor sie eingenommen werden, und der Erfolg einer Therapie lässt sich schon während der Behandlung überprüfen. Anwendbar bei Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs, Bronchialkrebs und weiteren auf Anfrage.
- Oncotrace: weist nach, ob zirkulierende Tumorzellen vorhanden sind, und bestimmt deren Immunphänotyp und Konzentration. Wichtig für die Prognose und um den Primärtumor zu finden, wenn er unbekannt ist.
- Oncotrail: gibt Auskunft über zirkulierende Tumorzellen, deren Immunphänotyp und Konzentration bei bestimmten Krebsarten. Besonders geeignet bei Frauen mit Brustkrebs.
- Onconomics: gibt Auskunft über die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente und gezielter Therapien. Ein molekularer und zellulärer Ansatz wird mit einer epigenetischen Analyse und mit Lebensfähigkeitstests kombiniert.
- ChemoSNiP: bestimmt, wie Genvarianten auf Medikamente reagieren.
- Metastat: sucht nach Markern, die zum Beispiel an Lunge, Leber, Knochen oder Gehirn nachgewiesen werden können, und schafft so Klarheit über den Verlauf.
- Oncocount: erkennt, ob zirkulierende Tumorzellen vorhanden sind, und misst deren Konzentration im Blut. Geeignet zur Nachkontrolle und um Rückfälle früh zu erkennen.
Worauf getestet werden kann
Weil nur die wirksamsten Stoffe in die Testreihen aufgenommen werden, wird die Auswahl laufend angepasst. Die folgende Aufstellung ist deshalb beispielhaft.
1. Chemotherapeutika (in alphabetischer Reihenfolge): ACNU, BCNU, Bendamustin, Bleomycin, Capecitabin, Carboplatin, CCNU, Cisplatin, Cyclophosphamid, Dacarbazin, Dactinomycin, Daunorubicin, Docetaxel, Doxorubicin, Epirubicin, Estramustin, Etoposid, Floxuridin, Gemcitabin, Ifosfamid, Idarubicin, Irinotecan, Liposomal, Melphalan, Methotrexat, Mitomycin, Oxaliplatin, Paclitaxel, Pemetrexed, Raltitrexed, Temozolomid, Treosulfan, Topotecan, Trofosfamid, Uracil-Tegafur, Vinblastin, Vinorelbin.
2. Zielgerichtete Substanzen (Tendenz steigend), also monoklonale Antikörper und niedermolekulare Inhibitoren: Anastrozol, Bevacizumab, Bortezomib, Cetuximab, Coxibe, Imatinib, Leuprolid, Mesylat, Montelukast, mTOR-Inhibitoren, Raloxifen, Rituximab, Sorafenib, Sunitinib, Suramin, Tamoxifen, Trastuzumab und Thalidomid.
3. und 4. Spezielle Immunmodifikationen und Biomodifikationen.
5. Natürliche Substanzen und Nahrungsergänzungsmittel: hochdosiertes Vitamin C, Vitamin E, B17, Poly-MVA, Carnivora, Quercetin, Indol-3-Carbinol, Mistel, C-Statin, Ukrain (Schöllkrautwurzelextrakt), H2O2, Coenzym Q10, Essiac-Tee, modifiziertes Zitruspektin, IP6, Pankreasenzyme, Salvestrole, Uncaria tomentosa, Cäsiumchlorid, Carctol, Noni-Saft, Annonaceae-Acetogenine (Stachelannone), Reolysin, Maitake, Curcumin, Lycopin, Grüntee-Extrakt, Artesunat, Melatonin, Ellagsäure, L-Methionin, N-Acetylcystein, Niacin, L-Carnitin, Superoxid-Dismutase, Aloe vera, Selen, IFNa2, Propolis, CV247, Avemar-Pulver.
