Fieber - vom Heilungsversuch zur vermeintlichen Krankheit
In unserer Gesellschaft wird Fieber häufig grundlegend falsch beurteilt. Sobald die Temperatur steigt, gilt das Fieber selbst als Krankheit und soll möglichst rasch gesenkt werden. Dabei wird Ursache und Reaktion verwechselt.
Nicht das Fieber ist die Krankheit. Die Infektion, die Entzündung oder eine andere Belastung ist die Krankheit. Das Fieber ist die gezielte Antwort des Körpers darauf – ein hochentwickelter Heilungsversuch des Organismus.
Diese Fehlinterpretation wird bereits sprachlich sichtbar: Wir sagen, jemand «leide an Fieber», und behandeln die erhöhte Temperatur wie einen eigenständigen Gegner. Mit fiebersenkenden Medikamenten fühlen wir uns kurzfristig besser. Gleichzeitig greifen wir jedoch in einen biologischen Abwehrmechanismus ein, den die Natur bewusst aktiviert hat. Die gesenkte Temperatur bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Krankheit überwunden ist. Unter Umständen wurde lediglich die sichtbare Heilreaktion unterdrückt.
Hier das Inserat eines Pharmaherstellers:

Das unterstreicht die allgemeine Fehlseinschätzung und Missinformation welche verbreitet wird.
Das bedeutet aber nicht, dass jedes Fieber harmlos ist oder unbegrenzt toleriert werden darf. Sehr hohe Temperaturen, schwere Begleitsymptome, bestimmte Vorerkrankungen sowie Fieber bei Säuglingen oder besonders gefährdeten Menschen erfordern eine ärztliche Beurteilung. Entscheidend ist jedoch, Fieber nicht reflexartig als Krankheit zu bekämpfen, sondern seine Ursache, seine Höhe, seinen Verlauf und den Zustand des Patienten zu beurteilen.
Wir sollten deshalb unser Verständnis umkehren: Fieber ist nicht der Feind, sondern in vielen Fällen ein Teil der Lösung. Wer ausschliesslich die Temperatur bekämpft, verwechselt den Heilungsversuch des Körpers mit der Krankheit selbst.
Fieber als Therapie
Gezielte Wärme aktiviert körpereigene Heilungsprozesse
Die systemische Ganzkörperhyperthermie – auch Fiebertherapie genannt – gehört zu den intensivsten therapeutischen Massnahmen, die auf den gesamten Organismus einwirken. Dabei wird die Körperkerntemperatur unter kontinuierlicher medizinischer Überwachung gezielt und kontrolliert erhöht.
Je nach Behandlungsziel wird eine Körperkerntemperatur zwischen etwa 38,5 und 40,5 °C angestrebt. Bei ausgewählten intensiven Behandlungen kann das individuell festgelegte Temperaturziel bis 41,0 °C betragen.
Ziel ist es, einen therapeutischen Fieberzustand zu erzeugen und damit natürliche Abwehr-, Regulations- und Regenerationsprozesse anzuregen. Stoffwechsel, Durchblutung, Sauerstoffversorgung und Immunsystem werden aktiviert. Gleichzeitig können chronische Entzündungsprozesse, muskuläre Verspannungen und vegetative Dysregulationen günstig beeinflusst werden.
Fieber ist keine Krankheit
Die Körperwärme ist eine wesentliche Voraussetzung für unser Leben. Verschiedene Regelmechanismen im Körper und im Gehirn sorgen dafür, dass die Körperkerntemperatur unter normalen Bedingungen nahezu konstant bei ungefähr 37 °C gehalten wird.
Bei einer Überwärmung steigert der Körper die Hautdurchblutung und beginnt zu schwitzen. Dadurch kann überschüssige Wärme abgegeben werden. Bei Unterkühlung wird dagegen die Durchblutung der Arme und Beine vermindert, während Muskelzittern zusätzliche Wärme erzeugt.
