Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich meist in den ersten drei Lebensjahren zeigt: im Kontakt zu anderen Menschen, in der Sprache und in wiederkehrenden Verhaltensmustern. Die Ausprägung ist von Kind zu Kind sehr verschieden, man spricht deshalb vom Autismus-Spektrum.
Kinder mit Autismus werden meistens psychotherapeutisch und medikamentös behandelt. Die Abklärung durch die Kinder- und Jugendpsychiatrie und die pädagogische Förderung bleiben die Grundlage. Was wir anbieten, ergänzt sie und ersetzt sie nicht.
Der Blick auf den Körper
Viele Kinder im Autismus-Spektrum haben Beschwerden, die mit dem Verhalten zunächst nichts zu tun zu haben scheinen: Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall, ein sehr einseitiges Essverhalten, Schlafstörungen, häufige Infekte. Ein Kind, das sich schlecht mitteilen kann, zeigt solche Beschwerden oft nur über sein Verhalten.
Diese Beschwerden lassen sich abklären und häufig behandeln. Geht es dem Kind körperlich besser, berichten Eltern nicht selten auch von mehr Ruhe, besserem Schlaf und mehr Aufmerksamkeit. Wir schauen dabei vor allem auf vier Bereiche.
Gluten- und Kaseinpeptide
Gluten ist ein Eiweiss des Weizens und verwandter Getreide, Kasein ein Eiweiss der Milch. Werden diese Eiweisse im Darm nicht vollständig abgebaut, bleiben Bruchstücke übrig, sogenannte Peptide. Nach einer Hypothese können einige dieser Peptide durch eine durchlässige Darmschleimhaut ins Blut gelangen und im Gehirn ähnlich wirken wie Opiate.
Bewiesen ist diese Hypothese nicht. Die Studien zur gluten- und kaseinfreien Ernährung kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen: Ein Teil der Familien berichtet von einer Besserung, bei anderen ändert sich nichts.
Wir untersuchen deshalb zuerst, ob sich Kasein- und Glutenpeptide im Urin nachweisen lassen. Erst dann empfehlen wir einen Weglassversuch und begleiten ihn.
Lebensmittelsensibilisierung
Neben der Allergie vom Soforttyp, die sich innert Minuten zeigt, gibt es verzögerte Reaktionen auf Nahrungsmittel. Sie sind schwerer zu erkennen, weil zwischen dem Essen und den Beschwerden Stunden oder Tage liegen können.
Hinweise geben die Vorgeschichte, ein Ernährungstagebuch und Bluttests auf Antikörper gegen Nahrungsmittel. Ein erhöhter Wert allein beweist keine Unverträglichkeit. Entscheidend ist, ob es dem Kind besser geht, wenn das Nahrungsmittel einige Wochen weggelassen wird, und ob die Beschwerden zurückkehren, wenn es wieder auf den Tisch kommt.
Mehr dazu: Allergien und Intoleranzen
Candida im Darm
Hefepilze der Gattung Candida gehören in kleiner Zahl zur normalen Darmflora. Nach wiederholten Antibiotika-Behandlungen, bei kleinen Kindern etwa wegen Mittelohrentzündungen, können sie sich stark vermehren.
Eine übermässige Besiedlung kann die Darmschleimhaut reizen und zu Blähungen, Bauchschmerzen und unregelmässigem Stuhl führen. Dass Stoffwechselprodukte der Hefen darüber hinaus das Verhalten beeinflussen, wird vermutet, ist aber nicht belegt.
Ob eine übermässige Besiedlung vorliegt, klären wir mit einer Stuhluntersuchung. Bei einem Befund wird die Besiedlung gezielt behandelt, die Darmflora wieder aufgebaut und die Ernährung angepasst, vor allem beim Zucker.
Impfungen
Viele Eltern berichten, die ersten Auffälligkeiten ihres Kindes seien nach einer Impfung aufgetreten. Wir nehmen diese Beobachtungen ernst und erheben die Impfgeschichte bei jedem Kind genau.
Fragen zu Impfungen, zu einzelnen Impfstoffen und zum Zeitpunkt besprechen wir in der Impf-Beratung: Immunologie und Impfmedizin
Was Eltern erwarten können
Das Ziel ist, körperliche Belastungen zu erkennen und zu behandeln, damit es dem Kind besser geht und die Förderung besser greifen kann.
Welche Abklärungen bei Ihrem Kind sinnvoll sind, besprechen wir im Gespräch mit Ihnen.