Verfahren, die wir einsetzen
- Mitochondriale Medizin: Tumorzellen entarten aus gesunden Zellen, denen die Energie ausgeht. Für die Energie sind kleine Organellen in der Zelle verantwortlich, die Mitochondrien. Viele Umweltgifte und Strahlenbelastungen greifen genau hier an und zerstören die Mitochondrien, wodurch die Energiegewinnung der Zelle von «mit Sauerstoff» (aerob) zu «ohne Sauerstoff» (anaerob) wechselt. Ein wichtiges Konzept der Seegarten Klinik ist es, diesen biochemischen Vorgang wieder zu normalisieren.
- Fiebertherapie: Krebszellen sind hitzeempfindlich. Das nutzen die verschiedenen Formen der systemischen Überwärmungstherapie (Ganzkörperhyperthermie).
- Entgiftung: Zytostatika, die Medikamente der Chemotherapie, entfalten ihre Wirkung in den ersten 24 bis 48 Stunden. Danach bleibt dem Körper der Giftmüll in Form von Schwermetallen. Eine gezielte Ausleitungsinfusion nach der Chemotherapie macht diese besser verträglich und vermindert die Nebenwirkungen deutlich.
- Darmpflege: Ihr Darm ist ein wichtiger Verbündeter. Wir unterstützen ihn mit Darmspülungen, Einläufen und der Wiederherstellung des Mikrobioms, Ihrer natürlichen Bakterienflora.
- Aufbau und Erhalt der Vitalität: Der lebenswichtige Mehrbedarf an Mikronährstoffen, Spurenelementen und Mineralstoffen wird gezielt mit Nahrungsergänzungsmitteln, Medikamenten und Infusionen gedeckt.
- Onkopherese (Blutwäsche): Normalerweise erkennt unser Immunsystem Zellen, die unkontrolliert wachsen, und zerstört sie, bevor sie Schaden anrichten. Mitunter entziehen sich Tumorzellen dieser Kontrolle, weil sie gelernt haben, sich zu tarnen. Zwei Eiweisse, der Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und Interleukin-2 (IL-2), kennzeichnen Tumorzellen, damit sie erkannt und vernichtet werden. An der Oberfläche von Tumorzellen entstehen aber auch Rezeptoren, die mit diesen Eiweissen konkurrieren. Diese im Blutplasma löslichen Rezeptoren werden mit der Blutwäsche entfernt. So wird das eigene Immunsystem wieder in die Lage versetzt, den Tumor anzugreifen.
Fragen an Ihren Onkologen
Ihre Entscheidungen sind so gut wie die Informationen, auf die Sie sich stützen. Sollten Sie sich mit dieser Diagnose konfrontiert sehen, ist dies ein kleiner Leitfaden mit Fragen an Ihren Onkologen, damit Sie für Ihre persönliche Entscheidung gerüstet sind.
Zur Diagnose
- Wie lautet meine genaue Diagnose?
- Ist der Tumor langsam- oder schnellwachsend?
- Wie lange habe ich den Tumor möglicherweise schon?
- Was glauben Sie hat zu meiner Krebserkrankung beigetragen? Meine Ernährung? Umweltschadstoffe? Arbeitsstress? Anderes? Oder ist meine Krankheit genetisch?
- Was bedeutet eine Biopsie, wenn sie negativ ist, also keine bösartigen Zellen gefunden wurden?
- Was bringt eine Wiederholung der Biopsie bspw. in einem Jahr, wenn die erste positiv war?
- Besteht eine Gefahr von Streuung bösartiger Zellen im Falle einer Biopsie bzw. einer Verletzung des Tumors? Wenn nicht, wie können Sie sicher sein?
Zur Behandlung und zu den Medikamenten
- Welche Behandlung wird mir empfohlen?
- Welche sind die Medikamente?
- Muss ich noch andere Medikamente einnehmen?
- Darf ich eine Liste erhalten von allen Medikamenten, welche ich erhalten werde?
- Welche sind die kurzfristigen Nebenwirkungen?
- Welche sind die langfristigen Nebenwirkungen?
- Haben diese Medikamente auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen?
- Wie lange sind diese Medikamente schon im Einsatz?