Diese präzise Temperaturregulation dient nicht nur unserem Wohlbefinden. Sie ist zugleich ein wichtiges Instrument der körpereigenen Abwehr.
Fieber ist deshalb nicht primär eine Krankheit, sondern eine bewährte Schutzreaktion des Organismus. Mit steigender Körpertemperatur werden zahlreiche Immunprozesse aktiviert. Abwehrzellen wie T-Lymphozyten und Makrophagen reagieren verstärkt, die Durchblutung nimmt zu und das Wachstum verschiedener Krankheitserreger wird erschwert.
Während der menschliche Körper seine Temperatur durch Schwitzen und eine vermehrte Hautdurchblutung regulieren kann, verfügen viele Krankheitserreger nicht über vergleichbare Möglichkeiten. Für sie kann die erhöhte Temperatur zu einer erheblichen Belastung werden – bildlich gesprochen wie der Aufenthalt in einer Sauna, deren Türe verschlossen bleibt.
Die Natur setzt Fieber somit gezielt ein, um Infektionen und andere Belastungen zu überwinden. Trotzdem wird Fieber häufig lediglich als Krankheitssymptom betrachtet und vorschnell unterdrückt.
Wenn die natürliche Fieberreaktion ausbleibt
Mit zunehmendem Alter, bei chronischen Erkrankungen, anhaltendem Stress, Umweltbelastungen oder ausgeprägter Erschöpfung kann die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems nachlassen. Bestimmte Abwehrzellen reagieren dann weniger dynamisch und eine natürliche Fieberreaktion bleibt aus oder verläuft nur schwach.
Betroffene fühlen sich erschöpft, krank und kraftlos, entwickeln aber kaum noch Fieber. Das Ausbleiben von Fieber ist daher nicht immer ein Zeichen besonderer Gesundheit. Es kann auch darauf hinweisen, dass der Organismus nicht mehr ausreichend auf eine Belastung reagieren kann.
Die medizinisch kontrollierte Ganzkörperhyperthermie versucht, diesen fehlenden Reiz gezielt von aussen zu setzen.
Wie wirkt die Ganzkörperhyperthermie?
Während der Behandlung wird der Körper mit Infrarot-Hellstrahlung gleichmässig erwärmt. Dabei handelt es sich um jenen Anteil des natürlichen Sonnenlichts, der für dessen Wärmewirkung verantwortlich ist. Die Behandlung erfolgt ohne hautschädigende UV-Strahlung.
Die Wärmestrahlung wird innerhalb einer speziell entwickelten Zeltkabine diffus reflektiert. Das Blut nimmt die Wärme auf und verteilt sie im gesamten Körper. Zunächst erwärmen sich Haut, Arme und Beine. Anschliessend beginnt die Körperkerntemperatur kontinuierlich anzusteigen.
Schwitzen ist dabei erwünscht. Eine Verdunstungskühlung wird jedoch bewusst verhindert, da für die therapeutische Wirkung nicht nur eine Erwärmung der Haut, sondern ein messbarer und kontrollierter Anstieg der Körperkerntemperatur notwendig ist.
Mit steigender Temperatur werden verschiedene physiologische Prozesse angeregt:
- Der Stoffwechsel wird deutlich gesteigert.
- Die Durchblutung von Organen und Geweben nimmt zu.
- Die Sauerstoffabgabe aus dem Blut an das Gewebe wird erleichtert.
- Immunzellen werden aktiviert und in ihrer Funktion reguliert.
- Stoffwechsel-, Ausscheidungs- und Entgiftungsprozesse werden unterstützt.
- Chronische Entzündungsprozesse können erneut aktiviert und einer Regulation beziehungsweise Ausheilung zugeführt werden.
- Tiefe und schwer zugängliche Muskelschichten können sich entspannen.
- Chronische Schmerzen und Verspannungen können gelindert werden.
- Neurotransmitter und vegetative Regulationsmechanismen können günstig beeinflusst werden.
