Inhalt
- Zufall oder Muster?
- Gesundheitstipp: Vorsicht mit Basenpulver
- Akademie Vortrag 23. Juni 2026: HIF - Human Integration Framework / Humanität vs. KI in Medizin

Zufall oder Muster?
In der Medizin wird oft vom Zufall gesprochen.
- Ein Patient entwickelt kurz nach einer Impfung eine neue Erkrankung. Zufall.
- Eine jahrzehntelang bestehende Beschwerde verschwindet nach der Neuraltherapie einer alten Narbe. Zufall.
- Chronische Gelenkschmerzen bessern sich nach der Entfernung eines wurzelbehandelten Zahnes. Zufall.
- Rheumatische Beschwerden verschwinden nach einer Ernährungsumstellung. Zufall.
- Eine Patientin mit Migräne wird beschwerdefrei, nachdem ein lange unerkannter Eisenmangel behandelt wurde. Zufall.
Alles wirklich nur Zufälle…?
Ein zeitlicher Zusammenhang bedeutet nicht automatisch einen ursächlichen Zusammenhang. Genau deshalb wäre es falsch, aus einer einzelnen Beobachtung sofort eine Schlussfolgerung zu ziehen. Doch was ist, wenn diese Zufälle sich ständig wiederholen?
Der Mathematiker Jakob Bernoulli erkannte bereits vor über 300 Jahren etwas Entscheidendes: Einzelne Ereignisse können zufällig erscheinen. Betrachtet man jedoch genügend Beobachtungen, beginnen sich Muster zu zeigen. Aus dem scheinbaren Chaos entsteht Ordnung. Aus Einzelfällen werden Wahrscheinlichkeiten. Aus Vermutungen werden Hypothesen.
Genau so entwickelt sich Wissenschaft.
Nicht mit Antworten, sondern mit Fragen.
Keine grosse Entdeckung begann mit einer Leitlinie. Am Anfang stand meist eine Beobachtung. Und auf einmal entstehen Muster. Wenn sich bestimmte Ereignisse ständig wiederholen, entstehen Fragen, die es wert sind, weiterverfolgt zu werden.
Gerade in der funktionellen und ursachenorientierten Medizin beginnt Fortschritt häufig dort, wo man bereit ist, genauer hinzuschauen. Vielleicht ist das sogar die wichtigste Aufgabe einer modernen Medizin: Unerwartetes zu beobachten, hinterfragen, dokumentieren und zu forschen – denn häufig beginnen neue Erkenntnisse genau dort, beim Zufall.
Dr. med. John van Limburg Stirum, Chefarzt SGK
Gesundheitstipp

Vorsicht mit zu viel Basenpulver – besonders im Alter
Basenpräparate erfreuen sich grosser Beliebtheit. Viele Menschen möchten damit einer vermeintlichen „Übersäuerung“ entgegenwirken. Was jedoch nur wenige wissen: Mit zunehmendem Alter steigt der Blut-pH-Wert physiologischerweise leicht an. Der Körper wird also nicht saurer, sondern tendenziell etwas basischer.
Zusätzlich beobachten wir in der Praxis eine solche Alkalisierung häufig bei Menschen, die zu wenig trinken, bei bestimmten Krebserkrankungen, sowie unter harntreibenden Medikamenten wie Hydrochlorothiazid (HCT).
Wer in einer solchen Situation regelmässig grössere Mengen an Basenpulvern einnimmt oder gar sich mit „Baseninfusionen“ behandeln lässt, kann diese Entwicklung weiter verstärken.
Basenpräparate können in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein, wie bei Entzündungen, bei einer Regenerationskur, Wundheilung oder bei einer im Labor nachgewiesenen (!) Übersäuerung.
Deshalb empfehlen wir, Basenmittel nicht pauschal und dauerhaft einzunehmen, sondern gezielt und idealerweise auf Basis einer individuellen Beurteilung des Säure-Basen-Haushaltes.
Unser Fazit: Nicht jede Müdigkeit, jeder Schmerz und nicht jedes Gesundheitsproblem ist die Folge einer Übersäuerung. Gerade im Alter finden wir häufig eher das Gegenteil – eine leichte Alkalisierung des Organismus.
Dr. med. John van Limburg Stirum
Chefarzt SGK
Nächster SGK Akademie-Event
Dienstag, 23. Juni 2026, 19:00h

KI vs. Mensch
Wer heilt uns in der Zukunft?
Künstliche Intelligenz hält mit beeindruckender Geschwindigkeit Einzug in die Medizin – von der Terminplanung über die Analyse medizinischer Daten bis hin zur immer häufiger genutzten digitalen Zweitmeinung.
Doch eine entscheidende Frage bleibt:
Braucht es den Arzt in Zukunft überhaupt noch?
Technologie kann Prozesse beschleunigen, Informationen verarbeiten und Muster erkennen. Doch kann sie auch Empathie, Intuition, klinische Erfahrung und das Verständnis für die individuelle Lebenssituation eines Menschen ersetzen?
Diese Frage steht im Zentrum eines spannenden Zukunftsmodells für die Medizin. Das Human Integration Framework (HIF) zeigt auf, wie künstliche Intelligenz und menschliche Kompetenz sinnvoll miteinander verbunden werden können – nicht als Konkurrenz, sondern als Partnerschaft.
Denn die Medizin der Zukunft wird nicht nur intelligenter sein müssen, sondern auch menschlicher.
Das erwartet Sie: Ein spannender Blick auf das Zusammenspiel von Algorithmus und Anamnese.
Das Ziel: Zu verstehen, welche Medizin auf uns zukommt und wie wir die Kontrolle behalten.
Vortrag mit anschliessender Diskussion
Referent: Dr. med. Simon Reichel, Internist, Chefarzt StV