Zu Ziel und Aussichten
- Ist die Behandlung kurativ oder palliativ?
- Wenn kurativ, was wenn die Therapie nicht anschlägt?
- Wie hoch ist die Chance, dass die Krankheit wieder auftritt nach dieser Behandlung?
- Woher haben Sie diese Informationen / Statistiken?
- Wenn die Behandlung palliativ sein soll... Welchen Sinn machen Chemo- und Strahlentherapie wenn ich dadurch nicht geheilt werde?
- Wie können Medikamente, welche mich krank machen, mir eine bessere Lebensqualität ermöglichen?
- Wie lange glauben Sie werde ich noch leben unter dieser Behandlung?
- Wie lange werde ich noch leben, falls ich mich nicht (mehr) behandeln lasse?
- Wie hoch ist die 5-Jahres Überlebensrate für meine Diagnose mit der Behandlung und falls ich nichts unternehme?
- Wie viel trägt die Chemotherapie bei zu meiner Überlebensdauer?
- Gibt es Studien, welche vergleichen, Patienten mit und ohne Therapie?
Zur Chemotherapie
- Haben Sie jemals so ein Medikament selber genommen, um zu erfahren, wie es ist, so etwas einzunehmen?
- Was würden Sie tun mit meiner Diagnose?
- Stimmt es, dass Chemotherapie Tumore aggressiver machen kann?
- Ist Chemotherapie in der Lage, Krebs-Stammzellen zu töten?
- Kann diese Chemotherapie neue Tumore auslösen?
- Können meine Tumorzellen gegen diese Chemotherapie unempfindlich werden? Was dann?
Zu weiteren Möglichkeiten und zur Ernährung
- Kennen Sie noch weitere Behandlungsoptionen, neben den bereits besprochenen?
- Was halten Sie von einer ganzheitlichen Begleittherapie?
- Wie soll ich mich ernähren während der Chemotherapie?
- Darf ich weiterhin Eiscreme und Pizza essen?
- Welche ist die beste Antikrebs-Diät?
- Gibt es gewisse Speisen, die ich vermeiden soll?
- Ich dachte an eine vegetarische Rohkost. Wäre so etwas erlaubt?
- Ich würde gerne die Empfindlichkeit meiner Tumorzellen auf Chemotherapeutika untersuchen lassen. Wäre das in meinem Fall möglich? Könnten Sie dies veranlassen?
- Würden Sie eine pharmakogenetische Untersuchung veranlassen, um zu sehen, ob ich womöglich die Chemotherapeutika besonders schlecht vertrage?
Zur Erfahrung des Arztes und zur Begleitung
- Wie viele Patienten mit dieser Diagnose behandeln Sie jährlich?
- Wie viele Patienten wurden damit geheilt?
- Könnten Sie mir Patienten vermitteln, mit denen ich über die Therapie sprechen dürfte?
- Falls ich diese Therapie mit Ihnen durchführe, sind sie im Notfall auch ausserhalb der Sprechstunde zu erreichen?
- Ich würde gerne einiges in meinem Leben noch anpassen, bevor ich die Therapie beginne. Wie viel Zeit geben Sie mir dafür?
- Wieviel Bedenkzeit geben Sie mir für meine Entscheidung hinsichtlich der Therapie?
- Glauben Sie an Selbstheilung?
- Sollte ich mich gegen eine Behandlung entscheiden, würden Sie mich trotzdem auf meinem Weg begleiten?
- Darf ich von allen Untersuchungen und Berichten eine Kopie erhalten?
Quellen
Grundlage der Abschnitte zum Zellstoffwechsel ist der Vortrag «Energiehaushalt der Tumorzellen, neue Therapieansätze?» von Dr. med. John van Limburg Stirum am 4. Kongress für Komplementäre Krebstherapie, München 2014.
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- Singh K. K. et al.: Inter-genomic cross talk between mitochondria and the nucleus plays an important role in tumorigenesis. Gene, 2005.
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