- Erhöhte Cortisolspiegel können sinken und der Ruhe- und Erholungszustand kann wieder besser aktiviert werden.
Viele Patientinnen und Patienten berichten nach der Behandlung über eine tiefe Entspannung, einen klareren Kopf, mehr Energie und eine Verbesserung ihres allgemeinen Befindens.
Sauerstoffversorgung unter Wärme
Die Sauerstoffversorgung des Gewebes ist ein wesentlicher Bestandteil der Ganzkörperhyperthermie.
Mit zunehmender Temperatur wird Sauerstoff leichter aus dem Blut an das erwärmte Gewebe abgegeben. Dies ist vergleichbar mit dem Aufwärmen vor einer sportlichen Leistung: Wärme verbessert die Durchblutung und erleichtert die Sauerstoffversorgung der arbeitenden Gewebe.
Während der Hyperthermie bleibt der Kopf ausserhalb der Kabine. Die eingeatmete Luft ist daher deutlich kühler als die Temperatur innerhalb der Kabine. Zusätzlich wird während der intensiven Behandlung Sauerstoff verabreicht. Dadurch wird die Sauerstoffaufnahme über die Lunge unterstützt, während das erwärmte Gewebe den Sauerstoff vermehrt aufnehmen kann.
Dies kann besonders in schlecht durchbluteten oder chronisch entzündeten Geweben von Bedeutung sein. Sauerstoff dient den Immunzellen nicht nur als Energiequelle, sondern ist auch eine wichtige Voraussetzung für zahlreiche Abwehr- und Regulationsprozesse.
Der Unterschied zur Sauna
Die medizinische Ganzkörperhyperthermie unterscheidet sich grundlegend von einer gewöhnlichen Sauna oder anderen Wärmeanwendungen wie Fango oder einem heissen Bad:
- Die Erwärmung erfolgt über mehrere Stunden und nicht nur kurzfristig.
- Die Wärme wird gleichmässig und tiefenwirksam verteilt.
- Die Körperkerntemperatur wird kontinuierlich gemessen und gezielt erhöht.
- Eine Verdunstungskühlung wird bewusst verhindert.
- Der Kopf bleibt ausserhalb der Kabine.
- Während intensiver Behandlungen wird zusätzlich Sauerstoff verabreicht.
- EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Körperkerntemperatur werden medizinisch überwacht.
- Das Temperaturziel wird vor Behandlungsbeginn individuell festgelegt.
- Nach Erreichen des Temperaturziels erfolgt eine kontrollierte Wärmestau- und Ruhephase.
Die Ganzkörperhyperthermie ist somit keine Wellnessanwendung, sondern eine medizinisch überwachte und individuell dosierte Behandlung.
Formen der Ganzkörperhyperthermie
Milde Hyperthermie bis etwa 38,5 °C
Die milde Hyperthermie wird insbesondere eingesetzt zur:
- Entspannung und Regeneration
- Aktivierung des Stoffwechsels
- Unterstützung der allgemeinen Gesundheitsvorsorge
- Behandlung chronischer Verspannungen
- Linderung chronischer Schmerzen
- Unterstützung bei Arthrosen und Fibromyalgie
- vegetativen Regulation
- begleitenden Behandlung eines erhöhten Blutdrucks, sofern medizinisch vertretbar
Moderate bis intensive Hyperthermie
Bei der moderaten Ganzkörperhyperthermie wird die Körperkerntemperatur abhängig von Indikation, Belastbarkeit und Behandlungsziel auf bis zu etwa 40,5 °C erhöht.
Bei ausgewählten intensiven Behandlungen kann unter besonders engmaschiger Überwachung eine Zieltemperatur von bis zu 41,0 °C angestrebt werden. Das Temperaturziel wird immer vor Beginn der Behandlung individuell festgelegt. Entscheidend ist nicht das Erreichen einer möglichst hohen Temperatur, sondern eine therapeutisch wirksame und für den Patienten vertretbare Belastung.
