Zähne sind kein Organ für sich. Dieser Eintrag erklärt, was ganzheitliche Zahnmedizin bedeutet, worauf es bei einer Zahnsanierung ankommt, was Sie selbst zu einem gesunden Gebiss beitragen können und was der Speichel über das Kariesrisiko aussagt.
Was heisst ganzheitliche Zahnmedizin?
«Ganzheitlich» sagt es bereits: Wir betrachten eine Störung nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang mit dem ganzen Organismus. Das Ganze ist beim Organismus mehr als die Summe seiner Teile. Wenn wir ein Störsymptom ausschalten, heisst das noch lange nicht, dass wir damit auch den Störfaktor ausgeschaltet haben.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Wenn Sie mit Ihrem Auto fahren und eine rote Warnlampe aufleuchtet, wissen Sie, dass irgendwo eine Störung besteht. Sie haben nun zwei Möglichkeiten. Entweder Sie suchen die Ursache der Störung und beseitigen sie, oder Sie kappen den Draht, der die rote Lampe speist. Die Lampe brennt dann nicht mehr. Das Risiko ist jedoch hoch, dass danach der Brand an einem anderen, wichtigeren Ort entsteht.
Auf die Zähne übertragen könnte das heissen: Ein schmerzender Nerv kann herausgenommen werden, dann tut der Zahn nicht mehr weh. Aber der Nerv hatte eine Funktion im Gesamtorganismus, nämlich eine Alarmfunktion, dass irgendwo etwas nicht stimmt. Sinnvoller, als den Nerv abzutöten, wäre es also, die Ursache des Schmerzes herauszufinden und zu beheben: zum Beispiel die Leber zu entgiften oder die Hüfte zu korrigieren, im Verbund mit anderen Fachärzten.
Worauf es bei einer Zahnsanierung ankommt
Keine neuen Störfelder
Bei einer ganzheitlichen Zahnmedizin ist es wichtig, dass eine Zahnsanierung nicht neue Störfelder setzt. So muss beispielsweise Amalgam sorgfältig entfernt werden, ohne den Körper zusätzlich zu belasten. Wurzeltote Zähne dürfen keine gemacht werden, und schliesslich müssen die verwendeten Materialien verträglich sein.
Verträgliche Materialien, möglichst metallfrei
Den Materialien, die in der Zahnprothetik verwendet werden, kommt eine grosse Bedeutung zu. Ohne Fremdmaterialien geht es nicht. Sie können aber individuell für den Patienten ausgetestet, mit ihm besprochen und ausgewählt werden. Das Ziel ist die metallfreie Versorgung.
Schwermetalle, darunter besonders das Quecksilber aus Amalgam, bedrohen unsere Gesundheit mehr denn je. Aus Amalgamfüllungen diffundiert manchmal Quecksilber in das umliegende Gewebe und lagert sich dort als Gefahrenquelle ein. Es genügt deshalb nicht, solche Füllungen einfach durch metallfreie Kunststoff- oder Keramikfüllungen zu ersetzen. Die Giftstoffe müssen ausgeleitet werden.
Handwerk, Biss und Ausstrahlung
Nicht zuletzt ist auch die handwerkliche Kunst eine Voraussetzung dafür, dass die Zahnsanierung zu einem Erfolg wird. Am Ende muss der Biss, also die Kaufähigkeit, wieder stimmen. Gutes Kauen ist die Grundlage für eine optimale Verdauung. Die richtige Ernährung ist das eine, die gute Verdauung das andere, um gesund und fit zu bleiben.
Auch kosmetische Überlegungen spielen eine Rolle, denn Zahnfehlstellungen entstellen das ganze Gesicht. Nach einer erfolgreichen Sanierung muss der Patient wieder richtig lachen können. Die gesamte Persönlichkeit geht gestärkt aus einer gelungenen Sanierung hervor. Das ist ganzheitliche Zahnmedizin.
Was Sie selbst beitragen können
Nicht nur der Zahnarzt sollte ganzheitlich denken, sondern auch der Patient. Auch Sie können wesentlich zu einem gesunden Gebiss beitragen und dazu, dass Belastungen aus den Zähnen auf ein Minimum beschränkt bleiben.
Zahnpasta und empfindliche Haut
Ist Ihnen beim Putzen mit der elektrischen Zahnbürste schon aufgefallen, wie die Zahnpasta plötzlich aus dem Mund zu fliessen beginnt, über die Lippen und über das Kinn? Wenn Sie eine empfindliche Haut haben, sollten Sie darauf achten. Zahnpasta ist gut für die Zähne und dient auch dazu, sie zu bleichen. Zudem enthalten die meisten Zahnpasten Fluor, das die Haut reizen kann. Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Haut am Kinn oder um den Mund mit der Zeit gereizt wird und mit einem Ausschlag reagiert. In einem solchen Fall ist nicht der Dermatologe gefragt, sondern eine andere Zahnpasta. Oder Sie achten einfach darauf, dass die Zahnpasta im Mund bleibt.
Speichel und Säurepufferkapazität
Ein gesunder Speichel muss nicht nur basisch sein. Er muss auch in der Lage sein, Säurebelastungen zu widerstehen, das heisst sie zu neutralisieren. Die Grafik zeigt drei Verläufe. Auf der waagrechten Achse stehen die Titrationsschritte, also die zunehmende Säuregabe zum Speichel.
- Rote Linie: ein gesunder Speichel, der Säurebelastungen standhält.
- Grüne Linie: ein guter pH-Ausgangswert, der aber schon bei der kleinsten Säurebelastung stark ins Saure abfällt. Patienten mit dieser Speichel-Konstellation entwickeln rascher Zahnprobleme und Karies.
- Blaue Linie: ein Verlauf dazwischen.
Der Ablauf:
- Im Labor werden etwa 3 ml Speichel in einem Behälter gesammelt.
- Unmittelbar vorher dürfen die Zähne nicht mit Zahnpasta gereinigt worden sein.