Diese Behandlungsform wird insbesondere bei chronischen Entzündungen, chronischen Infektionen, ausgeprägter Immunregulationsstörung und als unterstützende Massnahme bei Krebserkrankungen eingesetzt.

Anwendungsgebiete
Die systemische Ganzkörperhyperthermie kann bei unterschiedlichen akuten und chronischen Erkrankungen unterstützend eingesetzt werden.
Chronische Infektionen und Entzündungen
- Borreliose
- chronische Entzündungen der Atemwege
- chronische Bronchitis
- chronische Entzündungen der Harnwege und Nieren
- chronische Entzündungen des Verdauungssystems
- chronische Hautentzündungen
- chronisch-entzündliche Beschwerden des Bewegungsapparates
- Asthma bronchiale
Rheumatische Erkrankungen und chronische Schmerzen
- Arthrosen
- Arthritis
- Fibromyalgie
- chronische Rückenbeschwerden
- chronische Muskelverspannungen
- hartnäckige oder therapieresistente Schmerzzustände
Immun- und Erschöpfungssyndrome
- Immunschwäche und eingeschränkte Immunregulation
- Chronic Fatigue Syndrome beziehungsweise ME/CFS - Verbesserung von Crash und PEM
- ausgeprägte körperliche und mentale Erschöpfung
- Burnout
- chronische Stressbelastung
- Schlafstörungen
- depressive Verstimmungen und Depressionen
- vegetative Dysregulation
Begleittherapie bei Krebserkrankungen
Die moderate Ganzkörperhyperthermie kann begleitend während oder nach einer konventionellen Krebstherapie eingesetzt werden. Mögliche Behandlungsziele sind:
- Aktivierung und Regulation der körpereigenen Immunabwehr
- Verbesserung der Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Gewebes
- Unterstützung der Regeneration nach Chemo- oder Strahlentherapie
- Verminderung therapiebedingter Erschöpfung
- Stabilisierung der körpereigenen Abwehr in der Nachsorge
- Unterstützung der Lebensqualität
Körpertemperaturen bis etwa 40,5 °C führen nicht zu einer direkten thermischen Zerstörung von Krebszellen. Die moderate Ganzkörperhyperthermie ersetzt deshalb keine tumorzerstörende oder anderweitig notwendige onkologische Standardtherapie.
Sie kann jedoch als ergänzende Behandlung eingesetzt werden, um immunologische und metabolische Prozesse zu unterstützen. Auch bei fortgeschrittenen oder metastasierten Tumorerkrankungen kann sie nach sorgfältiger ärztlicher Beurteilung als individueller Heilversuch erwogen werden.
Vorbereitung auf die Behandlung
Bitte planen Sie für die gesamte Behandlung einschliesslich Vorbereitung und Nachruhe ungefähr vier bis fünf Stunden ein.
Vor der Therapie sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Kommen Sie bitte pünktlich.
- Essen Sie vor der Therapie nur leicht verdauliche Speisen.
- Bringen Sie eine kleine Mahlzeit für danach mit, beispielsweise eine Banane, ein Sandwich oder einen Joghurt.
- Informieren Sie uns über neue Erkrankungen und Änderungen Ihrer Medikamente.
- Bringen Sie einen Bademantel, Badesandalen und Wechselkleidung mit.
- Denken Sie an kühlen Tagen an warme Kleidung und gegebenenfalls eine Kopfbedeckung für den Heimweg.
- Persönlich benötigte Kosmetikartikel können mitgebracht werden.
- Frottiertücher, Flüssigseife und Föhn stehen in der Klinik zur Verfügung.
Nach der Behandlung erhalten Sie auf Wunsch Tee, Kaffee und einen leichten Snack.
Ablauf der Hyperthermie in der Seegarten Klinik
1. Vorbereitung
Vor Therapiebeginn duscht der Patient. Die Unterwäsche wird abgelegt, damit ein allfälliger Toilettengang während der mehrstündigen Behandlung einfacher möglich ist.
Anschliessend wird ein venöser Zugang gelegt. Dieser dient der Verabreichung der begleitenden Infusionen und ermöglicht bei Bedarf Blutentnahmen während der Behandlung.
Sofern medizinisch vorgesehen, erhält der Patient zunächst zwei Ampullen Magnesium in 250 ml Ringer-Laktat. Danach werden sechs Ampullen Pascorbin in 1’000 ml Ringer-Laktat verabreicht. Die Infusionstherapie wird individuell geprüft und an die jeweilige gesundheitliche Situation angepasst.
2. Lagerung und Überwachung
Der Patient wird bequem in der Hyperthermie-Zeltkabine gelagert.

Danach werden die Überwachungsgeräte angebracht:
- EKG-Elektroden
- Blutdruckmanschette
- Sauerstoffsättigungssensor am Ohrläppchen
- rektale Sonde zur kontinuierlichen Messung der Körperkerntemperatur
Zusätzlich erhält der Patient Sauerstoff mit einer Flussrate von sechs Litern pro Minute.
Während der gesamten Behandlung werden Körperkerntemperatur, EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Kreislauf und Allgemeinzustand kontinuierlich beziehungsweise in festgelegten kurzen Abständen überwacht.
3. Erwärmungsphase
Zu Beginn der Behandlung wird zunächst eine Infrarotlampe eingeschaltet. Die Wärmeintensität wird abhängig von der individuellen Verträglichkeit schrittweise erhöht, meistens ungefähr alle 15 Minuten.
Die Wärmestrahlung wird innerhalb der Kabine diffus reflektiert und gleichmässig auf den Körper verteilt. Das Blut nimmt die Wärme auf und transportiert sie in den gesamten Organismus.
Schwitzen ist erwünscht. Die Kabine bildet um den Körper eine ruhende Warmluftschicht, welche eine Verdunstungskühlung weitgehend verhindert. Dadurch steigt die Körperkerntemperatur langsam und kontrolliert an.
4. Erreichen der Zieltemperatur
Das individuelle Temperaturziel und die entsprechende Abschalttemperatur werden vor Beginn der Behandlung festgelegt.
Nach dem Ausschalten der Lampen steigt die Körperkerntemperatur aufgrund der im Gewebe gespeicherten Wärme häufig noch weiter an. Deshalb werden sämtliche Lampen bereits beim Erreichen der individuell festgelegten Abschalttemperatur ausgeschaltet.
Der weitere Temperaturanstieg wird engmaschig kontrolliert, bis die angestrebte Körperkerntemperatur erreicht ist. Bei einer intensiven Behandlung kann – sofern medizinisch vertretbar – eine Zieltemperatur von 41,0 °C angestrebt werden.
5. Wärmestau- und Wirkphase
Nach dem Ausschalten der Lampen bleibt der Patient für weitere 30 Minuten in der geschlossenen Kabine.
In dieser Phase verteilt sich die gespeicherte Wärme gleichmässiger im gesamten Körper. Diese Homogenisierung der Körpertemperatur ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Die therapeutische Fieberwirkung kann sich nun entfalten, ohne dass weitere Wärme zugeführt werden muss.
Die medizinische Überwachung wird während dieser Zeit unverändert fortgesetzt.
6. Langsame Abkühlung und Nachruhe
Nach Abschluss der Wärmestauphase werden die Überwachungsgeräte und alle weiteren Materialien aus der Kabine entfernt.
Der Patient bleibt zunächst mit der Kabinendecke zugedeckt. Dadurch können Körpertemperatur und Kreislauf langsam absinken und sich stabilisieren. Diese allmähliche Entfieberung schont Herz und Kreislauf.
Anschliessend kann der Patient auf Wunsch in einem anderen Raum weiter ruhen.
Sobald sich der Patient wohlfühlt und die wesentlichen Vitalparameter wieder innerhalb des festgelegten Bereichs liegen, darf er nach Hause gehen.
7. Verhalten nach der Behandlung
Zu Hause sollte während mindestens sechs Stunden nicht geduscht werden.
Falls eine Dusche notwendig ist, darf ausschliesslich warmes oder lauwarmes Wasser verwendet werden. Kaltes Duschen oder eine andere abrupte Abkühlung ist zu vermeiden.
Am Behandlungstag sollte ausreichend Ruhe eingeplant werden.
Dauer und Anzahl der Behandlungen
Eine Behandlung dauert einschliesslich Vorbereitung, Erwärmung, Wärmestau und Nachruhe ungefähr drei bis fünf Stunden.
Die Häufigkeit und die Abstände richten sich nach Krankheitsbild, Belastbarkeit und Behandlungsziel.
In der Regel werden zu Beginn drei bis vier Behandlungen im Abstand von ungefähr einer Woche empfohlen. Eine Behandlungsserie umfasst meistens drei bis sechs Anwendungen. Weitere Behandlungen können bei Bedarf in grösseren zeitlichen Abständen erfolgen.
Begleitende Behandlungen
Die Ganzkörperhyperthermie wird häufig mit anderen zielgerichteten Therapieverfahren kombiniert. Durch die gesteigerte Durchblutung und Stoffwechselaktivität können gleichzeitig oder ergänzend eingesetzte Massnahmen intensiver wirken.
Mögliche Begleittherapien sind:
- Infusionen mit Vitaminen, Spurenelementen, Antioxidantien oder Aminosäuren
- Magnesium- und Vitamin-C-Infusionen
- Sauerstofftherapie
- Ozontherapie
- Immunmodulation
- Mikronährstoffmedizin
- Ausleitungs- und Entgiftungstherapien
- psychoneuroimmunologische Behandlungsansätze
- konventionelle medizinische Therapien
Welche Kombination sinnvoll ist, wird individuell beurteilt.
Geschichte der Fiebertherapie
Die heilende Wirkung des Fiebers beschäftigt Ärzte und Heilkundige seit Jahrtausenden. Bereits aus dem alten Ägypten und Griechenland gibt es Berichte, wonach sich chronische Erkrankungen nach dem Überstehen eines hohen Infektionsfiebers unerwartet besserten.
Dem griechischen Arzt und Philosophen Parmenides wird der Satz zugeschrieben:
«Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile viele Krankheiten.»
Im 19. Jahrhundert setzte der amerikanische Arzt William Coley fiebererzeugende Substanzen zur Behandlung von Krebserkrankungen ein. Der Wiener Arzt Julius Wagner-Jauregg behandelte Patienten mit fortgeschrittener Syphilis durch künstlich ausgelöste Malariafieber und erhielt dafür 1927 den Nobelpreis.
Diese historischen Verfahren waren schwer steuerbar und teilweise mit erheblichen Risiken verbunden. Deshalb wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Körpertemperatur durch eine kontrollierte Wärmezufuhr von aussen zu erhöhen. Zunächst kamen unter anderem Überwärmungsbäder zum Einsatz. Später etablierte sich die trockene Wärmeübertragung mittels Infrarot-Hellstrahlung.
Die moderne systemische Ganzkörperhyperthermie verbindet dieses historische Wissen mit präziser Temperatursteuerung, kontinuierlicher Kreislaufüberwachung, Sauerstoffgabe und medizinischer Begleitung.
Wärme als medizinischer Reiz
Die Ganzkörperhyperthermie nutzt keinen fremden Mechanismus. Sie verstärkt gezielt eine Reaktion, welche die Natur seit jeher zur Abwehr und Heilung einsetzt.
Entscheidend ist dabei nicht eine möglichst hohe Temperatur, sondern der individuell richtige Reiz: intensiv genug, um eine Wirkung auszulösen, und gleichzeitig so kontrolliert, dass der Organismus nicht überfordert wird.
So wird aus Wärme eine medizinische Behandlung – individuell dosiert, sorgfältig überwacht und in ein ursachenorientiertes Gesamtkonzept eingebettet.